Eine interessante Lektüre, die die biblische Überlieferung von Israels früher Königszeit mit den Herrschergestalten David, Salomo (und indirekt auch Saul) in einem neuen Licht erscheinen lässt.
Allerdings nicht ganz so sensationell, wie der Untertitel des Buches vielleicht nahelegen möchte. Einen Teil ihrer Thesen haben Finkelstein und Silberman bereits vorher veröffentlicht (»Keine Posaunen vor Jericho«) und sie vertreten hier nicht die radikale Position, dass die Geschichten von Macht und Pracht der frühen Könige samt und sonders in viel späterer Zeit einfach frei erfunden wurden.
Eher stellen sie fest, dass es keine außerbiblischen Zeugnisse für die Regierungszeit und die geschilderten Aktivitäten von David, Saul und Salomo gibt und behaupten, dass die ihnen zugeschriebenen Glanztaten mit den bisherigen archäologischen Befunden nicht vereinbar sind. Es mag diese frühen Führergestalten gegeben haben, aber die Ereignisse im 10. Jahrhundert v. Chr., die zunächst nur mündlich überliefert wurden, müssen sich in viel bescheidenerem Rahmen abgespielt haben, als man es sich nach dem biblischen Bericht vorstellt. Jerusalem war zu dieser Zeit nur eine kleine Siedlung auf einem Hügel und David vielleicht nur ein umherziehender Räuberhauptmann, der sich nach Sauls Untergang als lokaler Herrscher etablieren konnte.
Was wir heute in der Bibel lesen, sind demnach schriftliche Überarbeitungen und Ergänzungen aus den nachfolgenden Jahrhunderten, in die das jeweilige Zeitkolorit eingeflossen ist und wo die alten Geschehnisse nach den jeweils herrschenden politischen und theologischen Anschauungen umgedeutet und angereichert wurden.
Über weite Strecken sind die Ausführungen der beiden Archäologen spannend zu lesen, vieles von ihren Thesen erscheint plausibel. Wie sich die Ereignisse damals wirklich abgespielt haben, können sie mangels Dokumenten aber auch nicht klären, dort bleiben sie ebenso bei Hypothesen wie in Bezug auf die Motive der Verfasser und die Abfolge der Bearbeitungsschritte bei der Entstehung des deuteronomistischen Geschichtswerks.
Soweit ich die Fachliteratur kenne, wird ihre Version durchaus nicht von allen Forschern geteilt. Was die theologische Bewertung ihrer Befunde angeht, halten sich Finkelstein und Silberman selbst weitgehend zurück. In der Tat findet man Gott wohl eher, wenn man zum Himmel aufblickt, als wenn man in der Erde wühlt...