Dieses Buch des im Jahr 2010 verstorbenen britischen Historikers ist für alle politisch und historisch Interessierten Pflichtlektüre. Es handelt sich bei diesem Buch um eine Sammlung von Artikeln, die in renommierten Zeitschriften erschienen sind. Anlass für die Artikel war meist ein neu erschienenes Buch zu einem historischen Thema, ohne dass aber von einer Buchbesprechung im engeren Sinne zu sprechen wäre. Judt versteht es, auf 15 bis 20 Seiten ein historisches Ereignis (z.B. die Kuba-Krise) oder ein aktuelles Problem (z.B. den Palästina-Konflikt oder die Unregierbarkeit Belgiens) sowohl in den Grundzügen allgemeinverständlich darzustellen als auch in erhellender Weise zu analysieren und zu interpretieren. Gut ein Drittel der Kapitel sind zudem Persönlichkeiten gewidmet, die aus der Sicht des Autors für das 20. Jahrhundert eine exemplarische Bedeutung haben, sei es im Positiven oder im Negativen. Die Artikel sind allesamt spannend und flüssig geschrieben; Judts Urteile sind immer ausgewogen und gut begründet. Spannend etwa, wie der Autor die Akteure der Kubakrise bewertet! Auch zum Verhältnis von Europa zu den USA oder zur Zukunft der Sozialdemokratie weiss er Gescheites zu sagen. Judts grösste Angst ist es, dass die Fehler des 20. Jahrhunderts wiederholt werden, weil vor allem der jüngeren Generation das Wissen über das vergangene Jahrhundert abhanden kommt - daher auch der Buchtitel. Der überall in Europa aufkeimende Nationalismus und Autoritarismus scheinen die Befürchtungen Judts ebenso zu bestätigen wie der erneute Griff in die marxistische Mottenkiste durch Jungpolitiker auch innerhalb der demokratischen Linken.