In seiner sechs Jahrzehnte andauernden Karriere hat Ingmar Bergman mehr Meisterwerke geschaffen, als jeder andere Filmregisseur. Möchte man sich seiner Welt nähern und das Kunstschaffen eines der grössten Genies der Welt kennen lernen, eignet sich "Das siebente Siegel" für den Einstieg wohl am Besten. Es ist nicht so experimentell wie "Persona" und drängt den Zuschauer noch nicht so sehr zu neuen Sehgewohnheiten, auch ist es nicht so kühl und nihilistisch wie "Licht im Winter" oder so psychologisch-verstörend wie "Das Schweigen".
Nachdem sich Bergman Mitte der 50er Jahre endgültig von den leichten Komödien seiner Frühphase distanziert hatte, näherte er sich mit "Das siebente Siegel" zum ersten Mal dem düsteren und pessimistischen Stil an, der ihn weltberühmt machen sollte. Dennoch versprüht "Das siebente Siegel" immer wieder eine Lebendigkeit und Frische, die vor allem im thematischen Zusammenspiel mit dem Tod von Brisanz ist, und sich u.a. darin begründet, dass der Film noch nicht dem strengen Perfektionswillen eines bereits gereiften Künstlers untergeordnet ist.
Die Schönheit der atemberaubenden Kinematografie scheint vor allem in ihrer Natürlichkeit zu liegen, scheinbar Zufällige (wie die Bewegung einer Totenmaske im Hintergrund) geben den Bildern mit einem Mal andere Bedeutungen und lassen den Zuschauer glauben, mehr gesehen zu haben, als er in Wahrheit sieht.
Zwischen dem Tanz des Lebens im Freilichttheater und dem legendären Totentanz scheint scheint sich das eigentliche Wesen des Menschseins zu offenbaren, der Zuschauer wird mit der ewigen und vergeblichen Sinnsuche konfrontiert, ebenso mit der existenziellen Krise, wie sie Kierkegaard, Sartre oder Camus beschreiben (dies hebt den Film sicher am ehesten aus dem zeitlich gebundenen Mittelalter-Kontext heraus).
Neben der unausweichlichen Verzweiflung des Menschen verdeutlicht Bergman, warum der Mensch trotzdem weiterlebt und kämpft, und sich auf ein Schachspiel mit dem Tod einlässt, das er eigentlich nur verlieren kann. "Das siebente Siegel" ist kein durchweg apokalyptischer Film, der dem Menschen seine Vergänglichkeit vor Augen führen möchte, voller Mut stellt er dem Tod das Leben entgegen, wie es etwa Fellini am Ende von "8 1/2" getan hat.
Es ist immer eine abenteuerliche Reise, sich auf Bergmans Kunst einzulassen. Oftmals führt sie zu neuen Erkenntnissen und lässt uns die Welt, in der wir leben, besser verstehen. Fast nie lässt sie uns unberührt.