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Das heranwachsende Mädchen, ein neugieriges, aufgeschlossenes Kind, wird beinahe erdrückt von dieser muffigen Enge. Die Verständnislosigkeit der Eltern und die unnachgiebige Strenge der gottesfürchtigen Großmutter lassen Hildegard fast zerbrechen -- wäre da nicht der Großvater, der ihr mit verwunschenen Geschichten das Tor zum Reich der Fantasie öffnet. Sie tritt ein in die Welt der Bücher und in dieser Welt findet sie ihr Zuhause, hier ist sie so frei, wie sie es im echten Leben nicht sein kann.
Ulla Hahn, als Lyrikerin eher die knappe literarische Form gewohnt, lässt beim Erzählen dieser (ihrer?) Kindheitsgeschichte alle Selbstbeschränkung fahren -- durch fast 600 Seiten hat man sich zu kämpfen. Das ist nicht immer einfach, denn die sehr poetische Sprache und vor allem der Versuch, den rheinischen Dialekt wiederzugeben, verlangen dem Leser einiges ab. Doch es lohnt sich: Das verborgene Wort ist eine wunderschöne emotionsgeladene Hymne auf die Kraft der Fantasie. --Christoph Nettersheim
Buchnotiz zu : Die Zeit, 23.08.2001
In einer sehr umfangreichen Rezension singt Dieter Borchmeyer zu seiner eigenen Überraschung eine Hymne auf diesen Roman und gibt zu, einen solchen Wurf der Lyrikerin nicht unbedingt zugetraut zu haben. Nicht nur Hahns Präzision, mit der sie das Milieu der rheinisch-katholischen Gesellschaft der fünfziger Jahre beschrieben hat, hat ihm spürbar imponiert, sondern auch die Sprachfantasie, das Visionäre, das dem Naturalistischen seiner Ansicht nach immer wieder auch märchenhafte Züge verleiht. Borchmeyer scheint dies umso bewundernswerter zu finden, als die Welt hier aus der Sicht eines Kindes wahrgenommen wird: Da ist die Biederkeit, die Schlager, die von Fernweh handeln, der rigide Katholizismus, das Geistfeindliche, aber auch die Fantasie, in die das Kind flüchtet und zu der es von seinem Großvater, "der einzigen rundum positiven Hauptfigur des Roman" angeregt wird. Das alles findet der Rezensent spannend erzählt, wobei er besonders die Fähigkeit der Autorin lobt, Charaktere mit wenigen Pinselstrichen, ja eher mit Beiläufigkeiten, plastisch zu zeichnen. Vieles, was das Kind noch nicht völlig versteht, etwa Geschehnisse während der Nazi-Zeit, wird nur angedeutet, kann aber vom Leser erschlossen werden, meint Borchmeyer, und schwärmt noch einmal von Ulla Hahns "visionärer Kraft" und "überquellender Sprachfantasie".
© Perlentaucher Medien GmbH
Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 24.08.2001
Kristina Maidt-Zinke kann sich für dieses Buch offenbar nicht wirklich erwärmen, denn obwohl sie sich mit dezidierter Kritik zurückhält, ist nicht zu übersehen, dass sie sich sehr an dem wie sie vermutet großen autobiografischen Anteil des Romans stört. Es scheint ihr so vorzukommen, als ob Hahn an ihrer eigenen Heiligenlegende gestrickt habe: Das Kind, das in der geistfeindlichen rheinisch-katholischen Provinz aufwächst, das mühselig Hochdeutsch lernt, fürs Bücherlesen bestraft wird, lieber Geige als Akkordeon spielen wollte und letztlich doch den Weg aus der geistigen Tiefe hinauf in intellektuelle Höhen schafft. Der Autorin bescheinigt Maidt-Zinke eine "unterhaltsam volksnahe, gelegentlich exzessive Drastik", die sie andererseits aber auch "hochprätentiös" findet. Die Kindheit in den fünfziger Jahren sieht die Rezensentin hier "in derart schwelgerischer Detailfülle" erzählt, wie es bisher noch nicht der Fall gewesen sei. "Ein ergreifender Schmöker", sei das Buch, doch wie ein Lob mag das nicht wirklich klingen.
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-- Perlentaucher.de
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