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Das stille Haus: Roman
 
 
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Das stille Haus: Roman [Gebundene Ausgabe]

Orhan Pamuk , Gerhard Meier
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; Auflage: 2 (7. September 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446234004
  • ISBN-13: 978-3446234000
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,8 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 308.786 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Orhan Pamuk
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Recep hat es nicht leicht. Denn der kleinwüchsige Ich-Erzähler muss allein mit seiner 90-jährigen Stiefmutter Fatma ein Haus bewohnen, und die Greisin macht ihm das Leben allzu schwer. Den Tod ihres Mannes Selahatin – ein von seiner Frau unverstandener und ausgebremster Freigeist und Alkoholiker – hat Fatma nie so recht verwunden: Der Geist des Arztes schwebt wie ein unheilvolles Verhängnis über dem Gebäude und den Bewohnern. Jetzt spricht die streng gläubige Frau jede Nacht mit ihrem toten Mann und sagt ihm Dinge, die sie sich früher zu sagen verkniffen hat. Und trotzdem stehen nun, am Rande des Todes, auch das eigene Leben und die eigenen Überzeugungen für Fatma auf dem Prüfstand...

Mit 31 Jahren schrieb der spätere türkische Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk seinen Roman Das stille Haus, und an mancher Stelle merkt man dem Buch die erzählerische Unerfahrenheit seines Autors durchaus an. An anderen – den meisten – Stellen hingegen muss man stauen über die Reife und Souveränität, mit der bereits der junge Pamuk sein Sujet beherrscht, und über die vielen narrativen Kniffe und differenzierten, lebendigen Gestalten, die er wie ein Zauberkünstler aus dem Ärmel zieht.

Das hat vor allem auch damit zu tun, dass Pamuk nicht bei der Schilderung von Fatmas Innenleben und ihrem schwierigen Verhältnis zu Recep stehen bleibt, sondern die oftmals psychisch recht komplexen Enkelkinder Faruk, Metin und Nilgün, die ihre Großmutter im „stillen Haus“ besuchen kommen, in die Schilderung mit einbezieht. Es ist der Sommer 1980, also die Zeit kurz vor dem Militärputsch in der Türkei; so bekommt die Familiengeschichte, die zwischen alten und neuen Auffassungen hin- und herpendelt, noch eine politisch brisante Position – eine Position, die Pamuk ja bis heute in seiner Heimat so umstritten (und so wichtig) macht. -- Stefan Kellerer

Pressestimmen

"Nobelpreisträger Orhan Pamuk erzählt ergreifend die Geschichte einer Istanbuler Familie." Sophia Willems, Westdeutsche Zeitung, 03.09.09 "Eine erschreckende, keineswegs unrealistische Familiensaga, in der sich die Geschichte des Landes zu bündeln scheint." Sibylle Thelen, Stuttgarter Nachrichten, 02.09.09 "Ein kompositorisches Meisterwerk" Andreas Tobler, Berner Zeitung, 10.09.09 "In seinem frühen Roman 'Das stille Haus' frönt Orhan Pamuk der Melancholie und hat Weltliteratur im Sinn. (...) Furchtbare Frauen und frustrierte Männer: Der Pessimismus dieses Romans ist erstaunlich." Wolfgang Schneider, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.10.09

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
EIN ORIENT OHNE GOTT 1. Oktober 2009
Von Ulrich Gellermann TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
So viel Tote auf dem Weg zu einem besseren Leben

Darvinoglu nennt sich der Großvater als sich die Türken, auf Geheiß des großen, diktatorischen Modernisierers Atatürk Familiennamen wählen müssen: Sohn des Darwin. Wie rasend macht sich der Arzt Darvinoglu auf, ganz alleine die europäische Aufklärung zu wiederholen, eine Enzyklopädie zu schreiben, um dem "dem gesamten Orient beizubringen, dass es keinen Gott gibt". Orhan Pamuk lässt in seinem Roman "Das stille Haus" den Furor der Europäisierung der Türkei los, den großen Bruch mit dem osmanischen Reich und lässt die Wut mit der Zeit der Enkel wieder auferstehen: Am Vorabend des letzten türkischen Militärputsches im Jahr 1980. Das stille Haus am Marmara-Meer war als Zuflucht gedacht. Denn Dr. Darvinoglu hatte es sich in Istanbul mit Talat Pascha verdorben, jenem Funktionär der Jungtürken, der für den Mord an den Armeniern verantwortlich war und als Regierungschef des untergehenden osmanischen Reichs die Türkei an die Seite der Deutschen in den ersten Weltkrieg führte. Doch für den ersten Darvinoglu und seine Frau sollte das Haus eher eine feuchte Gruft werden.

Immer noch wohnt die steinalte, herrische Frau des längst verstorbenen Arztes in dem alten Haus, als der Autor ihre Enkel aus Istanbul zu Besuch kommen lässt und mit ihnen die Geschichte seines Landes und die scheinbar privaten Verstrickungen zu einem Roman verknüpft, dessen Erzählknoten nach und nach ein Muster voller Melancholie, verlorener Liebe und Gewalt preisgeben. Tag für Tag finden sich auf den Straßen der Türkei in den 70er und 80er Jahren die Leichen von linken und rechten Militanten, die türkische Republik taumelt unter ihren wirtschaftlichen und sozialen Problemen, und eine aufgehetzte Öffentlichkeit findet in den Kommunisten die Schuldigen: Tausende politische Gefangene werden nach dem Putsch zum Tode verurteilt werden, die Zahl der Inhaftierten und Gefolterten wird bei einer Million liegen, doch noch, im Buch von Pamuk, ist der Terror eher privat als staatlich. An einem seiner Protagonisten, einem entfernten Verwandten der Darvinoglus, exekutiert Pamuk die ganze Verdruckstheit, die Allmachtsfantasien faschistischer Hilfstruppen: Er wird aus Neid und unerwiderter Liebe eine junge Frau erschlagen, die er und seine rechte Gang für eine Kommunistin halten.

Doch vor dem dramatischen Finale des Romans bietet Pamuk seine ganze schreibende Kraft auf, um Einsamkeit und Verzweiflung der Enkel an der Einsamkeit und Boshaftigkeit der Großmutter zu messen: Faruk, der Älteste, säuft und verliert sich in jahrhundertealten Dokumenten, aus denen er nie das Buch wird machen können, das er sich vorgenommen hat. Seine Schwester, die schöne Nilgün, sympathisiert mit sozialistischen Ideen ohne wirkliche Vorstellungen davon zu haben und Metin, der Jüngste, träumt von den USA, von der Flucht aus dem Stillstand der Türkei in die kühnen Städte des Fortschritts, die er nur aus amerikanischen Filmen kennt. Der kalte Krieg sah die Türkei fest an der Seite der USA: Vom Koreakrieg bis zur gnadenlosen Verfolgung der Linken waren die diversen türkischen Regierungen willige Helfer im "Great Game" gegen die Sowjetunion. Es sollte dann auch die Regierung Carter sein, die den Putsch der türkischen Militärs, der treuen NATO-Verbündeten, politisch und finanziell unterstützte und so vorrangig an der Unterdrückung der Kurden beteiligt war.

"Zuerst sah ich nach, wie viele Leute am Vortag wieder umgebracht worden waren. - Insgesamt hatte es zwölf von uns und sechzehn von den anderen getroffen", lässt Pamuk seinen pickligen, verschwiemelten Nachwuchsfaschisten in der Zeitung lesen und den Leser erschauern. Wie eine Katharsis erscheint der Roman heute, eine Arbeit, die schon 1983 auf türkisch erschienen ist. So viele Tote auf dem Weg zu einem besseren Leben. Es ist der Türkei und ihrem großartigen Orhan Pamuk zu wünschen, dass der Weg der Versöhnung mit den türkischen Kurden, den die jetzige Regierung eingeschlagen hat, zum Erfolg führt. Spät scheint sich der Wunsch des ersten Darvinoglu nach Modernisierung zu erfüllen. Dass es ausgerechnet eine islamisch geprägte Partei ist, die diesen Kurs einschlägt und nicht eine laizistische, hätte sich der Großvater sicher nicht vorstellen können.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Regina Károlyi (Media-Mania) TOP 500 REZENSENT
Format:Audio CD
Dieser frühe Roman von Nobelpreisträger Orhan Pamuk mag einige erzählerische Schwächen aufweisen; insgesamt ergibt er ein erschütterndes Psychogramm mehrerer türkischer Generationen. Der verzweifelte Kampf des Selahattin Darvinoglu - "Sohn des Darwin" lautet der selbst gewählte Nachname - um Aufklärung seiner Nation, kulminierend in seinem Versuch, eine morgenländische Enzyklopädie des abendländischen Wissens zu verfassen, dem seine kalte, harte Frau Fatma verbittert entgegenwirkt, ist ein zentrales Thema des Buches. Aus den Hasstiraden der alten Fatma, die immer wieder die Erinnerung heraufbeschwört, zeichnet sich das Bild einer fatalen Ehe: Ein weltfremder, im Grunde sympathischer Aufklärer, finanziell abhängig von seiner gefühlskalten, frömmelnden Ehefrau, sucht Trost beim Alkohol und einer mehr oder minder willfährigen Dienerin, die zusammen mit ihren Söhnen dem grenzenlosen Hass der rechtmäßigen Ehefrau ausgeliefert ist.
Selahattin und Fatma repräsentieren die Türkei um das Ende des Ersten Weltkriegs; ihre Enkel erleben eine andere Umbruchphase, jeder auf seine Weise, ohne ihren Platz im Leben zu finden. Faruk, der willenlose Säufer, Metin, der verhinderte Revolutionär, und die schöne, intelligente, leicht beinflussbare Nilgün sind Fatmas Enkel. Ihnen gegenüber steht Hasan, Enkel aus der illegitimen Verbindung Selahattins und von den Faschisten verführt, ebenfalls verzweifelt auf der Suche nach einem wie auch immer gearteten Sinn.
Mit beeindruckender, anhaltender Intensität schildert der Autor eine "verlorene" Generation oder auch zwei, die Hilflosigkeit und Richtungslosigkeit, aus der schließlich blinde Gewalt gegen andere oder gegen sich selbst resultiert. Über allem steht Fatma wie ein böser Geist.
Die Sprecher verleihen den einzelnen Figuren Leben und finden sich gut in die Protagonisten ein, sodass die Hörbuchfassung authentisch und spannend wird, ohne einen Moment der Langweile. Auch die Ausstattung, einzeln in transparente Kunststoffhüllen verpackte CDs im Kartonschuber und ein mit allen Basisinformationen versehenes Booklet, überzeugen. So beeindruckt Orhan Pamuk auch in der Hörbuchfassung.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Tragik pur 27. Juli 2011
Format:Audio CD
Ein ganz und gar tragisches Buch über eine türkische Familie.
In Monologen erzählen die uralte Großmutter, deren Enkel und Verwandte über ihr Leben, ihre Beziehungen, ihre innersten Gedanken, ihre Weltverdrossenheit, ihren Glauben an Gott, oder ihre Gottlosigkeit, ihre Pläne für das weitere Leben, ihre politische Einstellung usw
Und über alldem schwebt die LEERE des Lebens
Es ist insgesamt eine derartige Tragik in all diesen Schilderungen, dass man froh ist, wenn sich das Buch dem Ende zuneigt.
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