Marion Tauschwitz: Dass ich sein kann, wie ich bin - Hilde Domin, die Biografie"
Endlich habe ich Zeit gefunden, mein Geburtstagsgeschenk zu lesen: Die Biografie Hilde Domins Dass ich sein kann, wie ich bin" von Marion Tauschwitz. Ein spannendes Buch, das sich wie ein Roman liest, den man kaum weglegen möchte, wenn man sich mal an die rund 500 Seiten gewagt hat.
Eine lebendige Erzählung, die Hilde Domin und ihre schriftstellerische Tätigkeit würdigt, die eine Frau ehrt, auch wenn die Vermittlung des völlig neuen Domin-Bildes erst einmal verdaut werden muss.
Die Personen werden plastisch mit Leben gefüllt, man durchwandert mit ihnen die Zeitgeschichte, denn hervorragend hat Tauschwitz Politik und Stimmung der Zeit eingefangen, ohne zu überfrachten. Man ahnt die Fülle der Quellen, die die Autorin ausgewertet hat. Gebannt verfolgt man die Paarbeziehung, fragt sich, wie sie Bestand haben kann, um schließlich zu verstehen: zwei außergewöhnliche Menschen haben sich in einer dramatischen Zeit gefunden, der Horror der Politik hat sie zusammengeschweißt, einer nährte sich an der Stärke des anderen, auch wenn Domins Mann scheinbar der stärkere war. Im Nachhinein kann man sagen, dass seine Widerspenstigkeit, die ihr Leben zeitweise sehr schwer machte, wohl die Authentizität ihrer Dichtung bewirkte.
Interessant und amüsant sind die vielen Einblicke in das Literaturgeschehen.
Hilde Domins Gedichte erschließen sich neu, Sprach-Bilder gewinnen durch die biografische Einbindung und machen Lust, Domins Gedichte neu zu lesen.
Marion Tauschwitz' Biografie liefert eine spannende Fülle von politischer Dramatik und Liebe, Leid und Leidenschaft ", die auch diejenigen fesselt, die sich normalerweise nicht für Lyrik interessieren.
Ursula M. Mattmüller