Aus der Amazon.de-Redaktion
Zwei Sätze braucht der Erzählmagier Roth, dann ist er mitten drin in seinem Lieblingsthema, das von den Abhängigkeiten und Verführungen rund um den Campus handelt, und erzählt uns von der außergewöhnlichen Liebe des Professors zu seiner ehemaligen Studentin. Zur Erzählzeit des Romans ist dies alles sechseinhalb Jahre her; aber plötzlich, am Silvesterabend des Jahres 2000, erhält der Professor von Consuela einen Anruf, der ihn mit dem Sterben einer geliebten Person und mit dem Sterben der Liebe und der Freundschaft generell konfrontiert. Eros und Thanatos liegen in Roths großem kleinen Buch wieder einmal eng beieinander.
Es steht zu befürchten, dass Roths Roman von Teilen der Kritik als lüstern-senile Altherrenfantasie verrissen wird -- zu oft ist von großen Brüsten und (perversen?) Praktiken zwischen einem alternden Mann und seiner jungen Freundin die Rede, und die Art und Weise, wie Roth detailliert und voller Erzählfreude diese Passagen zelebriert, wird manchem als anstößig aufstoßen. "Und dennoch war es von Pornographie so weit entfernt, wie es nur sein konnte", heißt es an einer Stelle des Romans, und dieser Satz könnte als Motto auch über dem Bändchen stehen. Mit Das sterbende Tier nämlich ist Roth eine weitere faszinierende, sehr melancholische und überzeugende Bestandsaufnahme über die Liebe, aber auch über das Altern gelungen. Nicht so großartig wie Der menschliche Makel vielleicht, aber besser und schöner und diskreter wohl als die meisten Romane, die zu diesem Thema seit Lolita geschrieben wurden. --Stefan Kellerer -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
Amazon.de Hörbuch-Rezension
Nach den eher voluminösen Romanen seiner "amerikanischen Trilogie" scheint Das sterbende Tier auch inhaltlich ein eher schmalbrüstiges Werk zu sein. Aber nur auf den ersten Blick. Denn es geht um weit mehr als um die klischeehaft wirkende Affäre eines alten Mannes mit einer jungen, schönen Frau. Denn bei Roth siedelt der Eros stets in unmittelbarer Nähe zum Tod und anderen existenziellen Themen. Vor allem, wie der Prozess des Altwerdens beschrieben ist, beeindruckt.
Max Volkert Martens hat eine eher unauffällige Stimme. Aber sie passt sehr gut zu Roths Geschichte, die aus zeitlicher Distanz erzählt ist, von einem Mann, der reflektiert und auch einen faszinierenden Bogen schlägt zur sexuellen Emanzipation der Frauen und dem ewigen Konflikt zwischen Freiheit und Bindung. --Christian Stahl
Spieldauer: 4 CDs, ca. 260 Minuten, vollständige Lesung. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Perlentaucher.de
Thomas David ist absolut hingerissen von diesem Roman, in dem der aus vorangegangenen Büchern Roths bekannte Protagonist Kepesh erfährt, dass die bildschöne junge Studentin, mit der er einst eine Affäre hatte, an Brustkrebs erkrankt ist. Dieser "grandiose Monolog" Kepeshs ist nicht nur die Geschichte einer Liebe, das Dokument einer "ungezügelten Leidenschaft" und Erzählung von überwältigender Eifersucht von "beachtlichem Format", schwärmt der Rezensent, sondern gleichzeitig auch eine Analyse der historischen Entwicklung, die mit der sexuellen Revolution der 60er Jahre begann. Insbesondere die Entwicklung von einem erotischen Abenteuer zu einer Obsession sieht der begeisterte David auf "brillante Weise" dargestellt und das Ende des kurzen Romans preist er gar als "eine der wirklich atemberaubenden Schlusspassagen" der neueren Literatur.
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Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.02.2003
Mit seinem jüngsten Roman ist Philip Roth nach Ansicht von Marcel Reich-Ranicki ein bedeutender Roman gelungen. Reich-Ranicki zufolge zeichnet der amerikanische Autor, den er zu den größten Schriftstellern unserer Zeit zählt, darin ein Bild der sexuellen Besessenheit, "konkret und kritisch und zugleich ergreifend", sowie ein Bild des "Außersichseins der Liebenden". Mit der vierundzwanzigjährigen kubanischen Studentin, in die sich ein fast vierzig Jahre älterer amerikanisch-jüdischer Professor verliebt, habe Roth außerdem eine der schönsten Frauenfiguren der neueren amerikanische Literatur geschaffen. Der Roman erzählt Reich-Ranicki zufolge auch von Sex als Vergeltung für den Tod, von der Polarität von Sex und Intellekt. Wieder einmal entwerfe Roth "ein amerikanisch-jüdisches Welttheater", schreibt Reich-Ranicki. Und man brauche "nicht mit dem Judentum geschlagen zu sein", um sich in Roths jüdischen Figuren wiederzuerkennen. Besonders hebt der Rezensent Roths Diktion hervor, die er als "obwohl robust und lustvoll, doch leise, immer intelligent und geistreich, dennoch kurz und bündig" beschreibt. Insbesondere bewundert der Rezensent dabei die Perfektion von Roths routinierter Erzählweise, sowie die "originelle Prägung des Romans", seiner "fortwährenden Synthese aus epischen und diskursiven Elementen", der "Verbindung der extremen Ich-Bezogenheit, der distanzierten Beobachtung und Selbstkontrolle" einerseits mit Hingabe, Raserei und Rausch andererseits.
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Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 21.02.2003
Geben wir es zu: In der Nacherzählung durch die Kritiker klingt die Fabel dieses Romans reichlich verschmockt. Ein 62-jähriger, mäßig berühmter Professor, der unter Herzkranzgefäß- und Prostataproblemen leidet, hat irgendetwas an sich, das "atemberaubend schöne" 24-jährige Studentinnen zum "reinen Ficken" veranlasst. Am Ende des Romans hat das Mädchen Brustkrebs, und der kranke Professor, der auch im philosophischen Sinne Sex ohne Liebe predigt, wird sie als Liebender zu Tode pflegen. Zwar klagt der Rezensent Ijoma Mangold, dass der Roman stellenweise "allzu parabelhaft, holzschnittartig" sei, aber der Atemlosigkeit, mit der er ihn nacherzählt, entnimmt man, dass er hingerissen ist. "Alles hat schließlich seinen Preis - auch die kalte Wahrheit", lautet für Mangold am Ende die Moral der Geschichte. Fasziniert hat er in seiner Kritik zuvor nacherzählt, wie der kalte Zyniker, indem er das Menstruationsblut der schönen Studentin leckte, bei der Metaphysik angelangt sei und einsehen musste, dass es kein "reines Ficken" gibt. Man wird den Roman wohl lesen müssen, um diese Faszination nachzuempfinden.
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Pressestimmen
Ein weiterer genialer Wurf. (Die Welt )
Ein aufwühlendes Meisterstück. (Focus )