beim TV-Publikum leider nicht mehr ganz die Popularität der ersten neun Folgen erreichte, lag zum einen sicher am Ausstieg Armin Mueller-Stahls und zum anderen aber auch an den Drehbüchern.
Nicht nur dass den Autoren der Reihe nun der bisher tragende Charakter und irgendwo sicher auch Sympathieträger Achim Detjen/Werner Bredebusch abhanden gekommen war, fehlte den Geschichten jetzt zunehmend der gewisse Schuss Exotik und Abenteuer.
Beruhten die in den ersten neun Folgen erzählten Geschichten zum Teil noch auf realen Grundlagen, wie die Jagd nach untergetauchten Nazi-Verbrechern, so traten bei den angebotenen Storys der Folgen 10 bis 16 vorwiegend nur noch die politisch-ideologischen Inhalte in den Vordergrund.
Die Meinungen zur filmischen Gesamtreihe werden zweifellos auch diesmal wieder sehr unterschiedlich geprägt sein und damit zwangsläufig weit auseinander gehen.
Auf der einen Seite beinhaltet die Reihe professionell sehr gut gemachte Kriminalfilme mit politischen Hintergrund, während man auf der anderen Seite das ganze auch als mit Hilfe künstlerischer Mittel entstandene Propaganda aus der Zeit des "Kalten Krieges" bezeichnen kann.
Natürlich gilt das umgekehrt für inhaltlich etwa im gleichen Zeitraum spielende Spionage-Reihen und Serien westlicher Prägung genauso.
Egal aus welchem Blickwinkel "Das unsichtbare Visier" aus heutiger Sicht auch immer beurteilt wird. Man sollte in diesem Zusammenhang eben niemals vergessen, dass diese Reihe in einer Zeit entstanden ist, als die deutsch-deutsche Grenze nicht nur ein Land politisch in Ost und West, sondern gleichzeitig ganz Europa und die Welt in zwei gegensätzliche Wirtschafts- und Miltärsysteme teilte.
Inhalt:
Mit der neunten Folge: "Sieben Augen hat der Pfau" (Erstsendung: 26.12.1976) findet nun auch im Rahmen dieser "Straßenfeger" DVD-Reihe die Geschichte um Achim Detjen alias Werner Bredebusch ihren Abschluß.
Mit dem dreiteiler "Der Afrikaanse Broederbond" (Erstsendung: 16., 17. und 18.12.1977) geht die Reihe anschließend mit den Folgen 10 bis 12 in ihre Fortsetzung.
Den Abschluß bilden schließlich die beiden zweiteiler "King-Kong-Grippe" (Erstsendung: 15. und 17.12.1978) und "Insel des Todes" (Erstsendung: 14. und 16.12.1979).
Nicht nur die neuen Hauptdarsteller Horst Schulze als Rechtsanwalt Dr. Clemens, Gunter Schoß als Martin Tanner, Jürgen Heinrich als Alexander und Marion van de Kamp als Felicitas Eichhofer, versuchen ihren Rollen jeweils ein unverwechselbares Profil zu verleihen. Auch solche großartigen Schauspieler wie Jürgen Reuter, Karin Ugowski, Walter Niklaus, Helmut Schellhardt, Erik S. Klein, Rolf Hoppe, Gerry Wolff, Wolfgang Greese oder Alfred Struwe stehen ihnen dabei in nichts nach.
Bildbewertung:
Die Folgen 9 bis 16 haben zusammen mit dem enthaltenen Bonusmaterial eine Laufzeit von 633 Minuten.
Das Bild der acht hier enthaltenen Folgen kommt auf vier DVDs vom Type 9 in digitaler Bearbeitung zur Ansicht. Für diese Bearbeitung standen jeweils offensichtlich wenig beanspruchte Originalfilm-Kopien zur Verfügung.
Eine Tatsache die man dem vorliegenden Endprodukt ansieht.
Vereinzelt auftretende Bildfehler die auch durch bestmögliche digitale Bearbeitung nicht zu beseitigen waren, sind dem jeweiligen zwischen 38 und 40 Jahre alten Ausgangsmaterial geschuldet.
Im großen und ganzen sehe ich die Bildqualität des mir vorliegenden Endproduktes als zufriedenstellend bis gut an.
Die erste DVD enthält neben den Folgen 9 und 10 ein 45 minütiges Interview mit Jessy Rameik, die innerhalb dieser Reihe die Rolle der Winnie Winkelmann spielte.
Auf der zweiten DVD ist neben den Folgen 11 und 12 ein 38 minütiges Interview mit Gunter Schoß, dem Darsteller des Martin Tanner enthalten. Besonders dieses zweite Interview gibt einen wie ich finde sehr interessanten Einblick auf die Dreharbeiten. Gunter Schoß gibt hier u.a. auch Auskunft zu den Hintergründen, warum er nach den Dreharbeiten zu "Der Afrikaanse Broederbond" für eine weitere Mitarbeit an den restlichen vier Folgen nicht mehr zur Verfügung stand.
Das beiliegende sechsseitige Booklet enthält ähnliche Inhalts- und Zusatzinformationen, wie sie auch schon dem Booklet der "Straßenfeger"-Box Nr. 12 mit den Folgen 1 bis 8 zu entnehmen waren.
Anmerkung:
Noch in diesem Jahr werden Studio Hamburg, rbb-media, und das Deutsche Rundfunkarchiv Potsdam-Babelsberg (DRA) im Rahmen der DVD-Reihe "DDR TV-Archiv", den zweiteiler "Feuerdrachen" (Erstsendung: 18.12.1981 und 21.12.1981) veröffentlichen, der ursprünglich ebenfalls für die "Visier"-Reihe geplant war, dann aber als eigenständige Produktion zur Ausstrahlung kam.
Tonbewertung:
Der Ton im Format Dolby Digital 2.0 Mono ist sauber und klar verständlich aufgespielt.
Kleinere vereinzelt auftretende Mängel der Bild- und Tonqualität mindern den ansich positiven Gesamteindruck keineswegs.
Gesamturteil:
Trotz der kritischen Anmerkung zu Beginn meiner Rezension, verdient diese "Straßenfeger"-Box Nr. 26 in Schauspielerischer Hinsicht, sowie mit Blick auf die Qualitative DVD-Umsetzung die volle Bewertung mit 5 Punkten.
Übrigens: Diese Box ist schon seit einiger Zeit als Vorveröffentlichung über ARD-Video und im rbb-shop zu bekommen.
Nur deshalb war es mir schon zum jetzigen Zeitpunkt möglich eine umfassende Bewertung zu dieser DVD-Box abzugeben.
Fazit:
Wie bereits angemerkt dürfte wohl jeder zur Art und Weise der im "Visier" behandelden Thematik, ohnehin seine eigene ganz persönliche Meinung vertreten. Aus diesem Grund habe ich den inhaltlichen Aspekt bei meiner 5 Sterne Bewertung ganz bewusst nicht mit einbezogen.
Auf jeden Fall bietet sich nun allen interessierten Zuschauern die Gelegenheit, wenn sie es wollen, "Das unsichtbare Visier" jetzt endlich mit allen seinen 16 Einzelfolgen, in der Originalfassung und länge, ungekürzt auf den beiden "Straßenfeger" DVD-Boxen 12 und 26 kennen zu lernen. Ob Sie damit nun bis zum 22. November 2010 warten oder nicht, bleibt selbstverständlich ihrer eigenen, ganz persönlichen Entscheidungsfindung überlassen.
Dass hier zweifellos die Bekanntschaft mit einer einst sehr erfolgreichen Spionagereihe des Deutschen Fernsehfunks (DFF) auf Sie wartet, zumindest das kann ich Ihnen jetzt schon versprechen.