Buch der 1000 Bücher
Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Das siebte Kreuz
OA 1942 Form Roman Epoche Moderne/Exilliteratur
Mit dem Roman Das siebte Kreuz , der den Untertitel Roman aus Hitlerdeutschland trägt, legte Seghers die Lebensverhältnisse unter dem Nationalsozialismus und dessen ideologische Wurzeln bloß. Als Ursache des Zerfalls der deutschen Kulturnation sah sie die ungehemmte, vom Faschismus gesteuerte Freisetzung des menschlichen Urtriebs, die Durchsetzung persönlicher Interessen über das Wohl und die Rechte der Mitmenschen zu stellen. Der inhumanen, auf Verrat und Unterdrückung beruhenden Gegenwart hält Seghers die ermutigende Kernaussage ihres Romans entgegen, dass der ungebrochene Widerstand weniger dauerhaft die Aussicht auf den Anbruch einer friedvollen, gerechten Zukunft zu sichern vermag.
Inhalt: Im Zentrum des 1937 spielenden Romans steht die Flucht von sieben Häftlingen aus einem deutschen Konzentrationslager. Sechs der Häftlinge werden im Lauf der sieben Tage umspannenden Handlung zu Tode gejagt oder gefangen. Im Lager stellt der KZ-Kommandant die Opfer an eigens errichteten »Kreuzen« zur Schau. Nur die Hauptfigur Georg Heisler, der siebte Flüchtling, kann den Verfolgern entkommen. Die Flucht ins Ausland gelingt dank der Hilfe von Freunden, Familienmitgliedern und Zufallsbekanntschaften, deren Lebensumstände und Beweggründe wie die der Häscher und Mitläufer des Regimes in zahlreichen mit der Rahmenhandlung verwobenen Episoden mitgeteilt werden. Widerstand und Zivilcourage führen dazu, dass das siebte, für Heisler bestimmte Kreuz am Ende leer bleibt und zu einem Symbol der Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit wird.
Aufbau: Seghers Gestaltungsverfahren dient der kritischen Darstellung der nationalsozialistischen Gesellschaftsstruktur. Zugleich sollen die Möglichkeiten, Voraussetzungen und Ziele für eine geistig-politische Erneuerung Deutschlands ausgelotet werden. Als wichtiges Mittel verwendet die Autorin eine psychologisch exakte Kontrasttechnik bei der Figurengestaltung: Komplexe Beschreibungen der Täter und Mitläufer stehen vielschichtigen Charakterporträts der Verfolgten und Fluchthelfer gegenüber. Seghers verzichtet dabei auf ein eindimensionales Gut-Böse-Schema; jede Romanfigur wird in ihren individual-psychologischen, nicht durchgängig positiven oder negativen Merkmalen und Motiven gezeigt.
Die Erkenntnis, dass vom Überleben der Flüchtlinge alle Hoffnung auf eine humanere Zukunft abhängt, hebt Seghers mithilfe christlich-religiöser Symbole und Motive hervor. Besonders prägnant tritt dieses Erzählmittel im Leitmotiv der traditionell als heilig erachteten Zahl Sieben zutage: Nur der siebte Häftling Heisler überlebt die siebentägige, in sieben Romankapiteln berichtete Flucht; das letzte der titelgebenden »Sieben Kreuze« bleibt leer. Die spannende Fluchtgeschichte offenbart sich als Fort- bzw. Neuschreibung der Leidensgeschichte Christi; die Rettung seines weltlichen »Wiedergängers« Heisler symbolisiert die Sicherung der menschlichen Zivilisation.
Wirkung: Das siebte Kreuz gehört zu den international erfolgreichsten, früh in viele Sprachen übersetzten Bestsellern der Exilliteratur (Verfilmung: USA 1944; Regie: Fred Zinnemann). Nach 1945 trug der viel gelesene, in Ost und West kontrovers diskutierte Roman zur Aufklärung über den Nationalsozialismus und seine Ursachen bei. Das siebte Kreuz hatte auch weit reichenden Einfluss auf das literarische Programm des sozialistischen Realismus. T. S.
Das siebte Kreuz
OA 1942 Form Roman Epoche Moderne/Exilliteratur
Mit dem Roman Das siebte Kreuz , der den Untertitel Roman aus Hitlerdeutschland trägt, legte Seghers die Lebensverhältnisse unter dem Nationalsozialismus und dessen ideologische Wurzeln bloß. Als Ursache des Zerfalls der deutschen Kulturnation sah sie die ungehemmte, vom Faschismus gesteuerte Freisetzung des menschlichen Urtriebs, die Durchsetzung persönlicher Interessen über das Wohl und die Rechte der Mitmenschen zu stellen. Der inhumanen, auf Verrat und Unterdrückung beruhenden Gegenwart hält Seghers die ermutigende Kernaussage ihres Romans entgegen, dass der ungebrochene Widerstand weniger dauerhaft die Aussicht auf den Anbruch einer friedvollen, gerechten Zukunft zu sichern vermag.
Inhalt: Im Zentrum des 1937 spielenden Romans steht die Flucht von sieben Häftlingen aus einem deutschen Konzentrationslager. Sechs der Häftlinge werden im Lauf der sieben Tage umspannenden Handlung zu Tode gejagt oder gefangen. Im Lager stellt der KZ-Kommandant die Opfer an eigens errichteten »Kreuzen« zur Schau. Nur die Hauptfigur Georg Heisler, der siebte Flüchtling, kann den Verfolgern entkommen. Die Flucht ins Ausland gelingt dank der Hilfe von Freunden, Familienmitgliedern und Zufallsbekanntschaften, deren Lebensumstände und Beweggründe wie die der Häscher und Mitläufer des Regimes in zahlreichen mit der Rahmenhandlung verwobenen Episoden mitgeteilt werden. Widerstand und Zivilcourage führen dazu, dass das siebte, für Heisler bestimmte Kreuz am Ende leer bleibt und zu einem Symbol der Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit wird.
Aufbau: Seghers Gestaltungsverfahren dient der kritischen Darstellung der nationalsozialistischen Gesellschaftsstruktur. Zugleich sollen die Möglichkeiten, Voraussetzungen und Ziele für eine geistig-politische Erneuerung Deutschlands ausgelotet werden. Als wichtiges Mittel verwendet die Autorin eine psychologisch exakte Kontrasttechnik bei der Figurengestaltung: Komplexe Beschreibungen der Täter und Mitläufer stehen vielschichtigen Charakterporträts der Verfolgten und Fluchthelfer gegenüber. Seghers verzichtet dabei auf ein eindimensionales Gut-Böse-Schema; jede Romanfigur wird in ihren individual-psychologischen, nicht durchgängig positiven oder negativen Merkmalen und Motiven gezeigt.
Die Erkenntnis, dass vom Überleben der Flüchtlinge alle Hoffnung auf eine humanere Zukunft abhängt, hebt Seghers mithilfe christlich-religiöser Symbole und Motive hervor. Besonders prägnant tritt dieses Erzählmittel im Leitmotiv der traditionell als heilig erachteten Zahl Sieben zutage: Nur der siebte Häftling Heisler überlebt die siebentägige, in sieben Romankapiteln berichtete Flucht; das letzte der titelgebenden »Sieben Kreuze« bleibt leer. Die spannende Fluchtgeschichte offenbart sich als Fort- bzw. Neuschreibung der Leidensgeschichte Christi; die Rettung seines weltlichen »Wiedergängers« Heisler symbolisiert die Sicherung der menschlichen Zivilisation.
Wirkung: Das siebte Kreuz gehört zu den international erfolgreichsten, früh in viele Sprachen übersetzten Bestsellern der Exilliteratur (Verfilmung: USA 1944; Regie: Fred Zinnemann). Nach 1945 trug der viel gelesene, in Ost und West kontrovers diskutierte Roman zur Aufklärung über den Nationalsozialismus und seine Ursachen bei. Das siebte Kreuz hatte auch weit reichenden Einfluss auf das literarische Programm des sozialistischen Realismus. T. S.
Pressestimmen
"Es ist das einzige epische Werk der gesamten deutschen Exilliteratur, in dem nicht nur mit gerechtem Zorn Partei genommen wird, sondern - aus der Ferne - ein menschlich glaubhaftes Bild des verfinsterten Deutschland gelungen ist." (Carl Zuckmayer)
Kurzbeschreibung
Im Zentrum des 1937 spielenden Romans steht die Flucht von sieben Häftlingen aus einem deutschen Konzentrationslager. Sechs der Häftlinge werden im Lauf der sieben Tage umspannenden Handlung zu Tode gejagt oder gefangen. Im Lager stellt der KZ-Kommandant die Opfer an eigens errichteten >>Kreuzen<< zur Schau. Nur die Hauptfigur Georg Heisler, der siebte Flüchtling, kann den Verfolgern entkommen. Die Flucht ins Ausland gelingt dank der Hilfe von Freunden, Familienmitgliedern und Zufallsbekanntschaften, deren Lebensumstände und Beweggründe - wie die der Häscher und Mitläufer des Regimes - in zahlreichen mit der Rahmenhandlung verwobenen Episoden mitgeteilt werden. Widerstand und Zivilcourage führen dazu, dass das siebte, für Heisler bestimmte Kreuz am Ende leer bleibt und zu einem Symbol der Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit wird.
Klappentext
"... als historisches Tondokument sind die Ausschnitte wertvoll."
Wetzlarer Neue Zeitung
Wetzlarer Neue Zeitung
"... besticht das Hörspiel einfach durch seine Dichte, seine starken Sprecher und die souveräne Bearbeitung... dazu die sorgfältige Redaktion."
Buchkultur
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Autorenporträt
Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Seghers, Anna (eigtl. Netty Reiling) dt. Schriftstellerin jüd. Herkunft *19.11.1900 Mainz, 1.6.1983 Ost-Berlin Das siebte Kreuz, 1942 Transit, 1944 Anna Seghers widmete sich bereits in ihrem Frühwerk der 1920er Jahre politischen und sozialen Fragen. Ihr in der Emigration entstandenes, auf persönlichen Erlebnissen beruhendes Hauptwerk gilt als repräsentatives Beispiel der Exilliteratur nach 1933, die sich gegen den Nationalsozialismus engagierte und für die humanistische Erneuerung der deutschen Kulturtradition eintrat. Seghers entstammte einem jüdischen Elternhaus und schloss sich nach dem Studium (Kunstgeschichte, Sinologie, Promotion 1924) unter Einfluss ihres Ehemanns László Radványi kommunistischen Kreisen an. Mit der Erzählung Aufstand der Fischer von St. Barbara (1928) international bekannt geworden, wurde sie im gleichen Jahr Mitglied der KPD und begann, offen gegen die Nationalsozialisten aufzutreten. Als Jüdin und Kommunistin 1933 zur Emigration gezwungen, lebte sie bis 1947 in Frankreich und Mexiko, wo sie im antifaschistischen Widerstand aktiv war. Hier entstanden auch ihre großen, dem sozialistischen Realismus verpflichteten Romane Das siebte Kreuz und Transit. Seghers kehrte 1947 zunächst nach Westdeutschland zurück und siedelte 1950 in die DDR über. Vielfach ausgezeichnete "Vorzeigeautorin" und Kulturfunktionärin (1952-78 Präsidentin des DDR-Schriftstellerverbands), vermochte Seghers mit ihren späten, die ostdeutsche Lebenswirklichkeit schildernden Romanen und Erzählungen nicht mehr an das Niveau früherer Werke anzuknüpfen. Biografien: A. Schrade, Anna Seghers, 1993; C. Zehl Romero, Anna Seghers (rm 50464); dies., Anna Seghers. Eine Biografie 1900-1947, 2000.
Seghers, Anna (eigtl. Netty Reiling) dt. Schriftstellerin jüd. Herkunft *19.11.1900 Mainz, 1.6.1983 Ost-Berlin Das siebte Kreuz, 1942 Transit, 1944 Anna Seghers widmete sich bereits in ihrem Frühwerk der 1920er Jahre politischen und sozialen Fragen. Ihr in der Emigration entstandenes, auf persönlichen Erlebnissen beruhendes Hauptwerk gilt als repräsentatives Beispiel der Exilliteratur nach 1933, die sich gegen den Nationalsozialismus engagierte und für die humanistische Erneuerung der deutschen Kulturtradition eintrat. Seghers entstammte einem jüdischen Elternhaus und schloss sich nach dem Studium (Kunstgeschichte, Sinologie, Promotion 1924) unter Einfluss ihres Ehemanns László Radványi kommunistischen Kreisen an. Mit der Erzählung Aufstand der Fischer von St. Barbara (1928) international bekannt geworden, wurde sie im gleichen Jahr Mitglied der KPD und begann, offen gegen die Nationalsozialisten aufzutreten. Als Jüdin und Kommunistin 1933 zur Emigration gezwungen, lebte sie bis 1947 in Frankreich und Mexiko, wo sie im antifaschistischen Widerstand aktiv war. Hier entstanden auch ihre großen, dem sozialistischen Realismus verpflichteten Romane Das siebte Kreuz und Transit. Seghers kehrte 1947 zunächst nach Westdeutschland zurück und siedelte 1950 in die DDR über. Vielfach ausgezeichnete "Vorzeigeautorin" und Kulturfunktionärin (1952-78 Präsidentin des DDR-Schriftstellerverbands), vermochte Seghers mit ihren späten, die ostdeutsche Lebenswirklichkeit schildernden Romanen und Erzählungen nicht mehr an das Niveau früherer Werke anzuknüpfen. Biografien: A. Schrade, Anna Seghers, 1993; C. Zehl Romero, Anna Seghers (rm 50464); dies., Anna Seghers. Eine Biografie 1900-1947, 2000.