Der lange Jahre als Personalleiter tätige Karl-Heinz List gibt seinen Erfahrungsschatz heute in Seminaren und Büchern weiter. Zu Recht schreibt er im Vorwort zu diesem Werk, dass in vielen Unternehmen noch Zeugnisse im Stil des 20. Jahrhunderts verfasst werden. Denn auch Arbeitzeugnisse sollten ergebnisorientiert sein und dementsprechend formuliert werden. Zeugniscodes und Schulnoten für Sozialverhalten haben in einem Arbeitszeugnis des 21. Jahrhunderts nichts mehr zu suchen. Zudem dürfen Formulierungen erwartet werden, die nicht im Holperstil daherkommen.
Mit Sprache umgehen, können allerdings nicht alle, die Zeugnisse ausstellen. Daher gibt es in diesem Buch einen Crashkurs in Stilkunde. Ob der viel nützt, bezweifle ich. Jedenfalls machte ich die Erfahrung, dass ein paar Übungen und gute Ratschläge nicht die erhofften Erfolge bringen. Nach diesem Schreibkurs folgt das Kapitel "Zeugnisse schreiben in der Praxis", in dem der Autor auf die Struktur eingeht und unter der Überschrift "Das Beurteilungsgespräch" gleich mehrere Fliegen mit einem Schlag zu erwischen versucht. Das hat mich auch deshalb gewundert, weil Struktur ja ein Thema ist. Aber wie dem auch sei, dem Leser werden auf diesen knapp vierzig Seiten zahlreiche nützliche Beispiele und Mustervorlagen geboten. Warum er diese auf der beigelegten CD-ROM vergeblich sucht, bleibt ein anderes Rätsel. Leider sind die praktischen Formulierungshilfen ebenfalls nur in einer beschränkten Auswahl auf der CD-ROM. Mehr Musterzeugnisse gibt es nach dem Kapitel "Rechtliche Aspekte", in dem auch auf Eigenheiten in Österreich und in der Schweiz eingegangen wird.
Mein Fazit: Karl-Heinz List hat sein erfolgreiches Buch für die vierte Auflage überarbeitet. Doch inzwischen hat die Konkurrenz so stark aufgeholt, dass es zeitgemäßere Ratgeber für das Verfassen von Arbeitszeugnissen gibt. Vor allem die Inhalte auf der CD-ROM konnten mich nicht mehr überzeugen. Und Personalverantwortlichen in der Schweiz empfehlen ich ein Buch, in dem auch gängige Helvetismen und länderspezifische Details behandelt werden. Zum Beispiel in den Ratgebern aus dem Beobachter-Verlag.