Zunächst suggeriert diese hübsche Blechdose, dem geneigten Zombie-Fan hier nun möglicherweise doch an eine freigegebene 18er Version des George A. Romero-Klassikers "Dawn Of The Dead" sowie dem vierten Streich der (noch) Tetralogie "Land Of The Dead" zu kommen. Letzteres trifft sogar zu. Dass es sich bei "Dawn Of The Dead" jedoch um das 2004'er Remake handelt, welches von der Physis her nichts mit dem Romero-Klassiker gemein hat, so dass auch der Meister selbst eher "Shaun Of The Dead" neben seiner eigenen Reihe als gelungenen Beitrag zum Zombie-Genre zählt, erfährt man erst bei genauerem Studium des doch recht zierlich aufgedruckten Covertextes. Darüber können auch die kurzen Gastauftritte der Hauptdarsteller aus dem Original nicht hinwegtäuschen. Da man bei Universal auch tunlichst auf jedwede Ähnlichkeit zum Cover der Einzel-DVD des Zack Snyder-Films verzichtet hat, unterstelle ich dem Verleger hier mal Vorsatz. Ich selbst wäre fast drauf reingefallen.
Persönlich bin ich jetzt gespannt, mit welchem Film der vermeintlich fünfte Romero "Diary Of The Dead", der zeitlich vor all seinen Vorgängern spielt, zusammen in einer Blechdose erscheint. Wie wäre es mit "Zombie 3" von Marino Girolami? Eine ähnliche Schandtat mit Zombie 1 bis 4 gibt es ja bereits.
Zu den Filmen selbst:
Zack Snyders Verfilmung des Stoffes mag das junge Publikum elektrisieren. In Zeiten, wo alles immer schneller, höher, größer und länger sein muss, scheinen auch rennende Zombies ihre Daseinsberechtigung zu fundamentieren. Für mich persönlich geht gerade durch diesen Fakt Romero's Idee verloren. Denn hier handelt es sich ja um durch eine Seuche oder Verstrahlung wiederbelebte, geistlose Körper, in denen nur die nötigsten motorischen Funktionen wiederhergestellt werden, die vonnöten sind um den Verpflegungstrieb zu befriedigen. Scheinbar ziellos irren diese Kreaturen umher, um sich auf vermeintlich schwächere, in der Nähe befindliche Opfer zu stürzen.
Nicht so bei Snyder. Hier wird zu den wiederbelebten Körpern ein höchst präziser und fast schon auf Berechnung getimter Bewegungsapparat, über den die Personen vermutlich zu Lebzeiten nicht einmal verfügten, hergestellt.
Als Schocker mag der Film wohl gut durchgehen und sein Spannungsgehalt ist zweifelsohne höher, wenn man Romero's Original nicht kennt. Ich kannte es leider.
Mit "Land Of The Dead" ist Romero eine Fortsetzung gelungen, die meines Erachtens, naja sagen wir mal auch nicht zwingend notwendig war, die aber etwa das Niveau von "Day Of The Dead" erreicht. Der FSK-Vermerk "Keine Jugendfreigabe" für den ungekürzten Director's-Cut, wie er meines Wissens auch in dieser Box zu finden ist, macht für mich das nach wie vor anhaltende Verbot von "Dawn Of The Dead" (1978) selbst im 127'er Director's-Cut nur noch fragwürdiger. Tom Savinis darmkauende Zombies wirken gegen einige Goreszenen dieses Streifens wie friedliche Gremlins. Gut, der Streifen hat vielleicht keine so hohe Kopfschussdichte, aber ob das die Erklärung ist?
Die Idee, das sich die Zombies beginnen zu "organisieren" scheint beim ersten Anblick ebenfalls ein Wiederspruch zur ursprünglichen Idee zu sein, aber nicht zwangsläufig, denn auch bei reinen Fressmaschinen, wie wir sie in der Fauna ja zur Genüge vorfinden gibt es Leader. Etwas kitschig ist dann aber doch die Schlussszene in der sich beide Parteien (Menschen/Zombies) quasi symbolisch Respekt zollen. Wenn man an dieser Stelle weitermachte, wäre das Abrutschen in den totalen Klamauk (bei "Tanz der Teufel" funktioniert es ja ganz gut) nicht mehr aufzuhalten. Da Romero das offenbar nicht beabsichtig, kann ich sein Umdenken in Richtung "wie alles begann" ganz gut verstehen. Man darf gespannt sein.