Ich habe "Dating Berlin" von Sonia Rossi eher aus Zufall gekauft. Das Cover kam mir bekannt vor und ich brauchte spontan ein Buch für eine längere Zugfahrt.
Erst langsam kam mir in den Sinn, dass dies die Fortsetzung von ihrem mehr oder weniger bekannten Debütroman "Fucking Berlin" war und ich ärgerte mich fast, dass ich jetzt eine Fortsetzung ohne Bezug zum ersten Teil in den Händen hielt.
Nichtsdestotrotz lässt sich das Buch auch ohne Vorkenntnisse gut lesen, zumindest konnte ich mir schnell ein Bild der Protagonistin und der Vorgeschichte machen.
Zu Beginn hatte ich den Eindruck als handle es sich um eine toughe Frau, die mit ihrer Vergangenheit als Prostituierte abgeschlossen und ein neues Leben begonnen hatte und der nun neben einem erfolgreichen Beruf und einem kleinen Sohn, nur noch Mr. Right zum perfekten Glück fehlte.
Um dieses zu finden, versucht sie sich hauptsächlich in Online-Portalen für Partnersuche, was auch schon die zentrale Handlung des Buches ausmacht.
Im Großen und Ganzen dreht sich alles nur um wenig sagende Nachrichten zwischen ihr und den potenziellen Partnern, einigen unerfolgreichen Treffen und Verabredungen und manchen sexuellen Ausflügen.
Der Plot ist dadurch ziemlich langatmig, es passiert kaum etwas, es ist eher wie eine unendliche Aneinanderreihung ähnlicher Vorkommnisse ohne wirklichen Höhepunkt.
Die Sprache ist einfach und Ausdrücke wiederholen sich ebenso häufig.
Ich habe das Buch oft zur Seite gelegt, denn es interessierte mich teilweise einfach nicht mehr. Ich brauchte außerdem eine Pause von all den vielen und bedeutungslosen "Männergeschichten", die in dieser Form für mich nicht nachvollziehbar waren.
Das war es unter anderem auch, was die Protagonistin für mich sehr unsympathisch machte. Sie findet fast jeden Kerl, der ihr über den Weg läuft anziehend und gutaussehend und ist der schnellen Nummer keinesfalls abgeneigt.
"Er war kleiner als ich und sehr dünn - ich fand ihn attraktiv", "Er hatte ein sehr rundes Gesicht, eine große Stirn und müde Augen, was mir sehr gefiel", es fehlte nur noch "...er wog 130 kg, hatte eine Halbglatze und roch aus dem Mund - das hat mich sehr angezogen."
Mir sind in meinem ganzen Leben nicht so viele attraktive Männer begegnet wie anscheinend Rossi in nur einer Woche. Aber gut, das ist dann wohl Geschmacksache.
Ein weiterer Minuspunkt war, dass ich ständig das Gefühl hatte, Rossi wolle sich selber unbedingt als höchst intellektuell darstellen, denn sie beschreibt sich selber oft genug als schlau. Mir kam das vor, als versuche sie sich das selber zu beweisen. Für mich jedenfalls waren u. a. die vielen Verweise auf literarische Werke einfach nur unnötig und offensichtlich in ihrer Absicht.
Was mich auch betroffen machte war die Frage nach dem Sohn. Klar, Rossi erwähnt ihn oft, schreibt über Spielplatzbesuche hier und dort, aber ich fragte mich wie es möglich ist, für eine alleinerziehende Mutter, die studiert, arbeitet, nebenbei ein Buch schreibt, mit unzähligen Männer in Onlineplattformen kommuniziert und diese auch gerne trifft, die nötige Zeit für den Jungen zu finden.
Zumindest hat Rossi es geschafft, mich neugierig zu machen. Ich fragte mich aus oben genannten "Unsympathiepunkten", wie sie so werden konnte. Das hat mich schließlich angeregt auch ihren Debütroman zu lesen, um mir ein genaueres Bild über die Person Sonia Rossi machen zu können.
Ihren Roman "Dating Berlin" interpretiere ich nun auch als reine Werbemaßnahme. Eine weniger interessante Story, die die Funktion annimmt an den Vorgänger zu erinnern, ihn zu propagieren und nebenbei auch noch den einen oder anderen Euro zu verdienen, schließlich hat's beim ersten Mal auch geklappt.