Kate Atkinson hat mit "Das vergessene Kind" einen höchst ungewöhnlichen Kriminalroman geschrieben, der auf leise Töne setzt. Eine beeindruckende Geschichte um Schuld und Sühne, in der jeder einzelne Akteur sein Päckchen trägt und Vergangenheitsbewältigung im Hier und Heute betreibt.
Die Handlung ist sehr komplex, spielt auf zwei Zeitebenen, 1975 und in der Gegenwart und wird vorrangig aus den Perspektiven der beiden Hauptakteure Tracy und Jackson erzählt. Allerdings sind auch zusätzlich Schilderungen aus der Sicht diverser Nebencharaktere eingebunden, und so dauert es relativ lange, bis alles komplett und stimmig entwickelt ist. Aber durch die Komplexität der Geschehnisse in der Vergangenheit sind diese vielfältigen Informationen für das Verständnis der Gegenwart unbedingt notwendig.
Nicht immer einfach zuordenbar, werden Leser, die auf schnelle, vordergründige Action aus sind und einfache Strukturen bevorzugen, damit eventuell Probleme haben. Diejenigen aber, die sich auf die Erzählweise der Autorin einlassen, werden mit einem außergewöhnlichen und spannenden Leseerlebnis belohnt.