Auch Kureishis zweiter Roman nach dem "Buddha aus der Vorstadt", "Das schwarze Album", spielt an der Schnittstelle zweier Welten: zwischen pakistanischer Community und Popkultur, oder besser Subkultur. Der Protagonist des Buches, Shahid Hasan, gerade an die Universität gekommen, befindet sich auf der Suche nach sich selbst. Wie schon im "Buddha" gleicht auch Shahids Weg durch die Welt(en) mehr einem Stolpern, einem Schlingerkurs, denn einem geradlinigen Weg. Der Hauptkonflikt im "Schwarzen Album" ist der zwischen Fundamentalismus und Liberalismus; der eine Pol wird repräsentiert durch eine Islamistengruppe um Shahids Zimmernachbarn Riaz, der andere durch die Dozentin Deedee Osgood, in die sich Shahid verliebt, und die ihn in die Londoner Pop-Subkultur der beginnenden Neunziger mit Drogen, Sex und illegalen Raves einführt. Der Konflikt, die Zerrissenheit, ist dabei keineswegs so simpel, wie es hier in Kurzform klingen mag; auf der einen Seite fühlt sich Shahid zu den Islamisten hingezogen, weil er ihren Einsatz für die "einfachen Leute" schätzt und Verständnis für seine Situation im feindseligen England findet, andererseits hat er Schwierigkeiten mit dem Absolutheitsanspruch der Gruppe und ihrer strikten Ablehnung des westlichen Hedonismus. Zusammen mit verschiedenen Nebenfiguren entwickelt sich für Shahid im Verlauf des Romans eine ganze Reihe von Loyalitätskonflikten, die dramatische Zuspitzung der Hauptkonfliktlinie ist die Verbrennung von Salman Rushdies "Satanischen Versen" auf dem Campus und die direkte Konfrontation von Deedee Osgood mit den Islamisten. "Das schwarze Album" fängt mit bewundernswerter Authentizität das subkulturelle "Feeling" der beginnenden 90er ein. Dazu kommt Kureishis Gabe, durch die Überspitzung, das Absurde, ja Groteske, Shahids Reise durch die Zwischenwelten zu einem höchst vergnüglichen Lesespaß werden zu lassen. Kureishi at his best! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)