"Das war's dann wohl", so der schlichte und lakonische Titel. Die Abschiedsbriefe selbst sind tatsächlich um einiges emotionaler gehalten, und wenn auch im Titel und in anderen Rezensionen oft auf das unterschiedliche Innenleben von Frauen und Männern hingewiesen wird, lässt diese Briefsammlung vielmehr den Schluss zu, daß sich die Seele nicht in Kategorien wie "männlich" und "weiblich" einordnen lässt.
Unterteilt sind die Briefe in drei Kategorien: (1)Abschied von Zeug, (2)Abschied vom Leben, (3)Abschied von der Liebe. Hierunter finden sich Exemplare von bekannteren Persönlichkeiten, wie z.B. Friedrich Dürrenmatt, Franz Müntefering, Stefan Zweig, Kurt Tucholsky, Heinrich von Kleist, Erich Maria Remarque, Tolstoi, Edgar Allen Poe, F. Scott Fitzgerald, oder Alain Delon; ebenso Briefe von Unbekannten. Persönlichkeiten aus zwei Jahrhunderten.
Jedem Kapitel vorangestellt ist ein Kommentar von Sybille Berg, der das folgende Kapitel in knappen, zynischen Worten umreißt. Vor jedem Brief findet sich eine kurze Schilderung über die Umstände, unter denen der jeweilige Brief entstanden ist und zu den betroffenen Personen selbst. Ein kurzer und notwendiger Überblick.
So umfassen die Briefe ein breites Spektrum an Menschen verschiedenster Epochen, verschiedenster Herkunft, sowie die verschiedensten Inhalte (Abschiede aller Art) - aber auch ihr Ton, ihre emotionale Tiefe und Schreibkunst variieren stark. Manche Briefe sind kleine Kunstwerke für sich, andere auf dem Niveau von Schulkindern; manche Briefe sind karg und spröde, andere wiederum durchdrungen von tiefster Trauer und Verzweiflung; manche Briefe rührend, andere kitschig, mitunter gar abstoßend oder erstaunlich naiv.
Immer lässt sich zwischen den Zeilen lesen, und die das Geschriebene verrät oft mehr über die Person, als dieser beim Schreiben vielleicht bewusst war oder im Nachhinein lieb sein kann. Nicht alle Briefe sind lesenswert, für meinen Geschmack befand sich unter der Auswahl viel Ausschuss, einige aktuellere Briefe ließen auch das Gefühl aufkommen, sie wurden speziell für eine geplante Veröffentlichung abgefasst oder zumindest angepasst, fühlten sich nicht echt sondern aufgesetzt an. Nunja, vielleicht trügt das Gefühl!
Eine solche Briefsammlung zu bewerten fällt schwer. Die Abschiedsbriefe von Männern sind zumindest lesenswert, nicht mehr und nicht weniger. Da Sybille Berg hier kein literarisches Meisterwerk schaffen wollte, sondern vielmehr eine kommentierte, buntgemischte Sammlung an Abschiedsbriefen zusammenstellen, und ihr das wie nicht anders zu erwarten gelungen ist, gibt es verdiente vier Sterne.