Irgendwie erinnert mich dieses schön gemachte Bilderbuch an jenen Witz mit der Mäusemama, die die Katze durch Bellen verscheucht und ihrem verblüfften Kind so den Nutzen von Fremdsprachenkenntnissen vor Augen führt...
Die slowenische Kinderbuch-Autorin und -Illustratorin Lila Prapp hat in ihrem "Tierischen Wörterbuch" -- mit Hilfe muttersprachlicher Informanten -- zusammengestellt, wie die "Äußerungen" von Esel, Schaf, Ente, Pferd, Biene, Kuh, Schwein, Katze, Hund, Vogel, Hahn, Henne, Frosch und Elefant jeweils in über 40 Sprachen ausgedrückt werden... Und tatsächlich bekommt man den Eindruck, dass nicht nur Menschen im Ausland mit Verständnisschwierigkeiten rechnen müssen, sondern z.B. auch Frösche: Auf Englisch quakt es "rebbit, rebbit!", auf Polnisch erklingt ein "rechu-rech", ein finnischer Frosch scheint "kur kur" zu bevorzugen, ein japanischer stimmt seine "kerokkerok"-Arie an... eine hübsche Zusammenstellung, die zu mancherlei phantasievollen Spielen anregt und ganz einfach Spaß macht -- und zwar auch dann, wenn man altersbedingt nicht mehr zur Zielgruppe für Bilderbücher gehört. Einem internationalen Katzenkonzert steht nun nichts mehr im Wege (Wenn das irische "Mídheabh" eher nach Mandelentzündung als nach Miau klingen sollte: Man denke an die notorisch irrationalen Ausspracheregeln fürs Gälische...). Ein internationales Schäfchenzählen bietet sich geradezu an, auch wenn es eher als Muntermacher denn als Einschlafhilfe geeignet ist, und dass ein Pferdegewieher im Dänischen durch "vrinsk" wiedergegeben wird, öffnet wilder Spekulation Tür und Tor. Auch erheiternd in jeder Gesellschaft: Die Versuche von Nicht-Walisern, einen Gockel auf Walisisch krähen zu lassen; die Äußerung "Cwc-a-dwdl-dw" bedeutet nämlich diesmal nicht "Letzte Grüße aus Davos"...
Wie gesagt, das Ganze macht grandiosen Spaß und hat für Auge u n d Ohr was zu bieten, und genau das soll es ja auch.
Allerdings: Man sollte man dieses Wörterbuch mit einem Augenzwinkern verwenden, denn es ist freilich nicht als wissenschaftliches Grundlagenwerk konzipiert. Die Herausgeberin musste sich auf die Richtigkeit ihrer Informationen verlassen, und ggf. auch auf deren Transkriptionskünste -- und hier scheint's doch ab und zu gehapert zu haben, soweit ich das beurteilen kann. Bei der Übertragung des englischen Originals ins Deutsche hat sich dieser Stolperstein noch vergrößert, denn im Englischen gibt man den Laut 'u' durch ein 'oo' wieder, und das wurde nicht immer berücksichtigt, und ebenso wenig achtete man darauf, dass der Laut, den man im Deutschen mit 'ch' wiedergibt, im angelsächsischen Kulturraum durch 'kh' oder 'h' wiedergegeben wird. Hinzu kommen Druckfehler, die bei einem solchen Unternehmen kaum reversibel sind (oder sollen etwa über 30 Beiträger Korrekturfahnen bekommen?): deutsche Hennen gackern nicht "tack"; die scheinbare Arie, die ein polnischer Frosch quakt, erklärt sich daraus, dass das polnische "albo" auf Deutsch "oder" bedeutet, und der griechische Buchstabe Xi repräsentiert den Laut 'ks' (also 'x')... Nunja, das kann passieren, war hier vermutlich sogar kaum zu vermeiden. Und insgesamt fällt das auch kaum ins Gewicht, weder quantitativ noch qualitativ, und das nicht nur deswegen, weil das "Tierische Wörterbuch" in erster Linie ein witziges Bilderbuch nicht nur für Kinder ist. Ein Buch für Kinder, denen hier mit viel Unterhaltungswert (gilt auch für vorlesende Erwachsene) ein Einblick in die Vertracktheit der Welt gewährt wird, und vor allem: Ein Buch, das einen lehrt, die Vertracktheiten der Welt mal staunend zu erkennen, mal respektvoll anzuerkennen, aber auch, sie lustvoll auf die Schippe zu nehmen.
Wenn ich ein chinesischer Elefant wäre, würde ich mein Lob mit einem begeisterten "Du du" ausposaunen, aber 4 lautlose Sterne dürften denselben Zweck erfüllen.