Jüdische Sportler und Mäzene spielten in den frühen Jahren des Fußballs eine wesentliche Rolle - vor allem in Deutschland, Österreich und Ungarn. Jüdische Pioniere waren an prominenten Vereinsgründungen wie Bayern München, Austria Wien oder Eintracht Frankfurt beteiligt, jüdische Kicker verstärkten die Nationalmannschaft, jüdische Förderer trugen dazu bei, den Fußball zur Massensportart zu machen. Dieses Engagement, das ab 1933 ein gewaltsames Ende fand und seither in Vergessenheit geriet, wird von den Autoren erstmals ausführlich beschrieben. Dabei thematisieren sie auch die Diskriminierung, der jüdische Fußballer vielfach noch heute ausgesetzt sind.
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Eine absolut herausragende Veröffentlichung ist ein Sammelband über die Geschichte der Juden im Fußball. Hier liegt der Idealfall vor: Fußball- als Kulturgeschichte. Egal welches Kapitel man aufschlägt - man liest sich sofort fest. Wer weiß schon, dass Bayern München bis 1933 ein jüdisch geprägter Fußballclub war? Die Spieler trugen aus Frankreich importierte Strohhüte, man pflegte in Schwabing die Boheme-Kultur, und bis zum ersten weltkrieg durfte nur mitspielen, wer mindestend die Mittelschule absolviert hat.
Von 1913 bis 1933 war der Jude Kurt Landauer Vereinpräsident, um es von 1947 an wieder zu sein. Es gibt daneben gut recherchierte Artikel über Julius Hirsch, den Karlsruher Nationalspieler, der in Auschwitz starb, über das österreichische Wunderteam oder über Fußball in Budapest und Amsterdam.
Kurzum: Ein sporthistorisches Meister- respektive Standardwerk.
Jüdische Sportler und Mäzene spielten in den frühen Jahren des Fußballs eine wesentliche Rolle - vor allem in Deutschland, Österreich und Ungarn. Jüdische Pioniere waren an prominenten Vereinsgründungen wie Bayern München, Austria Wien oder Eintracht Frankfurt beteiligt, jüdische Kicker verstärkten die deutsche Nationalmannschaft, jüdische Förderer trugen dazu bei, den Fußball zur Massensportart zu machen. Dieses Engagement, das ab 1933 ein gewaltsames Ende fand und seither in Vergessenheit geriet, wird von den Autoren erstmals ausführlich beschrieben. Dabei thematisieren sie auch die Diskriminierung, der jüdische Fußballer vielfach noch heute ausgesetzt sind.
Zusammen mit Herausgeber Dietrich Schulze-Marmeling haben namhafte Fußballautoren und Historiker an diesem Sammelband mitgewirkt. Näher beleuchtet wie in anderen Publikationen werden jüdische Fußballhochburgen wie Berlin, München und Frankfurt; die Darstellungen zeichnen sich durch hohe Präzision und Lesbarkeit aus. Darüber hinaus geht der Blick der Autoren auch nach Wien, wo die Brüder Meisl wirkten. Hugo Meisl wurde bekannt als Trainer der österreichischen Nationalelf und Begründer des Mitropa-Cups. Neben den Meisls werden weitere Fußballpioniere wie Bensemann, Manning oder jüdische Spieler wie Fuchs und Hirsch vorgestellt. Einzig die Beiträge von Werner Skrentny fallen durch ihren narrativen Charakter etwas von den anderen ab. Interessantester Artikel dürfte der Beitrag von Stefan Mayr zu „Zwischen Intifada und Champions League: Fußball in Israel" sein. Mit diesem Kauf kann nichts falsch gemacht werden, denn in die nicht allzu langen Beiträge fließen neuste Forschungsergebnisse mit ein, ohne dass die Lesbarkeit darunter leidet.
Das vorliegende Buch erzählt die "Geschichte der Juden im deutschen und internationalen Fußball" und geht in seiner Bedeutung weit über ein "normales" Fußball-Buch hinaus. Im ersten Teil wird der Einfluß jüdischer Persönlichkeiten auf den deutschen Fußball anhand von Biographien sowie der Geschichte des Fußballs in deutschen Großstädten erzählt. Viele Vereinsgründungen, aber auch die Gründung des "Kicker" wären ohne Juden schlicht undenkbar gewesen. Der Leser erfährt zudem viel Wissenswertes über jüdischen Leben in Deutschland vor, aber auch während der NS-Zeit. So gab es in den Anfangsjahren des NS-Regimes sogar eine jüdische Fußballiga in Deutschland, deren Finalergebnisse von den Autoren sorgsam recherchiert wurden. Auch kritische Töne zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, z.B. im DFB, fehlen nicht. Im zweiten, internationalen Teil stehen Österreich und Ungarn im Vordergrund. Hier errangen jüdische Fußballer und Vereine beträchtliche Erfolge. Aber auch dem Fußball im (durch die Nazi-Herrschaft erzwungenen) Exil werden Kapitel gewidmet. Der Fußball diente den Menschen im Exil (z.B. in Shanghai und den USA) auch als Identitätsstifter. Das Buch erweist sich sowohl für geschichtlich als auch für sportlich interessierte Menschen als sehr lesenswert. Juden werden hier nicht nur als Opfer dargestellt (wenngleich der Schrecken der Nazi-Herrschaft sich natürlich durch alle Kapitel zieht), sondern als "ganz normale Menschen", für die der Sport genauso viel bedeutete wie für ihre nicht-jüdischen Mitbürger.
Wow! Mal was Neues! Jüdische Mitbürger vor dem zweiten Weltkrieg waren überwiegend bürgerlich. Also: das in Vereinen wie Bayern und Austria Wien viele Juden waren, ist wirklich nichts Neuen, da sie eben bürgerliche Klubs sind. Die Mehrheit der Funktionäre und Spieler waren Nichtjuden. Seit langem haben diese Klubs aber überhaupt nichts damit am Hut, warum auch? Nur mehr wenige Hakoah Vereine oder auch Ajax Amsterdam haben diesen Charakter. Man kann mir zwar Fussballvereine der Herkunft nach mit Arbeiterklub oder bürgerliche Herkunft verkaufen, mit Religion hat dass aber nichts zu tun! Mit dem Buch will was bewiesen werden, was nicht zu beweisen ist. Hände weg!!