Er sitzt in den kalifornischen Wäldern, um genügend weit weg vom Schmelztiegel Manhattan zu sein, und gilt als einer der besten antizyklischen Investoren, die es gibt. Mit seinem Riecher hat er ein Milliardenvermögen angehäuft. Die Rede ist von Ken Fisher, der in seinem Buch viele nützliche Tipps zur Verbesserung einer Anlagestrategie parat hat. Etliche Mythen rund um die Kapitalanlage werden zudem entzaubert.
Wenn Ken Fisher zunächst schlüssig erörtert, warum die Mehrheit der Profi-Anleger, denen er attestiert, zum Großteil schlauer zu sein als er, den Markt nicht schlägt. Seine Erklärung ist denkbar einfach. Vermögensverwaltung bzw. Investieren ist kein Handwerk, das sich einfach erlernen ließe. Denn wenn es dies wäre, dann wäre es beliebig wiederholbar und die Mehrheit der Anleger würde mühelos den Markt schlagen. Dem ist aber nicht so. Investoren à la Buffett bräuchten also Fähigkeiten, die ihnen in die Wiege gelegt seien, die sich nicht erlernen ließen. Bei Fisher klingt durch den Dschungel von CFA & Co.-Zertifikationen durch, dass sich zu viele Banker berufen fühlen, Geld zu mehren, nur die wenigsten aber dazu wirklich befähigt sind. Wenn Fisher ein paar Seiten später den Mythos KGV entlarvt, wird das Buch richtig lebendig. Zum Beispiel geht er hart mit Robert Shiller und dessen KGV-Konzept ins Gericht und hinterfragt vor allem die Tatsache, dass dieses Konzept eine solch breite Akzeptanz am Markt erfahren konnte. Dem Shiller-KGV zufolge würden hohe KGVs bedeuten, dass damit schlechte Aktienpreisentwicklungen einher gingen. Auch dem widerspricht Fisher, um gleich anzufügen, es gäbe Jahre, in den die Aktien trotz hoher KGVs gut performt hätten.
Fisher wird dann sehr eindringlich, wenn er beispielsweise die Gewinnrendite als Kennziffer erklärt und dem Anleger damit auch die Angst vor hohen KGVs nimmt. Viele der Ängste, die einem Investor tagtäglich begegnen, werden so in Windeseile zerstreut. Vor allem die Frage, ob eine Gewinnrendite von 5% unattraktiv sei, wenn eine Bundesanleihe mit kaum 3% notiert, sollte viele Leser aufschrecken lassen. Fisher geht mit diesen Beispielen spielerisch um, kann einfach nachvollziehbar bislang bewährtes Börsenwissen ab absurdum führen. Seine unterschwellige Kritik an der Theorie-Gläubigkeit schwingt an vielen Stellen mit. Sein Plädoyer für den eigenen Menschenverstand, wenn er etwa auffordert, alles bereits Bekannte zu hinterfragen, rüttelt richtiggehend auf. Richtig spannend ist das Buch, wenn Fisher die Anatomie einer Blase beschreibt. Seine Definition ist dicht, faktenreich und fesselnd. Jeder Anleger hat noch die Dot.com-Blase im Ohr, als viele mit Internetaktien ein Vermögen verdient und wieder verloren haben. Dieses Muster herangezogen, kann Fisher sehr schön die Phasen einer Blasen enttarnen und Ratschläge geben, wie Anleger investieren sollten in einem derartigen Umfeld. Umfeld? Nun ja, jeder Blase folgt ein Bärenmarkt, und jedem Bärenmarkt wohnt ein Crash inne.
In seinem Kapital gleich zu Beginn des Buches über den Zusammenhang zwischen Haushaltsdefiziten und Aktienmarktentwicklungen argumentiert Fisher wiederum schlüssig, ein Haushaltsdefizit würde gute Aktienkurse bewirken. Seine Gedankenkette ist schlüssig. Allein, was einem Leser 'aufstößt', ist Fishers Nachkrisen-Eingeständnis, er hätte das Ausmaß der 2008er Krise unterschätzt. Damit relativiert er im Nachhinein seine eigene These, aber er sagt ja im Buch auch, alles sei relativ relativ. Insofern macht es vielleicht auch kaum Sorgen, dass Fisher keine Antworten liefert, wohin das Finanzsystem angesichts der Schuldenstände steuert, wenn das System doch einmal zerbirst. Anknüpfungspunkte liefert Fisher reichlich, aber er geht die Wege nicht konsequent zu Ende. Das ändert jedoch kaum etwas daran, dass ein Leser nach der Lektüre des Buches anders über Wirtschaft und Börse bzw. die Akteure denkt. Und damit hat Fisher einen wesentlichen Beitrag zur Wissensmehrung geleistet.