Dieser Roman ist der erste englischsprachige Roman Nabokovs, der in Paris geschrieben und nach seiner Flucht in den USA veröffentlicht wurde. Diese ursprünglich russische Autorenidentität, die Nabokov selbst aufgeben mußte, wird zum Gegenstand des Romans, wobei es falsch wäre, das "Wahre Leben des Sebastian Knight" als Biographie zu bezeichnen, da der Roman eigentlich nur die Recherchen des anonym bleibenden jüngeren Bruders (V.) beschreibt, der das Genie seines Bruders gegen die Biographie eines Mr. Goodman in Schutz nehmen will und deshalb Gespräche führt mit einem Studienfreund, dem Sekretär (der oben gennante Mr. Goodman) und der langjährigen Geliebten seines Bruders.
Obwohl seine eigenen Erinnerungen an die gemeinsame Kindheit im vorrevolutionären Rußland und an gelegentliche Begegnungen sowie die Gespräche mit den Zeitzeugen nicht sehr ergiebig sind, lebt sich V. immer mehr in die Gedankenwelt des Sebastian Knight ein, sodaß er schließlich feststellen muß: "Sebastians Maske haftet an meinem Gesicht, die Ähnlichkeit läßt sich nicht herunterwaschen. Ich bin Sebastian, oder Sebastian ist ich, oder vielleicht sind wir beide jemand, den keiner von uns kennt."
Der Roman trägt mit Sicherheit einige autobiographische Züge, er wirkt wie eine Patchwork-Decke, die verschiedene Fragmente, Ideen und Wortspielereien zusammenwebt. Im Vergleich zu anderen Werken Nabokovs ist dies sein am wenigsten geschlossener Roman, deswegen auch nur vier Sterne von mir.