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Das verlorene Land: Israel - eine persönliche Geschichte
 
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Das verlorene Land: Israel - eine persönliche Geschichte [Gebundene Ausgabe]

Göran Rosenberg , Jörg Scherzer

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Produktinformation


Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Vision und Wirklichkeit

Göran Rosenbergs Israel-Studie «Das verlorene Land»

Langsam gehen die Feiern zu Ende – Zeit, Bilanz zu ziehen. Israel hat den fünfzigsten Jahrestag seiner Staatsgründung über die Bühne gebracht, der Alltag kehrt zurück. In Europa hatten sich die Publikationsmaschinen heissgelaufen wie selten, jeder Winkel des Landes wurde ausgeleuchtet, keine historische Minute vergessen.

Was wird bleiben von all dem Aufwand? Wird das Interesse anhalten und Israel weiter begleiten über die kommenden Krisen? Und hat all dies, was Europa da veranstaltet und herausgegeben und kommentiert hat, auch wirklich mit Israel zu tun? Manchmal erscheinen diese beiden Welten weit voneinander entfernt: in der einen Welt arbeiten sich Leute, verdienstvoll und kompetent, an ihren Bildern von Israel ab, in der anderen, der wirklichen Welt ist Israel selbst mit seiner Gegenwart. Mit seinen Umweltproblemen, seinem verrückten Autoverkehr, seinem knappen Wasser. Mit seiner schwierigen Nachbarschaft und seiner ebenso schwierigen Regierung. Mit der Lebensintensität, vor der alles verblasst, was in europäischen Schreibstuben ausgedacht wird.

Da ist das gelebte Land – und es ist so ganz anders als das «gelobte» Land, von dessen idealer Konstruktion wohl die meisten der in diesem Sommer erschienenen Bücher geprägt sind. Es ist nicht schwer, Kritik an der Realität zu üben, wenn man ihr das Idealbild (egal in welcher Variante) gegenüberstellt; es ist viel schwerer, einen eigenen Standpunkt in der israelischen Realität zu finden und dem Land – wenn man schon nicht dort wohnt – direkt gegenüberzutreten. Es ist aber immerhin möglich, den eigenen Standort, ausserhalb, ehrlich zu beschreiben und von da aus Fragen an Israel zu entwickeln, die über die kurze Frist der Feiern hinausreichen. Was wird, in diesem Sinne, bleiben von den grossen Stapeln in unseren Buchhandlungen, wenn jetzt die Auslagen für andere Themen freigeräumt werden? Mit all den genannten Einschränkungen dieses Buch: Göran Rosenbergs «Das verlorene Land».

Neue Horizonte

Der Titel deutet schon an, dass hier von einer Enttäuschung berichtet wird, dass die «persönliche Geschichte» von einem stammt, der sein Israel nicht mehr hat. Göran Rosenberg wurde 1948 in Schweden geboren, als «Sohn polnisch-jüdischer Eltern, die den Holocaust überlebt hatten», so die Information des Verlages. Mitgeboren und mitgewachsen also mit Israel – nicht nur der Jahreszahl nach, sondern auch in einem Sehnsuchtsfeld der Rede von Israel: bis im April 1962 der «Aufstieg» wirklich stattfindet. Nach dem Tod des Vaters ziehen Mutter und Sohn nach Israel, in ein Land, das in der zeitgenössischen schwedischen Literatur, nicht nur in der jüdischen, stark überhöht dargestellt wurde: Vor allem die Absage an die jüdische Kultur der Diaspora, die Entstehung eines neuen israelischen Menschen faszinierte Schweden (und Europa); mit der Selbstbefreiung «aus seiner ghettojüdischen Vergangenheit» hatte Israel nicht nur sich selbst, sondern auch «seine früheren Verfolger von ihrer Schuld» gelöst. So kam der Knabe an, so hielt sich das Bild noch einige Zeit, vom Moment der Ankunft in «ihrer ursprünglichen Verzauberung» bis zur Aneignung der neuen Sprache.

Was so beginnt, muss enttäuscht werden. Die «ideologische Uniformierung», die der Knabe nicht als negativ erlebt hat, wird uns vom Erwachsenen kritisch geschildert; die Märsche und die Wallfahrten (nach Massada), die Tüchtigkeitsproben und der Militarismus, die Nichtbeachtung der Araber, das Leben in Furcht und Festungsgedanken bilden Bestandteile eines vom osteuropäischen Zionismus erdachten israelischen Mosaiks, das von sozialen und religiösen Utopien zusammengehalten wurde – und sich bald durch das «neue, heranwachsende, multikulturelle, laute, undisziplinierte, geschichtslose Israel, das sich von Mythen und Idealen der Gründer nicht so leicht faszinieren liess», durch die Realität der Einwanderung aus den arabischen Ländern auf die Probe gestellt sah.

Von hier aus entfaltet Rosenberg ein unerhört weites Panorama israelischer Identitätsbilder. Vor allem wird die Geschichte des Zionismus kenntnisreich und detailliert erzählt, in Namen und in Geschichten: Was hat das Land mit den Menschen gemacht? Und was haben die Menschen mit dem Land gemacht? Selten konnte man diese Reibungsfläche Israel so funkensprühend geschildert sehen: Ben Gurion und seine Zeitrechnung vom «Jetzt und Hier», Aaron David Gordon und die Mystik der Arbeit, Arthur Ruppin und der Glaube an die Rationalität des Faktischen. Kommunisten, Revolutionäre, Tolstoianer, alle haben das Land gesucht und sich darin, alle haben ein Stück von sich – von Europa – mitgebracht und sich mit dem Land, durch das Land verändert: «Der politische Zionismus war ein Kind zerbrochener Illusionen und sich neu öffnender Horizonte.»

Es gehört zu den grossen Stärken dieses Buchs, dass auch die andere Seite, der bürgerlich-rechte Zionismus der Revisionisten um Vladimir Ze'ev Jabotinsky, ausführlich und genau dargestellt wird. Von den historischen und den religiösen Wurzeln aus wirkt Rosenberg feingesponnene Fäden, die bis in die Gegenwart führen und verdeutlichen, woraus die Muster israelischer Politik von heute gemacht sind – vor allem, was das Verhältnis zu den «anderen» im eigenen Land, zu den Arabern, betrifft. Zusammengehalten wird diese meisterhafte Arbeit durch die «persönliche Geschichte» dessen, der das Land nach wenigen Jahren wieder verlassen hatte, der zum Kritiker israelischer Besetzungsherrschaft nach 1967 geworden war – und nun, 1992, zurückkam, um seine ehemaligen Klassenkameraden wieder zu treffen. Ihre Porträts, aus langen Gesprächen und geduldigen Besuchen entstanden, stehen stellvertretend für das Mosaik der neuen «Horizonte» – vom Kibbuznik über den Soldaten bis zum «Ba'al tshuva», dem fromm gewordenen «Schwarzen», der als Mensch «hinter dem orthodoxen Aussenwerk» erkennbar bleibt.

Israel und Judentum

Und doch ist das kein Buch über Israel. Immer mehr verstärkt sich beim Lesen der Eindruck, dass mit dem «Verlorenen Land» der Versuch unternommen wird, einen Basistext über die Situation und über die Zukunft des Judentums zu schreiben. Und Israel ist die Folie, vor der die Fragen entwickelt werden. «Im nachhinein ist man verblüfft, wie wenig jüdisch der moderne israelische Pioniertraum war.» Daher der weite historische Ausgriff, die Beschäftigung mit der Kabbala und dem Chassidismus, daher die Auseinandersetzung mit dem Kulturzionisten Ahad ha'am und mit Martin Buber, daher die Fragen nach der Berechtigung Israels, «das Jüdische» zu vertreten und nach dem Verhältnis zwischen Israel und der Diaspora. Daher die Schlussbetrachtung, in der Rosenberg Judentum und Christentum auffordert, sich miteinander zu verändern und neu zu definieren, was beide «dem anderen» wesentlich zu sagen haben.

Anlass für diese drängenden Fragen ist die Erfolgsgeschichte Israels: Es ist ein Staat geworden wie andere. Nicht sehr «jüdisch». Rosenberg will aber mehr, verlangt mehr, fordert eine israelische Antwort auf die Frage nach der Zukunft der Juden und weiss dabei selbst, dass «ein anderes Land» dabei entstehen könnte oder sogar müsste – anders als das versprochene, anders als das verlorene. Im November 1995 wurde Yitzhak Rabin auf dem Platz der Könige in Tel Aviv ermordet, nachdem er zuvor gemeinsam mit Hunderttausenden ein Friedenslied gesungen hatte. In der Folgezeit sind Dutzende israelischer Bürger in Jerusalem und Tel Aviv bei terroristischen Attentaten gestorben. Benjamin Netanyahu hat die folgende Wahl mit dem Versprechen, «Frieden und Sicherheit» zu gewährleisten, gewonnen, seither stockt der Friedensprozess. Noch immer ist das Wasser knapp, noch immer sind die Nachbarn feindlich. Netanyahu übernimmt die messianische Rhetorik der Ultraorthodoxen, deren Stimmen er braucht, um politisch zu überleben, und die orthodoxen Parteien lassen sich ihre Hilfe teuer bezahlen. Das Land ist schon «anders» genug.

Rosenbergs Buch ist deutlich für eine Zeit geschrieben, in der Israel Zeit haben würde, sich mit den Fragen, die er stellt, zu befassen. Die wird kommen, und dann werden die Israeli dieses Buch brauchen. Bis dahin wollen wir es gut aufbewahren.

Joachim Schlör

Kurzbeschreibung

Am 30. April 1998 begeht Israel den 50. Jahrestag seiner Staatsgründung: ein Tag der Rückschau, der Vorausschau, vor allem aber der Selbstvergewisserung. Das Buch von Göran Rosenberg vereint historische Analyse und spannende Ideengeschichte mit politischer Selbstbiographie.Das Buch von Göran Rosenberg vereint die historische Analyse mit der Subjektivität. Rosenberg berichtet am Anfang über seine Kindheit in Schweden und die Einwanderung nach Israel. Von Beginn an zeigt Rosenberg seine Meisterschaft in der Verknüpfung der eigenen mit der politischen Geschichte. Er beleuchtet die Anfänge des Zionismus im 19. Jahrhundert im ersten Teil seines Buches, der den Titel "Exodus" trägt. Es folgt "Das Gelobte Land", und die nachfolgenden Kapitelüberschriften nennen die verschiedenen Themen: "Ein Land wie alle anderen", "Ein besseres Land", "Ein größeres Land" und schließlich "Ein Land am Ende der Zeit". Immer ging es in der Ideengeschichte des Zionismus um das Land - aber welches? Am Leitfaden dieser Frage entwickelt Rosenberg seine Geschichte des modernen Israels. Am Ende steht der Anfang: "Das jüdische Problem", Reflexionen über das Judentum nach dem Holocaust.

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