Dieses Buch gehörte als Pflichtlektüre zu meinem Niederländisch-Studium. Und wie das so ist mit solcher Lektüre, wird sie nur sehr ungern gelesen. Doch dieses Buch ist von der ersten Seite an spannend. Es geht um einen amerikanischen Soldaten, der im zweiten Weltkrieg einen Angriff auf Dresden geflogen hat. Jahre später kommt er wieder nach Dresden, und er lernt eine jungen Frau kennen. Die Ereignisse weisen daraufhin eine erschreckende Ähnlichkeit auf: Die Eroberung der Frau ähnelt stark der Eroberung Dresdens. Der Roman spielt nach dem Krieg, aber Mulisch hat die Soldatenzeit kunstvoll mit der Struktur des Romans verwoben, in stark an Homers 'Ilias' erinnerden 'Gesängen'. Mulisch ist der griechischen Mythologie sehr verbunden, ud Elemente daraus sind überall wiederzufinden. Der Aufbau dieses Buches allein ist ein Kunstwerk, und der Inhalt regt zum Nachdenken an: Waren die Amerikaner wirklich die Helden, für die sie sich halten? Sind alle Deutschen schlecht? Mulisch räumt gründlich mit dem für seine Landsleute typischen Schwarz-Weißdenken (Deutsche = schlecht; Niederländer, Amerikaner usw. = Helden) auf - er zeigt andere Möglichkeiten.