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Das verborgene Wort: Roman [Taschenbuch]

Ulla Hahn
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (67 Kundenrezensionen)
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Taschenbuch, 1. Juni 2003 EUR 12,90  

Kurzbeschreibung

1. Juni 2003
Hildegard Palm, 1945 in Dondorf bei Köln geboren, ist die Tochter eines ungelernten Arbeiters und seiner Frau Maria, erzogen im katholischen Glauben. »Wie viele Seiten hat ein Ding?« fragt die Sechsjährige ihren Großvater. »So viele, wie wir Blicke für sie haben«, antwortet er. Ihren Eltern ist Hilde verdächtig. Sie ist ganz offensichtlich aus der Art geschlagen, will sich nicht anpassen an die Regeln der Arbeiterklasse, strebt nach Höherem, spricht Hochdeutsch und rezitiert Schiller. Das weckt Mißtrauen und Angst in ihrer Familie. Als sie neun Jahre alt ist, legt sie eine Sammlung schöner Sätze und Wörter an #150; als Gegenwelt zum Gebrüll ihres Vaters und dem ängstlichen Geflüster der Mutter. Bücher werden zu ihrer Rettungsinsel. Als Hildegard in den Schulferien zum ersten Mal am Fließband steht und den anzüglichen Gesprächen ihrer Kolleginnen ausgeliefert ist, wirft sie einen entsetzten Blick in die Zukunft, die ihre Eltern für sie vorgesehen haben #133; Doch sie findet eine zweite, reichere Wirklichkeit: die Freiheit im Wort und die Kraft in der Literatur.

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 624 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Juni 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 342313089X
  • ISBN-13: 978-3423130899
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12 x 3,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (67 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 166.775 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Im Sauerland, genauer gesagt in Brachthausen, wurde Ulla Hahn ein Jahr nach Kriegsende am 30. April 1946 geboren. Sie wuchs im Rheinland auf, studierte Literaturwissenschaft, Soziologie und Geschichte und promovierte. Anschließend erhielt sie Lehraufträge an den Universitäten Oldenburg, Bremen und Hamburg. Bis 1989 arbeitete sie auch als Kulturredakteurin bei "Radio Bremen". Zusätzlich war sie Dozentin für Poetik an der Universität Heidelberg. Die Journalistin und Schriftstellerin veröffentlicht Lyrik, Romane und Erzählungen. Insbesondere für ihre Gedichte erhielt Ulla Hahn zahlreiche Auszeichnungen.

Produktbeschreibungen

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Im Wettstreit um das katholischste Milieu einer Romanhandlung hat sie dem unerreichbar führenden Heinrich Böll einige Punkte abgenommen: Ulla Hahn, Rheinländerin wie Böll, schildert in Das verborgene Wort eine Nachkriegskindheit, die so bedrückend katholisch ist, dass man Mühe hat, sich ins Gedächtnis zurückzurufen: Ja, genauso war es. So wird der Ich-Erzählerin Hildegard als Kleinkind nach ihren ersten vier Worten ("Mama", "Wauwau", "Bäbä" und "Hamham") gleich ein Gebet beigebracht; die Nachbarin rechnet sich derweil aus, dass sie dreieinhalb Jahre lang täglich einen schmerzensreichen Rosenkranz und fünf Vaterunser beten muss, um ihrer Schwiegermutter, die ohne letzte Ölung gestorben war, aus dem Fegefeuer in den Himmel zu helfen. Es fällt schwer, das zu glauben, aber so ging es wohl wirklich mal zu in Deutschland.

Das heranwachsende Mädchen, ein neugieriges, aufgeschlossenes Kind, wird beinahe erdrückt von dieser muffigen Enge. Die Verständnislosigkeit der Eltern und die unnachgiebige Strenge der gottesfürchtigen Großmutter lassen Hildegard fast zerbrechen -- wäre da nicht der Großvater, der ihr mit verwunschenen Geschichten das Tor zum Reich der Fantasie öffnet. Sie tritt ein in die Welt der Bücher und in dieser Welt findet sie ihr Zuhause, hier ist sie so frei, wie sie es im echten Leben nicht sein kann.

Ulla Hahn, als Lyrikerin eher die knappe literarische Form gewohnt, lässt beim Erzählen dieser (ihrer?) Kindheitsgeschichte alle Selbstbeschränkung fahren -- durch fast 600 Seiten hat man sich zu kämpfen. Das ist nicht immer einfach, denn die sehr poetische Sprache und vor allem der Versuch, den rheinischen Dialekt wiederzugeben, verlangen dem Leser einiges ab. Doch es lohnt sich: Das verborgene Wort ist eine wunderschöne emotionsgeladene Hymne auf die Kraft der Fantasie. --Christoph Nettersheim -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

»>Das verborgene Wort< spiegelt wie kaum ein anderer Zeitroman die kulturelle Atmosphäre der fünfziger Jahre.« (Die Zeit)

»Eine ganze Generation wird sich darin wiederfinden und später Geborene verstehen, warum Eltern und Lehrer so sind, wie sie sind.« (Focus)

»Ein phantasievoll und schön geschriebenes Buch. Verletzlich, anrührend und komisch.« (Stern)

»Was bleibt ist Bewunderung!« (Neue Zürcher Zeitung) -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

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92 von 94 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Voller Emotion 21. November 2006
Format:Gebundene Ausgabe
"Lommer jonn", so beginnt und endet eines der wichtigsten, interessantesten, farbigsten und sprachlich gelungensten Bücher aus der Feder einer deutschen Autorin der letzten Jahre.

"Auf gehts", und es geht wirklich heftig los, nicht in die weite Welt, sondern in das bunte, aber muffige, repressive Leben der 50iger Jahre in der frisch etablierten Bundesrepublik Deutschland.

Geschildert wird die Kindheit und Jugend Hildegards. Sie reift zur jungen Frau, entdeckt ihre Liebe zur Literatur und beginnt sich gegen alle Widerstände zu emanzipieren.

Hildegard, laut der Oma ein "Teufelsbraten" und ein "Traumtopf", tatsächlich ein phantasiebegabtes Kind, wird einer eisernen Disziplin und religiöser Gehirnwäsche unterzogen. Sie erlebt an sich und an anderen körperliche und seelische Mißhandlung und handfeste Bedrohungen. Als Teenager erträgt sie den gesamten bigotten religiösen Wahn ihrer Herkunftsfamilie und des Dorfes, in dem sie groß wird. Fast scheitert sie, befreit sich jedoch mit Hilfe u.a. ihres Opas aus den Fesseln ihrer Herkunft und besiegt sogar ihren Alkoholismus.

Man kann dieses Werk als Biographie lesen, die eindrucksvoll eine Sozialisation im katholischen Unterschichtsmilieu beschreibt.

Man fragt sich , wieviele junge Menschen wohl an einer solchen "Erziehung" zu Bruch gegangen sind.

Aber der Roman macht letztlich auch Hoffnung; er ist gleichzeitig ein aufkärerisches und höchst poetisches Werk, das uns zeigt, warum Widerstand möglich war und ist: nämlich weil es um Freiheit geht und darum, einen Weg zur Aktivierung von Kreativität zu finden.

Ein Drama mit wunderbaren Passagen, einer grandiosen Prosa. Ein Buch voller Emotion, warmherzig erzählt und wirklich jedem zur Lektüre nahegelegt, der eine lebhafte und eindringliche Geschichte zu schätzen vermag.
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42 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Meine Seele aber lebte in den Wörtern" 18. März 2007
Format:Taschenbuch
Auch wenn meiner Generation von Frauen (Jahrgang 1962) der Weg zur Bildung nicht mehr verwehrt war, findet man als Frau in diesem autobiografisch gefärbten Roman von Ulla Hahn ein hohes Identifikationspotenzial mit der weiblichen Protagonistin Hildegard Palm. Es handelt sich um einen Entwicklungsroman, der zwar durch zahlreiche Dialoge in rheinischem Dialekt regional gefärbt ist, aber die Handlung kann sich im Prinzip überall in der Provinz so abgespielt haben. Als die kleine Hildegard lesen und schreiben lernt, öffnet sich für sie die große weite Welt, der Sesam öffne dich" zum Verborgenen Wort". Ihr Interesse am Lesen, an Bildung, ihre Sehnsucht, dem Arbeitermilieu zu entfliehen, zur besseren Gesellschaft zu gehören, stoßen immer wieder auf neue Widerstände aus dem familiären Umfeld. Ein brutaler Vater, eine abgestumpfte Mutter, eine strenggläubige Großmutter, später die ungeliebte Lehrstelle im Büro einer Fabrik bilden das Gefängnis aus Gitterstäben wie in Rilkes Panther", aus dem Hildegard immer neue Ausbruchversuche wagt, in dem sie in Worte, Bücher, Geschichten flüchtet. Einziger Lichtblick bildet die liebevolle Beziehung des Mädchens zu seinem Großvater.

Auf Hildegard Palms Odyssee begleiten sie die großen Dichter Schiller und Goethe, Gottfried Keller, die Dichter der Romantik, des Naturalismus, des neuen Realismus.

Auch wenn Hildegard alle üblichen Höhen und Tiefen des Erwachsenwerdens durchlebt, körperliche Veränderungen, Freundschaften und erste Liebe, sie führt kein Tagebuch wie andere Mädchen, sie führt ein Buch der schönen und wichtigen Worte" und sie schreibt fiktive Briefe an Schiller.
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74 von 77 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Sternstunde der deutschen Literatur 9. Februar 2002
Format:Gebundene Ausgabe
Welche Kraft und welch' Ausdruck die deutsche Sprache besitzen kann! Es ist schon erstaunlich, wie eine Schriftstellerin aus für Außenstehende Banalitäten des Alltags eine Sinnesraubende Wortzauberei erschafft. Der Roman ist über große Strecken an Poesie kaum zu übertreffen und sucht in der zeitgenössischen Literatur vergleichbares!
In das Mädchen Hildegard habe ich mich sofort verliebt! So unkonventionell wie sie wollte ich als Kind bzw. Jugendlicher auch sein. Gelungen ist mir dies bis heute nicht!
Der Roman erinnert mich sowohl an meine Kindheit und Jugend, als auch an mein Dasein als Vater einer Tochter, welche etwa so alt wie Hildegard gegen Ende des Romans ist. Viele Verwandte erschienen plötzlich in einem völlig neuen Licht! Alles war schon einmal da: Bei jedem anders und doch gleich! Die Eigenarten der Verwandten und Bekannten konnte ich in meiner eigenen Familie wiedererkennen. Ulla Hahns Roman ist eine wunderbare, über Strecken schmerzhafte, Beschreibung des Lebens, Fühlens und Denkens eines Kindes der 50er Jahre. Geht oder ging es mir in den 60er Jahren, der heutigen Generation, anders?
Das bisschen Kölsch stört nicht! Ganz im Gegenteil: Die Wortklaubereien manch anderer, oftmals preisüberhäufter, Schriftsteller/innen werden ad absurdum geschrieben! Ich bin wieder stolz auf die Sprache der Dichter und Denker, welche andere ach so arg geschmäht!
Ein wunderbarer Roman! Auf diesem Wege mein Dank für viele Stunden intensiven Lesens, verstehen Lernens und der Genugtuung, endlich eine der deutschen Sprache mächtigen Schriftstellerin gefunden zu haben.
Liebe Ulla Hahn: Wann folgt die Fortsetzung? Mit 14 oder 15 Jahren fängt das Leben doch erst an!
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