Es ist schon erstaunlich, mit welcher Geschwindigkeit Alan Curtis CD-Produktionen herausbringt. Gerade erst sind Händels "Floridante" und "Fernando" erschienen, da "beglückt" uns Curtis wieder mit einer Barock-Rartät: Contis für Wien geschriebenes Oratorium "David" (1724). Mir selbst war Conti zuvor kein Begriff und ich habe die CD vor allem wegen der Sänger Kermes, Mijanovic und Priante gekauft - und wurde prompt enttäuscht. Curtis' enthusiastische Besprechung des David - er lobt im Booklet die im Barock für ihn einzigartige "harmonische Folge" des Werkes - kann ich als Laie beim besten Willen nicht nachvollziehen - und auch nicht beurteilen. Das Werk ist aus meiner Sicht sehr konventionell aufgebaut und enthält bis auf wenige Ausnahmen auch nur wenig schöne Stellen. Mir persönlich haben nur drei oder vier der Arien wirklich gefallen. Auch sonst klingt die Aufnahme - leider - wie eine typische Curtis-Produktion: ziemlich steril, akademisch-trocken und uninsperiert. Vielleicht sollte sich Herr Curtis einfach etwas mehr Zeit bei seinen Produktionen nehmen. Völlig unverständlich ist mir aber vor allem die Besetzung der Rollen: Die technisch unschlagbare Simone Kermes hat als Micol drei langsame und nahezu koloraturfreie Arien zu singen, während die koloraturreichere Partie der Gioata von der ziemlich miserabelen Brigitte Christensen interpretiert wird. Warum wurden die Rollen nicht vertauscht? Zwar geht Frau Kermes - typisch für sie (Manierismus?)- in ihren Arien auf das dreigestrichene f, doch dürfte dieser Abschluss wohl kaum so komponiert worden sein.
Fazit: Eine Einspielung für Experten mit musikwissenschaftlichen Wissen bzw. Ambitionen, die sonst schon alles besitzen, oder für eingefleischte Curtis-Fans.