Der "Big Mac" ist Fastfood, auf das man sich - in welchem Sinne auch immer - verlassen kann: Man weiß, was einen erwartet und hat - möglicherweise - manchmal einfach Lust darauf, selbst wenn man - womöglich - nicht ganz satt davon wird. Das ist - zumindest für mich - eine recht passende Allegorie auf Dan Browns Romanschaffen. Die Bücher um Harvard-Professor Robert Langdon machen einfach Spaß, sind spannend und man fräst sich enorm schnell durch die meist 700 Seiten, weil man einfach immer umblättern MUSS. Von hoher literarischer Güte ist das freilich nicht, aber das finde ich hier nicht weiter schlimm. Und natürlich ist es auch nach Schema F gestrickt, aber auch das finde ich hier nicht weiter schlimm. Warum aber finde ich diese Dinge bei Brown nicht schlimm, wo doch jeder andere Autor unter diesen Umständen sofort verloren hätte? Vermutlich, weil es bei ihm immer genug Hirnfutter gibt: Stoff zum drüber nachdenken, noch lange nachdem man das Buch weggelegt hat. Bei
Illuminati war es die Energieversorgung durch Antimaterie, bei
Sakrileg das "Göttlich Weibliche" und wie die Kirche es unterschlagen hat; hier nun ist es die Noetik, die Wissenschaft, die das Übersinnliche physisch belegen will und das ungenutzte Potenzial des menschlichen Geistes erforscht.
Langdon, der inzwischen sattsam bekannte Symbolologe (man sieht inzwischen Tom Hanks vor dem geistigen Auge und kann schon ahnen, wie der Film aussehen wird), bekommt einen Anruf vom Sekretär eines alten Freundes, der ihn bittet, schnellstens nach Washinton zu kommen, um im Capitol einen Vortrag über freimaurerische Symbolik zu halten. Dort angekommen findet Langdon aber kein aufmerksames Publikum vor und auch nicht seinen Freund, sondern nur dessen abgetrennte und geheimnisvoll tätowierte Hand auf einem Holzspieß. Schnell sind Sicherheitsdienst und CIA vor Ort und untersuchen den Fall - und Langdon hilft beim Lösen des Rätsels der Hand. Bald ist er allerdings einmal mehr verdächtig und auf der Flucht vor der Staatsmacht, während er für einen Psychopathen das große Rätsel der geheimnisumwitterten Freimaurerpyramide lösen muss, um so seinen Freund zu retten, der eben jenem Psychopathen in die Fänge geraten ist. Das Geheimnis der Pyramide übrigens ist keine Kleinigkeit: In den Händen erleuchteter Menschen, heißt es, könne es die Welt zu heilen im Stande sein, während es sie in den Händen der Falschen ins Chaos stürzen könnte. Es ist also kein ungefährliches Spiel, in das Langdon hier gedrängt wird, und bei dem er einmal mehr von einer schönen Frau unterstützt wird: der Schwester des entführten Freundes.
Natürlich kann man "Das verlorene Symbol" nicht direkt nach "Illuminati" und "Sakrileg" lesen, weil das schon für beträchtliche Déjà-vu-Erlebnisse sorgen dürfte. Aber für sich allein genommen und zwei Jahre nach der letzten Brown-Lektüre hat mir das Buch ehrlich Spaß gemacht. Auf die gleiche euphorisierende abenteuerromantische Weise wie etwa
Das Vermächtnis des geheimen Buches. Das Einzige, was ein wenig nervte, war Langdons ständiges Zaudern und Nichtglauben, seine Weigerung, sich den Möglichkeiten zu öffnen, die doch schon fast offensichtlich sind. Der Rest aber war absolut überzeugend, spannend, interessant - und das Ende war richtiggehend ergreifend.
Meine Empfehlung!
Ein Wort noch an den Verlag: Der Preis für die gebundene Ausgabe ist eine Frechheit! Pappband, billigste Bindung, halbleere Seiten und nicht einmal ein Lesebändchen!
Zum Vergleich: Beim Manesse-Verlag bekommt man goldgeprägtes Leinen, Dünndrückpapier, Fadenheftung UND Lesebändchen für um die 20 Euro bei gleicher Seitenzahl.
Aber klar: Dan Brown verkauft sich auch, wenn man sich als Verlag keine Mühe gibt.
Siehe Bestsellerlisten...