Dieses Buch unterscheidet sich grundsätzlich von anderen "erotischen Tagebüchern". Catherine Millet beschreibt, wie sie mit 18, kaum das sie ihre Unschuld verloren hatte, auch schon ihre ersten Erfahrungen mit Partnertausch und Gruppensex gemacht hat. Anfangs waren es nur eine Handvoll Frauen und Männer aus ihrem engsten Freundeskreis. Nach und nach erweitert sie ihre Kreise, geht etwa mit einem Bekannten auf eine swinger-party, wo sie mit sehr vielen Halbfremden oder Fremden Sex hat. Auch wenn die treffen immer größer und exzessiver werden, verläßt sie niemals ganz das Milieu ihrer Clique/ ihres Bekannten- und Freundeskreises. Nie, wenn sie alleine war, etwa auf Geschäftsreisen, "riss" sie sich einen Mann auf. Dazu sei sie viel zu schüchtern.
Verwunderlich finde ich die Kommentare anderer Rezensenten und Kritiker, die behaupten, Millet wäre eine "sado-maso-braut". Von SM ist überhaupt nie die rede, weder von körperlicher Gewalt noch von "Sklavenspielen". Indem sich Millet auf einer Party vielen Männern hingibt, unterwirft sie sich keinem bestimmten Mann. Außerdem hatte Millet in ihrem "normalen Leben" auch dauerhafte und glückliche Beziehungen.
Warum ich das alles für wahr halte? Hätte es Millet nur darauf angelegt, eine möglichst ausschweifende Geschichte zu erzählen, sie hätte wohl alle möglichen Klischees bedient: Catherine, die Hure; Catherine, die Femme fatale; Catherine, die Verführerin; Catherine, die Grenzgängerin zwischen der High Society und der Unterwelt; usw. usw....
So entsteht aber das Bild einer attraktiven, sympathischen, intelligenten, warmherzigen Frau, die selber erstaunt ist, wie selbstverständlich Massensex in ihrem Leben ist.
Das Buch ist kein Kracher, wo eine wüste und lüsterne Szene von der nächsten noch überboten wird, sondern es ist unterhaltsam und im Plauderton geschrieben.
5* weil das Buch einzigartig ist und alle Genre-Grenzen sprengt