Der britischen BBC ist mit "David Copperfield" wieder einmal eine sehenswerte Verfilmung eines absoluten Klassikers der britischen Literatur gelungen.
Der Zweiteiler findet sich in enger Orientierung am Roman umgesetzt. Die Besetzung lässt kaum Wünsche offen. Insbesondere die unvergleichliche Maggie Smith als exzentrische, gleichwohl grundgütige Betsy Trotwood beschwört die Romanfigur hervor, wie sie mir beim Lesen vor Augen gestanden hat. Aber auch bei der Besetzung vieler der weiteren Rollen hat die BBC ein glückliches Händchen gehabt: Bob Hoskins und Imelda Staunten etwa personifizieren die leicht schrulligen, emotional schnell aus der Bahn zu werfenden Micawbers ("I shall never desert Mr. Micawber, never!") ebenfalls in einer Weise, dass ich die Romanfiguren bestens getroffen sah; mit Pauline Quirke könnte die Rolle der Peggotty nicht besser besetzt sein und Trevor Eve ist wohl einfach der bitterböseste, kältestes Mr. Murdstone, den man sich irgend vorstellen könnte. Schließlich ist da noch Nicholas Lyndhurst als gespenstischer Uriah Heep, dessen verschlagene Schmierigkeit wirklich Gänsehaut hervorruft.
Ein paar Kritikpunkte gibt es gleichwohl: So kam mir die Verfilmung, wenngleich ca. 3 Stunden Spielzeit, doch recht gedrängt vor. Angesichts der Detailtiefe und Länge des Romans kann dies nicht wirklich erstaunen; ich meine, man hätte der Entwicklung der Geschichte vielleicht einen größeren Gefallen damit getan, wenn man die Verfilmung etwas weniger gedrängt (z.B. als Fünf- bis Sechs-Teiler) angelegt hätte. So fehlen doch einige Episoden und Figuren des Romans, was zwar für eine Verfilmung meines Erachtens nicht unbedingt schlimm ist, aber auch der Haupterzählstrang der Geschichte leidet ein bißchen daran, dass man relativ schnell durch die Abschnitte von Davids Leben "gejagt" wird. Wirklich problematisch fürs Verständnis wird es dann auch bei der Beziehung von Uriah Heep und Mr. Wickfield, da in der Verfilmung unklar bleibt, dass Mr. Wickfield ein Trinker ist und es Uriah Heep allein deshalb gelingen kann, ihm vorzugaukeln, dass er Gelder seiner Mandanten veruntreut habe. Etwas schade fand ich auch, dass in der Verfilmung dem humorvollen und leicht ironischen Ton des Romans nicht rechte Geltung eingeräumt wurde. So ist die Erzählweise des Films doch eher ernst. Infolgedessen ist man der Figur Davids gegenüber als Zuschauer relativ indifferent, zumindest bleibt er meines Erachtens doch eigentlich eher blaß, was noch dadurch verstärkt wird, dass ein Ciarán McMenamin als David Copperfield und auch der junge Daniel Radcliffe als junger David mit der darstellerischen Kraft einer Maggie Smith einfach nicht mithalten können, so dass man fast schon geneigt ist, eher Betsy Trotwood als Hauptfigur und Symapthie-Zentrum des Films zu sehen als David Copperfield.
Trotz der Kritikpunkte habe ich die Verfilmung aber letztlich doch sehr genossen, da eben viele der Charaktere des von mir sehr geliebten Romans wunderbar getroffen sind und die zeitgemäße und detailreiche Ausstattung ihr Übriges tut, einen doch ein ganzes Stück weit in die Welt von Charles Dickens zu entführen.