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Das unbeschriebene Blatt: Die moderne Leugnung der menschlichen Natur
 
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Das unbeschriebene Blatt: Die moderne Leugnung der menschlichen Natur [Gebundene Ausgabe]

Steven Pinker , Hainer Koiber
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

Bei unserer Geburt sind wir wie unbeschriebene Blätter, auf die dann unsere Erfahrungen in der Welt geschrieben werden. Diese definieren letztlich, wer wir sind. Ein Phänomen, für das John Locke bereits im 17. Jahrhundert den sprechenden Begriff der Tabula rasa erfand; eine Theorie, die mit dem Wandel von Zeit und Erkenntnis nicht Schritt halten konnte. So sollte man zumindest meinen. Steven Pinker beweist jedoch das Gegenteil. Der Kognitionspsychologe und Bestsellerautor zeigt auf eloquente und eindrückliche Weise, wie weit die überholt geglaubte Lockesche Vorstellung vom Menschen auch in Wissenschaftskreisen nach wie vor verbreitet ist. Aus Pinkers Sicht überschätzt jene Haltung die Bedeutung der “Umwelt” maßlos. Pinker erforscht die Geschichte des zu Grunde liegenden Denkfehlers ebenso wie die kulturellen Vorurteile, die dazu geführt haben, dass wir die Rolle der Gene systematisch unterbewerten.
Mit “Das unbeschriebene Blatt” legt Steven Pinker erneut ein Standardwerk vor, das nicht nur durch seine wissenschaftlichen Erkenntnisse und Thesen besticht, sondern durch Witz und Intelligenz v.a. eines ist: ein großartiges Lesevergnügen.

Über den Autor

Steven Pinker, geboren 1954, leitet das Center for Cognitive Neuroscience am Massachusetts Institut of Technology (MIT). Er ist Fellow verschiedener wissenschaft- licher Gesellschaften und schreibt u.a. für die New York Times, Time und den New Yorker. Für seine Forschungen zur visuellen Wahrnehmung und zum kindlichen Spracherwerb erhielt Pinker von der National Academy of Science und der American Psychological Association mehrere Auszeichnungen. Zuletzt erschienen auf Deutsch “Wie das Denken im Kopf entsteht” (nominiert für den Pulitzer -Preis) und “Der Sprachinstinkt”. Steven Pinker lebt in New York.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
48 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Meilenstein 4. Mai 2007
Format:Gebundene Ausgabe
Zwei Jahre nach Erscheinen der Originalausgabe dieses Buches ("The Blank slate") wurde der Sprach- und Kognitionsforscher Steven Pinker vom Time Magazine in die Gilde der gegenwärtig "100 einflussreichsten Menschen der Welt" gewählt (Time Magazine, April 26, 2004). Zuvor wurde er bereits von den renommierten Wissenschafts-Institutionen "National Academy of Sciences" und der "Royal Institution of Great Britain" ausgezeichnet. Er ist also kein Leichtgewicht.

Als der frühere Präsident der Harvard Universität, Larry Summers, im Januar 2005 "angeborene Unterschiede zwischen den Geschlechtern" als Ursache dafür ausmachte, dass Frauen unter den Professoren der Natur- und Ingenieurswissenschaften weit unterrepräsentiert sind, fegte ein Sturm der Entrüstung über den Campus (und letztlich den Präsidenten hinweg). Der Harvard Professor Steven Pinker wurde zu einer öffentlichen Debatte mit der Harvard Professorin Elizabeth S. Spelke zum Thema "Frauen in der Wissenschaft" eingeladen. Wie kaum zuvor wirbelten die geballten wissenschaftlichen Argumente durch den Saal. Im "Das unbeschriebene Blatt" hatte Steven Pinker seine kühnen Analysen zu diesem Thema bereits leidenschaftlich präsentiert.

Auch zu weiteren aktuellen Themen, wie die Nutzung von Stammzellen und die Frage, ob der Mensch wirklich einen freien Willen besitze, hat Steven Pinker in diesem Buch wissenschaftlich Stellung bezogen. Seither sind Details dazugekommen, aber nichts wesentlich Neues.

Das Buch.

Im vergangenen Jahrhundert, so Steven Pinker, wurden sittliche Grundsätze auf Fundamenten erstellt, wie

- "Das Unbeschriebene Blatt" (alle Menschen kommen gleichermaßen "unbeschrieben" auf die Welt; der menschliche Charakter und seine Individualität gründen auf unterschiedlicher Erfahrung, Erziehung und Kultur). Stimmt nicht, alle grundlegenden Begabungen und Temperamente werden zu einem nicht unerheblichen Anteil vererbt.

- "Der edle Wilde" (der Mensch sei von Natur aus friedliebend und selbstlos) - ein Mythos.

- Körper und Seele seien strikt getrennte Einheiten. Aber: Unsere Gedanken und Gefühle sind ein Ergebnis der Tätigkeit unserer Hirnzellen und untrennbar mit ihnen verbunden. Und, Hirnschäden können unsere Persönlichkeit und unser moralisches Verhalten verändern (Frage: was passiert dann mit unserer Seele?).

Den überwältigend vielen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Trotz, wird die menschliche Natur immer noch verleugnet. Die Gründe liegen vorwiegend in folgenden Ängsten:

- wenn die Menschen von Geburt an verschieden wären, ließe sich Unterdrückung rechtfertigen;

- wenn die Menschen von Natur aus amoralisch wären, hätten wir keine Hoffnung, die menschliche Existenz verbessern zu können;

- wenn menschliches Verhalten biologische Ursachen hätte, hätten wir keinen freien Willen und könnten nicht für unser Verhalten verantwortlich gemacht werden;

- Wenn wir lediglich ein Produkt der Biologie wären, hätte das Leben keinen höheren Sinn und Zweck mehr.

Diese Ängste, so Steven Pinker, sind nicht gerechtfertigt. Im Gegenteil, er weist nach, dass gerade die Verleugnung der menschlichen Natur brandgefährlich ist und genau dazu führen kann, wovor sich die Menschen ängstigen. Das Buch macht darauf aufmerksam, woher die Tabuisierung der menschlichen Natur kommt und ist voll Zuversicht, dass die Werte, die wir achten, an der Weiterentwicklung der Erkenntnisse nicht zerbrechen werden.

Faszinierend.

"Das unbeschriebene Blatt" ist ein Meilenstein. Steven Pinker weist auf die erblichen Anteile unserer Persönlichkeiten hin, ohne deterministisch zu sein, und berücksichtigt gleichzeitig Einflüsse der Umwelt. Er zeigt, wieso sich Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften mit einer gemeinsamen Würdigung der menschlichen Natur so schwer tun.

Das Buch hat auch nach fünf Jahren nichts von seiner Faszination verloren. Es verdient sechs von fünf Sternen!
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75 von 84 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein Meisterwerk 19. April 2005
Von Dr. Horst Wolfgang Boger TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Steven Pinker wird von manchen Leuten, vor allem in Deutschland, als "Schreiberling" oder "Popularisator" abqualifiziert. Dieses Urteil ist sehr, sehr deutsch und es wird ihm überhaupt nicht gerecht. Pinker ist nämlich ein kluger Mann, der viel weiß und viel kann: Er kann lesen, er kann denken, er kann schreiben. Die Harvard University wird schon gewusst haben, warum sie ihn (wahrscheinlích nicht nur mit Geld!) vom MIT abgeworben hat.

Das vorliegende Buch habe ich in der englischsprachigen Originalfassung gelesen, manche Kapitel zwei oder gar drei mal. Es räumt sehr gründlich, aber ohne Fanatismus mit einer Ideologie auf, die schon sehr viel Schaden angerichtet hat, nämlich mit der Ideologie, dass der Mensch eine tabula rasa ist, die beliebig beschrieben werden kann.

Wenn der Mensch eine solche tabula rasa wäre, könnte es kein Unrecht sein, auf ihr nach Belieben herumzukratzen. Dementsprechend haben Diktatoren und Massenmörder wie Lenin, Stalin, Mao und Pol Pot keinerlei Skrupel gehabt, Menschen terroristisch umzuerziehen und sie bei Erziehungsresistenz verhungern zu lassen oder sie direkt abzuschlachten. Die Ideologie der tabula rasa, des unbeschriebenen Blattes, lädt geradezu dazu ein. Kommt der Mensch dagegen als kleines Buch auf die Welt, mit seiner eigenen Würde, seiner eigenen Story, seiner eigenen Epik, wäre es ein Sakrileg, zumindest aber eine grobe Fälschung, den Text umzuschreiben.

Das ist eine der wichtigen moralischen und ideologiekritischen Botschaften dieses Buches.

Dieses Buch ist aber nicht nur ein moralischer Appell, sondern auch eine sehr umfassende und gründliche Darstellung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Wenn man es durchgearbeitet hat, weiß man über Weltanschauungen, Sozialwissenschaften, Biologie, Psychologie, Verhaltensgenetik, Geschichte, Ethik und Ästhetik mehr als vorher. Und das Kapitel 19, das von Kindern handelt, ist eine Meisterleistung der Wissenschaftspublizistik.

Die Belesenheit des Verfassers ist geradezu überwältigend. Und einfach macht er es sich an keiner Stelle, weder in seinen Thesen noch in seinen Argumenten. Die Rede von »billiger Biologie« ist nicht nur töricht, sondern grenzt eindeutig an Debilität.

Ich kann es jedem Menschen empfehlen, der den Mut hat, sich von herrschenden Heilsgewissheiten abzuwenden.

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58 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Neurologischer Tausendsassa 27. Oktober 2003
Von Fuchs Werner Dr #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Der in New York lebende und am MIT lehrende Neurobiologe hätte es in Europa wohl nicht ganz leicht, einen Lehrstuhl von Bedeutung zu ergattern. Dazu sind seine Auftritte zu schrill, sein Marketingdenken zu ausgeprägt, seine Kollegenschelten zu forsch und sein Appetit, unter dem Gartenzaun zu fressen, zu gross. Aber Steven Pinker gibt es nun mal ebenso wie seine Bücher mit Bestsellerstatus. Und je nach eigenem Standort werden sie mit fünf oder einem Stern beurteilt. Ich wollte mich zuerst gut eidgenössisch mit 2 1/2 auszeichnen, entschied mich aber für deren vier, weil das Phänomen Pinker alleweil die Lektüre lohnt.

Selbst seine schärfsten Kritiker bescheinigen Steven Pinker, dass er schreiben kann. Und das ist bei vielen Akademikern noch immer ein rares Gut. Der Inhalt des dicken und grossen Wälzers ist rasch zusammengefasst: Die real existierende menschliche Natur ist kein unbeschriebenes Blatt, sondern mehrheitlich genetisch geprägt, was sich auf unser Verständnis von Kultur auswirken sollte. Mit der Materie vertraute Leser werden solche Thesen nicht in ihren Grundfesten erschüttern. Seit Biologen und Neurologen in den Nanobereich vorgestossen sind, gibt es keine ernsthaften Wissenschaftler mehr, die Gegenteiliges behaupten würden. Bei den verbliebenen Streitereien unter Fachkollegen geht es nur noch um Flügelkämpfe und Prozentzahlen. Was also ist das Neue, das Pinkers Buch zum Renner macht und die Gemüter so erregt? Ganz einfach: Steven Pinker masst sich an, neurobiologisches Wissen auf humanistische Weltbilder und die grossen Religionen loszulassen. Damit weckt er Abwehrreflexe, die Betroffene zur Instinkthandlung veranlassen, das Bad gleich mit dem Kinde auszuschütten und Pinkers Thesen teuflischen Ursprungs zu bezichtigen. Bei fundamentalistischen Lesern mag dieses Verhalten noch verständlich sein, bei abgeklärteren Geistern wäre etwas mehr Gelassenheit am Platz. Klar, nimmt es Pinker mit den Begriffen der Geisteswissenschaften nicht allzu genau und richtet damit einen ungeniessbaren Salat an. Aber solange seine Kritiker so kompliziert schreiben, wie sie es in der Schule oder bei Hegel gelernt haben, kaufen wissbegierige Menschen eben Pinker'sche Bücher. Und das ist gut so. Denn so erfahren sie auf unterhaltsame Art und Weise, was Neurologen und Biologen in den letzten zwanzig Jahren entdeckten, was sie denken, fürchten und wollen. Und weil diese Erkenntnisse unser Weltbild ziemlich auch den Kopf stellen, lohnt sich die Lektüre auf jeden Fall.

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