Mit „Das schwarze Grab“ bringt Conrath seinen zweiten Saarland-Krimi, beide im Emons Verlag erschienen, heraus.
Dass dieses zweite Buch zu gewissen Stücken auf dem ersten aufbaut, wird schon früh deutlich; viele der agierenden oder genannten Personen werden etwas flüchtig abgehandelt, die jeweiligen Beschreibungen – und seien es nur charakterliche Züge – sind extrem kurz und machen es dem Leser nicht leicht, sich zurechtzufinden. Selbiges gilt auch für den Protagonisten, Kriminalhauptkommissar Martin Bremer, jedoch nicht in der massiven Form, wie es bei anderen Charakteren getan wird. Störend, weil wenig ausgearbeitet, zeigen sich Bremers private Verwicklungen, denen entweder mehr oder gar kein Platz hätte eingeräumt werden sollen. Auch die Fülle an Namen ist unübersichtlich, bedenkt man die knappe Abhandlung der Figuren; man erfährt bei der Einführung der Person, wie sie heißt und was sie tut, aber meist bleibt es bei diesen kurzen Informationen, die auch nur selten wiederholt werden.
Auch, was die Beschreibung der Örtlichkeiten angeht, lässt Conrath seinen Leser mehrmals allein. Nicht selten ist es eine regelrechte Suche nach kleinen Informationen, die es ermöglichen, sich ein besseres Bild von den Vorkommnissen zu machen und sich besser in die Situationen hineinzudenken. Das ist mitunter störend, wenn es darum geht, eine angemessene Atmosphäre zu schaffen und Spannung aufzubauen. Vor allem die Welt des Bergbaus wird einem unwissenden Leser eher unzureichend erläutert; nur Kenner werden sich ein rechtes Bild machen können von Maschinen, Örtlichkeiten und Fachausdrücken.
Wenn es zum großen Finale geht, erreicht Conrath endlich die bisher vermisste Erzeugung von Spannung, denn das Ende konzipiert der Autor abgehackt aus den Perspektiven verschiedener involvierter Personen und in kleinen Abschnitten, sodass eine atemlose, gehetzte Atmosphäre gut zur Geltung kommt.
Auch ist der Krimi exzellent recherchiert. Fachwörter werden präzise eingesetzt, reale Verhältnisse und Probleme geschickt in die fiktive Handlung gebettet, die durchaus erschreckend möglich wäre, zumindest was die Intentionen der gegnerischen Seiten anbelangt. Mit liebevollem Lokalkolorit vermischt, besticht die Geschichte vor allem durch die Nähe zur Realität. Jeder, der sich auch nur ansatzweise mit der Problematik des Bergbaus – Problematik sowohl für Bergmänner als auch für Bergbaugegner – auseinandergesetzt hat, insbesondere im Saarland, erkennt viele Wahrheiten in Conraths Roman und wird von der Detailfreude und den intelligenten Mutmaßungen und Weiterführungen des Autors erfreut sein.
Insgesamt ein guter Krimi, der sich durch bruchstückhafte und damit authentisch anmutende Ermittlungen sowie herrlichen Lokalkolorit auszeichnet, jedoch an zu wenigen Beschreibungen zur Herstellung von Atmosphäre krankt.