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"Das unvollendete Bildnis" ist wahrscheinlich literarisch der bedeutendste Roman von Agatha Christie. Die von der Authorin geschilderte Personen wirken absolut lebendig und rufen bei den Lesern Mitleid und Verständnis hervor. Besonders gelungen sind die Figuren des verstorbenen Künstlers und seiner Frau, die langsam , beinahe gespensterisch, im Laufe der Handlung vor den Augen aufstehen und mit der Stärke ihrer Persönlichkeit die anderen Romangestalten im Schatten stehen lassen, so dass sogar der ertappte Mörder am Ende gestehen muß: "Sie sind nicht gestorben. Ich bin's". Dieses im Jahr 1943 geschriebene Buch ist ein Meisterwerk der Queen of Crime, das kaum seinesgleichen kennt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Poirot erhält von Carla Lemerchant den Auftrag, die Unschuld ihrer Mutter zu beweisen, die vor 15 Jahren wegen des Mordes an ihrem Mann zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurde und nach zwei Jahren im Zuchthaus starb. Der belgische Detektiv sucht alle an diesem Fall Beteiligten auf, zeichnet ein neues Bild von den Geschehnissen in jenen Tagen und kommt zu einem überraschenden Schluss...
Wieder hat die Queen of Crime hier eine verblüffende, wenn auch nicht ganz so spektakuläre Auflösung wie sonst kreiert, die scheinbar offensichtliche Indizien in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt. Faszinierend an diesem Werk ist vor allem der Aufbau- die Handlung besteht hier fast ausschließlich in der Befragung der Beteiligten, in der gedanklichen und schriftlichen Rekonstruktion der relevanten Tage. Natürlich herrschen 15 Jahre nach der Tat andere Emotionen vor als unmittelbar nach dem Verbrechen- die Beteiligten sind älter geworden, haben sich verändert, sind andere Beziehungen eingegangen. Für manche ist der Fall schon längst abgeschlossen, andere sind nach wie vor leidenschaftlich von der Schuld oder Unschuld der Mutter überzeugt.
In dieser seltsamen Atmosphäre soll die Rehabilitation einer lange Verstorbenen stattfinden- Agatha Christie wäre nicht die Queen of Crime, würde sie nicht Stück für Stück vermeintliche Fakten in Zweifel ziehen und da ansetzen, wo der Leser längst sicheres Ufer vermutete. Die Grundstimmung dieses Krimis ist sehr melancholisch und aufgrund der verstrichenen Zeit nichts weniger als hektisch. Um so mehr Zeit bleibt für eine ruhige und eingehende Betrachtung der Tatsachen- nicht jedermanns Geschmack, aber unbedingt lesenswert!
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