Die hilfreichsten Kundenrezensionen
51 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Hardcore mit Gähnfaktor, 9. April 2005
Eigentlich hatte ich dieses Buch gelesen, um die Bewertung nach oben zu setzen. Schließlich sind literarische Tabubrüche an sich ja reizvoll: man entrüstet sich, man diskutiert, und das betreffende Buch fällt auf jeden Fall auf. Und für Frivoles gebe ich auch gern einen Extra-Stern. Doch letztlich zählt für mich der Spaß beim Lesen - und der hat nur für 3 Sterne gereicht. Es ist ja bekannt, dass Catherine M., Chefredakteurin der Pariser "art press", sich nicht gerade mit Biedermann's Praktiken aufhält. Es wird extrem, für viele ekelig sogar. Dabei ist in Zeiten von "Wa(h)re Liebe" und dem inflationären Anstieg von Swingerclubs in Deutschland wahrscheinlich der massiv betriebene Gruppensex noch am normalsten. Millet hat ausgeprägte devote Neigungen, die bis in masochistische hineingehen. Dass es sie anmacht, an den verschiedensten Orten von ganzen Gruppen von Männern als Objekt benutzt zu werden, wird insbes. bei vielen Frauen auf Widerspruch stoßen. Wenn das Ganze auch noch in einem Müllwagen stattfindet, oder sie mittendrin wegen Krankheit erbrechen muss, haben wir den Tabubruch par excellence. Die Sprache ist entsprechend deutlich - es wäre nur spießig, die Dinge nicht beim Namen zu nennen. Kein Kritiker ihrer "art press" hat es lange geschafft, ihren Trieben zu widerstehen - in ihrer Person vereinigte sie buchstäblich die gesamte Pariser Künstlergilde. So weit, so Sterne, doch leider hat nun Millet ihr ganzes Buch völlig sprunghaft und unstrukturiert geschrieben. Ich fand das für eine Chefredakteurin erstaunlich: kreuz und quer wird der Leser mit Extremen konfrontiert, ohne roten Faden, ohne (literarische) Höhepunkte. Es ist toll, dass sie ihre intimsten Fantasien so offen runterschreiben kann, nur kann das z.B. eine Michaela Schaffrath ("Ich, Gina Wild") auch. Bei Millet jedoch kommt es nach spätestens 100 Seiten zu so ermüdenden Wiederholungen, das der Inhalt selbst für Hartgesottene auf Dauer monoton und langweilig wird. Dabei gibt es viele Dinge, von der Millet mehr hätte schreiben können: mehr zu ihren Beziehungen, die es ja trotz der vorherrschenden Anonymität gab. Die Master-Servant-Beziehung zu Éric. Die Organisation der Parties, die Umstände in den Parks, das Erwischtwerden uvm. - das ganze Drumherum um solch ein Leben halt. Schade, ich hatte mehr erwartet.
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27 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Was vom Traume übrig bleibt., 22. Januar 2003
Dieses Buch hat dermassen polarisierte Meinungen zutage gefördert, dass es sich eigentlich nur um ein Verständnisproblem einer der Gruppen handeln kann. Möglicher Irrtum: Dieses Buch lässt sich nicht im Hinblick auf den erotischen Reiz lesen, obwohl es nach langen Jahren an eine lange Reihe sexueller literarischer Selbstbekenntnisse anschliesst. CM jedoch fühlt, denkt und vögelt wie ein Mann, also ist es für die mei-sten Männer nicht mehr erotisch (Zumindest nicht für die, welche heterosexuell sind und ein Buch lesen können. Für die Homosexuellen kann ich nicht sprechen, aber ich denke, da verhält es sich ähnlich, wenn auch aus anderen Gründen.). Für die Frauen versprühen die Berichte Millets wohl auch eher eine Erotik, für die man in den Keller geht. Da kann ich mich täuschen, aber wer will beim Aufstellen von Thesen schon nach Einschränkungen suchen. Insofern erübrigen sich die Fragen, ob und inwieweit das Buch erotisch ist, ob es antörnend oder anwidernd wirken soll, ob es zu Recht einen Skandal gibt oder nicht. Alles was Millet beschreibt, liest sich ohne eine Absicht: das Klinische , das Ver-ruchte, das Exzessive, die Lust. Im Grunde hat sie über Jahrzehnte Penetration und Fellatio am Fliessband betrieben, sexuell nach der linken auch die rechte Wange hingehalten (Deutlicher darf man sich hier wohl nicht ausdrücken ...) und versucht mit diesem Buch, egozentrische Verhaltensmuster und Besonderheiten in Ihrer Vergan-genheit zu erkennen. So normal, wie Ihr selbst Ihre Orgien (Wer ist es, wie viele sind es?) und Tischopfer („Die aktive Spinne in der Mitte Ihres Netzes") erscheinen, kommt der Bericht wie selbstverständlich daher. Wenn man alle Kritik und Sensationslust aussen vor lässt, sich sozusagen jungfräu-lich an die Lektüre macht, wird man sehen, dass es sich einzig um den mutigen Be-richt einer Frau handelt, die beruflich und sozial fest im Leben steht, in Ihrer sexuel-len Neigung (aber) dem Marquis de Sade in Sachen Hingabe mehr als gefallen hätte. Oder vielleicht gerade wegen der Hingabe nicht. Ihre Hingabe ist das, was man am wenigsten zu verstehen mag, egal, von welcher Seite man sie (die Hingabe) betrachtet.
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46 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sternstunde der erotischen Literatur!, 22. Juli 2006
Dieses Buch unterscheidet sich grundsätzlich von anderen "erotischen Tagebüchern". Catherine Millet beschreibt, wie sie mit 18, kaum das sie ihre Unschuld verloren hatte, auch schon ihre ersten Erfahrungen mit Partnertausch und Gruppensex gemacht hat. Anfangs waren es nur eine Handvoll Frauen und Männer aus ihrem engsten Freundeskreis. Nach und nach erweitert sie ihre Kreise, geht etwa mit einem Bekannten auf eine swinger-party, wo sie mit sehr vielen Halbfremden oder Fremden Sex hat. Auch wenn die treffen immer größer und exzessiver werden, verläßt sie niemals ganz das Milieu ihrer Clique/ ihres Bekannten- und Freundeskreises. Nie, wenn sie alleine war, etwa auf Geschäftsreisen, "riss" sie sich einen Mann auf. Dazu sei sie viel zu schüchtern. Verwunderlich finde ich die Kommentare anderer Rezensenten und Kritiker, die behaupten, Millet wäre eine "sado-maso-braut". Von SM ist überhaupt nie die rede, weder von körperlicher Gewalt noch von "Sklavenspielen". Indem sich Millet auf einer Party vielen Männern hingibt, unterwirft sie sich keinem bestimmten Mann. Außerdem hatte Millet in ihrem "normalen Leben" auch dauerhafte und glückliche Beziehungen. Warum ich das alles für wahr halte? Hätte es Millet nur darauf angelegt, eine möglichst ausschweifende Geschichte zu erzählen, sie hätte wohl alle möglichen Klischees bedient: Catherine, die Hure; Catherine, die Femme fatale; Catherine, die Verführerin; Catherine, die Grenzgängerin zwischen der High Society und der Unterwelt; usw. usw.... So entsteht aber das Bild einer attraktiven, sympathischen, intelligenten, warmherzigen Frau, die selber erstaunt ist, wie selbstverständlich Massensex in ihrem Leben ist. Das Buch ist kein Kracher, wo eine wüste und lüsterne Szene von der nächsten noch überboten wird, sondern es ist unterhaltsam und im Plauderton geschrieben. 5* weil das Buch einzigartig ist und alle Genre-Grenzen sprengt
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