Der Roman ,Das schwarze Pulver von Meister Hou' hat alles, was ein Krimi haben muss: Mord und eine ganze Reihe sonstiger Verbrechen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Schöne Frauen mit geheimnisvoller Vergangenheit, Sonderlinge und ganz normale Menschen sorgen für ein Menge verworrener Beziehungen. Dazu kommen Actionszenen und Show-downs und natürlich ein Schuss Gesellschaftskritik. Außerdem ein paar philosophische Dispute über die ,Kräfte, die die Welt zusammenhalten'. Fast jeder ist einmal verdächtigt und am Schluss ...
Die Autorin, eine in Frankreich lebende Vietnamesin, schreibt eine spannende und in sich logische Kriminalgeschichte, die sie ins ferne Dai Viet (dies ist der alte Name Vietnams) und ein paar Jahrhunderte in die Vergangenheit verfrachtet.
Da der Roman im 17. Jahrhundert im Norden Vietnams in Gebiet der Ha Long Bucht spielt, ist der ,Kommissar' ein junger Mandarin mit Namen Tân. Er jagt - ähnlich wie die zeitgemäßen Kommissare zielstrebig und ohne Familienleben - Verbrecher und zudem noch Geister und Untote. Rauschgift und Alchemie kreuzen dabei seine Wege. Das sorgt für die richtige Spannung. Der heraufziehende Kolonialismus ist der politische und gesellschaftliche Background der Geschichte. Die dazu gehörenden Fakten sind ordentlich recherchiert und gut in die Handlung eingebettet. Interessant und lesenswert sind auch einige Diskussionen der Haupthandelnden über Wissenschaft, Aberglaube, Taoismus, Konfuzianismus, Mohismus und das Christentum in der Zeit des 17. Jahrhunderts.
Leider reichen diese Zutaten nicht aus, um wirklich ein historisches Lokalkolorit aufkommen zu lassen. Die Beschreibungen von politischen, sozialen und familiären Beziehungen bleiben zu oberflächlich. Hinderlich für eine Identifikation mit einem ,alten' Vietnam sind überdies die europäisierten Namen der Handelnden. Nur Tân, der Mandarin, sein Freund Dinh und einige Nebenrollen tragen einen vietnamesischen Namen. Die andern heißen Madam Eisenhut, Frau Libelle, Herr Clemens oder Doktor Porc - dies nimmt dem Krimi seinen vietnamesischen Reiz. Ein paar Landschaftsbeschreibungen, die über das Niveau kurzer Reisebuchformulierungen nicht hinausgehen, können dies auch nicht ausgleichen.
Wer einen spannenden Krimi mit exotischem Flair sucht, wird trotzdem auf seine Kosten kommen.