... nur in unseren Träumen und Fantasien. Das macht Patrice Leconte in dem sehenswerten Interview-Zusammenschnitt, der ihn, Drehbuchautor Claude Klotz sowie die beiden wunderbaren Hauptdarsteller Johnny Hallyday und Jean Rochefort zeigt, deutlich, als er sagt, dass dieser Film zwei Menschen zusammen bringt, die sich im wirklichen Leben nie begegnen würden.
Interessant finde ich dass der französische Originaltitel "L'homme du train" die Geschichte aus der Sicht von Johnny Hallydays Figur, dem Bankräuber Milan beschreibt, während sich der etwas umständliche und aus meiner Sicht auch nicht recht passende deutsche Titel auf Jean Rocheforts Figur, den pensionierten Französischlehrer Monsieur Manesquier bezieht.
Laut Leconte entstand die Geschichte aus Hallydays Wunsch, sich von Leconte einmal filmen zu lassen. In Leconte entstand das Bild von dem Mann, der im Zug in einer kleinen Stadt ankommt. Hallyday ist in Frankreich ein Riesenstar. Das wäre, wie wenn hier Westernhagen oder Grönemeyer zu Dietl kämen und mit ihm filmen wollten. Klar baut man dann den Film um diese Figur herum. Von daher war es logisch, dass Hallyday auch die titelgebende Figur ist. Passend allerdings für die in Deutschland nie erfolgreich verlaufende Karriere Hallydays, dass ihm selbst diese Ehre in deutschen Kinos versagt blieb und an Rochefort ging, der hiesigen Komödiengängern sicher noch als Oberkellner in "Mr. Bean macht Ferien" in frischer Erinnerung sein dürfte.
Autor Klotz schrieb das Drehbuch in Lecontes Auftrag um die beiden Charaktere herum, wie ein begabter Schneider ihnen Maßanzüge verpasst hätte. Pascal Esteve schrieb eine wunderbare Musik, die dem Film tatsächlich eine gewisse Western-artige Stimmung verleiht und die ein unverwechselbares Merkmal dieses in Venedig mit dem Publikumspreis ausgezeichneten Kinoereignisses von 2002 darstellt.
Lakonisch erzählt läuft die Geschichte ganz wie im tragischen Western auf das Ende der beiden Hauptpersonen hinaus, die in einer etwas surreal aber nicht durchweg konsequent erzählten Schluss-Sequenz im Sterben die Rollen tauschen. Der Schluss fällt leider etwas gegenüber dem ansonsten wunderbaren und von der Präsenz der Darsteller und dem Wortwitz des Drehbuchs lebenden Hauptteil der Geschichte ab, weshalb ich einen Stern abziehe. Nichts desto trotz sehe ich in diesem Film eine melancholische Mahnung, sein Leben vollständig zu leben und keine halben Sachen zu machen. Ganz bezaubernd ist da die kleine Szene mit Manesquiers Schwester, die nach einigem gutem Zureden endlich erstmals in ihrem Leben zugibt, ihren Mann für einen Trottel zu halten.
Fazit: Kein Film der großen Worte, eher der kleinen Gesten. Auf jeden Fall lohnenswert.