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Das selbstbewusste Gehirn. Perspektiven der Neurophilosophie [Gebundene Ausgabe]

Erhard Oeser
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Kurzbeschreibung

1. Februar 2006
Durch die bahnbrechenden Entwicklungen in den Neurowissenschaften hat sich unser Menschenbild verändert. Nicht nur Schmerz und Freude kann der Neurologe im Gehirn ›sehen‹, sondern auch moralische Entscheidungen und sogar religiös-mysthische Erfahrungen. Mit der Neurophilosophie ist zum ersten Mal ein wirklicher Brückenschlag zwischen Körper und Geist gelungen. Durch unterschiedliche Blickwinkel der einzelnen Wissenschaften kommen wir zu ganz unterschiedlichen Auffassungen über den Geist und den freien Willen des Menschen. Oeser macht deutlich, dass wir unser Gehirn nicht als bloßen »Nervenkomplex« verstehen dürfen, sondern auch als Generator von geistig-moralischen Prozessen. Dieses Verständnis ist die Grundlage des modernen Menschenbildes.

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 219 Seiten
  • Verlag: Wissenschaftliche Buchgesellschaft; Auflage: 1., Aufl. (1. Februar 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3534190688
  • ISBN-13: 978-3534190683
  • Größe und/oder Gewicht: 22,4 x 15,4 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 429.949 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Über den Autor

Erhard Oeser, geb. 1938, ist emeritierter Professor für Philosophie und Wissenschaftstheorie der Naturwissenschaften an der Universität Wien und Vorstand des Institutes für Wissenschaftstheorie. Er erhielt 2006 den Eugen Wüster Sonderpreis für Terminologie-Forschung.

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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen anregend, ambitioniert und unscharf 25. Januar 2007
Format:Gebundene Ausgabe
Die Frage nach der Willensfreiheit galt über sehr lange Zeit als ein rein philosophisches Problem. Durch den Fortschritt in den Neurowissenschaften scheint die Erforschung von Willen und Freiheit der empirischen Untersuchung zugänglich geworden zu sein. Manch renommierter Bewusstseinsforscher geht sogar soweit, dem Menschen die Entscheidungsfreiheit vollständig abzusprechen und ihn quasi als Marionette seiner Basalganglien zu betrachten. Was folgt nun aus der Tatsache, dass das Gehirn seine Wahl zur Entscheidung über ein bestimmtes Verhalten bereits getroffen hat, bevor ihm dies bewusst wird? Wie weit geht die Wahlfreiheit des Menschen? Mit diesen Fragen setzt sich Oeser auseinander. Philosophiegeschichtliche und neurobiologische Argumente kommen hierbei genauso zu Wort, wie evolutionstheoretische oder linguistische und ästhetische.

Der Ehrgeiz des Autors, aus den verschiedenen Ansätzen zu einem kohärenten Verständnis der Funktionsweise des Bewusstseins zu kommen ist die Stärke des Buchs, insoweit es gelingt, für den dynamischen Charakter des Bewusstseins zu plädieren und Argumente gegen einen neurophysiologischen Reduktionismus zu liefern.
Gleichzeitig offenbart sich hierin jedoch auch ein klarer Schwachpunkt: Es kommt leider einige Male vor, dass der Autor dem Leser eigene Philosophierereien als fachwissenschaftliche Erkenntnis verkaufen will, so wenn er z.B. die 'primitive Sprache der Buschmänner' mit dem Frühstadium der menschlichen Sprachevolution identifiziert. Diese Naivität kommt nicht zuletzt daher, dass er zum Verhältnis von Tierkommunikation und Sprache fast ausschließlich das zwar verdienstvolle aber auch schon fast 50 Jahre alte Werk zur Tiersprache von Friedrich Kainz konsultiert. Außerdem hat er die unangenehme Tendenz, den Leser nicht über die empirischen Belege für seine Thesen zu informieren. Stattdessen zitiert er lieber aus eigenen früheren Veröffentlichungen, die allerdings auch eher philosophisch- referierender Natur sind. Mitunter erscheint es, als würde hier zusammengelesenes Allgemeinwissen mit Allerweltsweisheiten kombiniert und durch gelegentliche Berufung auf mehr oder weniger zuständige Experten wissenschaftstheoretisch aufgemöbelt. Man wird den Eindruck einer gewissen Unschärfe beim Lesen nicht los. Das mag an dem bedeutungsarmen Technokratenslangs liegen: Ständig werden modale Repräsentationen in irgendeinem Mechanismus verarbeitet, gewichtet verglichen usw.

Wenn einen das nicht stört und man nach einem theoretischen Ausweg aus der Homunculusfalle sucht, in die jede reduktionistische Position früher oder später gerät, kann einen das Buch argumentativ aufrüsten. Zudem erfährt man bei der Lektüre quasi nebenbei, dass die philosophischen Positionen der modernen Wissenschaftler nicht selten schon längst vorweggenommen wurden.

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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Neues aus dem Alltag einer Zwangsehe 8. September 2006
Von Fuchs Werner Dr #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Philosophen müssen sich mit Hirnforscher abgeben, Hirnforscher mit Philosophen. Ob sie das wollen oder nicht. Einerseits war die klassische Philosophie schon immer mit der experimentellen Hirnforschung verbunden, andererseits müssen Neurowissenschaften die naturwissenschaftliche Beschreibungsebene zwingend verlassen, wenn es um Fragen geht, wie Verhalten gesteuert wird. Wer in seinem Fachgebiet nicht nur Elfenbeinturmwissen produzieren will, muss also in fremden Betten schlafen. So viel steht nach der Lektüre von Oesers glänzender Zusammenfassung des gegenwärtigen Diskussionsstandes fest.

Da die wissenschaftliche Buchgesellschaft den Modernisierungsschub im Verlagswesen nur sehr moderat mitmacht, sucht man vergeblich Portraits ihrer Autoren. Also machte ich einen Ausflug ins Internet, sah einen gut aussehenden bald 70jährigen Mann mit gepflegter, fein gestutzter Barttracht und einem Blick, als müsste er das Gewicht der Welt tragen. Ein Philosoph also. Doch die Auflistung seiner Tätigkeiten, Ämter und Publikationen revidierte die Vorstellung eines kauzigen Eremiten. Der Autor steht mitten im Leben, beschäftigt sich mit Katzen und Hunden, Wissenschaftsgeschichte, Juisterei und dem Dasein des Menschen. Und mit Neurologie. Gute Voraussetzungen, um uns Substanzielles über das Zusammenleben von Philosophen und Hirnforschern zu sagen.

Das Buch ist in 14 Kapitel eingeteilt, wobei das letzte den Weg zu einem neuen Menschenbild aussteckt. Und darum geht es letztlich. Schritt für Schritt müssen wir uns von alten Vorstellungen lösen, wenn wir weiterhin an der Arbeit der Wissenschaftler teilhaben wollen. Erhard Oeser geht systematisch vor, um diesen Abschied zu erleichtern. Nachdem er seinen Lesern im ersten Kapitel Ergebnisse und Ausblicke der gegenwärtigen Hirnforschung aufzeigt, bietet er ihnen zwölf Blickwinkel, die man beim Betrachten des Gehirns einnehmen kann. So erfahren wir, auf welchem Hintergrund die Lehren vom körperlosen Geist, geistlosen Gehirn und neuronalen Geist beruhen, was maschinelle Intelligenz bedeutet, wie sich das Gehirn entwickelt und dass der Geist nicht vom Himmel fiel. Wir stellen fest, dass wir nicht allein auf dieser Welt sind und ein Verstehen unserer Haustiere möglich ist. Die linguistische Perspektive liefert Zusammenhänge zwischen Gehirn und Sprache, die ästhetische diejenigen von Gehirn und Kunst. Das Kapitel über den freien Willen bereitet dann den Boden vor, um rechtsphilosophische Aspekte besser zu verstehen. Und bevor Erhard Oeser das Schlussfeuerwerk zündet, teilt er uns mit, dass das Gehirn keine gottverlassene Gegend ist.

Unter den zahlreichen Publikationen, die vom Grenzgebiet Neurologie und Philosophie berichten, möchte ich die von Erhard Oeser besonders empfehlen. Es braucht zwar auch bei ihm ein gewisses Vorwissen, aber er begnügt sich mit dem gängigen Fachvokabular der beiden Disziplinen. Und er ist sich nicht zu schade, dem besseren Verständnis zuliebe, seine Gedanken klar zu strukturieren, in eine Form zu giessen, Ungerades auch mal stehen zu lassen. Schade nur, dass im Buch nicht noch mehr Illustrationen zu finden sind, ist doch die Auswahl ziemlich speziell. Die Literaturangaben sind auf dem neusten Stand, und ein Register erleichtert das Auffinden bestimmter Stellen.

Mein Fazit: Ein zwar relativ teures, aber sehr empfehlenswertes Buch zu Fragestellungen, die uns in den nächsten Jahren noch mehr beschäftigen werden, als sie es heute schon tun. Da der Autor bei seinen Überlegungen verschiedene Perspektiven einnimmt, ergibt sich am Schluss ein bunter Teppich, der zum Betreten einlädt und zu einen Raum führt, in dem wir selber der Mittelpunkt sind.
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