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20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Fundiert , 10. August 2006
Wissenschaftlich fundiert gewährt uns Toprak einen tiefen Einblick in eine in sich abgeschottete kleine Welt inmitten unserer Gesellschaft, die wesentlich durch starre patriarchalische Strukturen, Gewalt, Menschenverachtung und vor allem durch massive Frauenverachtung gekennzeichnet ist - einen Einblick, der für den Leser/die Leserin schwer erträglich ist.
Nahezu deckungsgleich sind die Erzählungen der interviewten Männer geprägt von der Ablehnung des Werte- und Normensystems der Aufnahmegesellschaft und: Gewalt! Gewalt in der eigenen Erziehung, Gewalt des Vaters gegenüber der Mutter, die gewalttätige Erziehung der eigenen Kinder und die selbstverständliche Gewaltausübung gegenüber der Ehefrau, die in allen beschriebenen Fällen auch Vergewaltigung impliziert. Ein Unrechtsbewusstsein der interviewten Männer ist nicht spürbar. Es erscheint so unvorstellbar, dass man als Leser/in versucht ist, die Interviewpartner Topraks als bedauerliche Einzelfälle hinzustellen. Dennoch: Toprak beschreibt das Normen- und Wertesystem von türkischen Familien, die die ländlich-traditionellen Werte der Herkunftsgesellschaft konserviert haben und ihr Leben auch in der Aufnahmegesellschaft danach ausrichten, und es handelt sich insofern nicht um eine Minderheit, als die meisten türkischen Migrantenfamilien aus eben diesen ländlichen Gegenden der Türkei emigriert sind.
Die Darstellungen Topraks verdeutlichen, wie schwierig es ist, ein derart starr strukturiertes Kollektiv zu integrieren, ja, überhaupt für Integrationsmaßnahmen zu erreichen. Die monokausale Erklärung Topraks, der diese Missverhältnisse allein in sozio-ökonomischen Faktoren begründet sieht, greift jedoch meines Erachtens zu kurz, da hier der unkontrollierte Familiennachzug, die Aushebelung des Stopps des Familiennachzugs durch arrangierte Ehen und der dadurch ermöglichte Wiederaufbau des engmaschigen, alles kontrollierenden familiären Gebildes auch eine wesentliche Rolle spielt.
Abschließend kann jedenfalls zu diesem Buch gesagt werden: Harter Tobak, aber absolut empfehlenswert für Menschen, die sich mit dem Thema Migration beschäftigen.
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45 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Hintergründe - vielschichtig aufgedeckt!, 16. Dezember 2005
Der Titel „Das schwache Geschlecht – die türkischen Männer“ mag vordergründig zunächst irritieren und gewagt sein; bei näherer Betrachtung aber und dem Aufdecken von Widersprüchen, Irrtümern und so mancher Doppelmoral wird klar erkennbar, dass die vermeintlichen Stärken so mancher türkischer Männer in Wirklichkeit eher Schwächen sind.Die Gründe hierfür zeigt der erfahrene Pädagoge, Wissenschaftler und Autor Ahmet Toprak sehr fundiert auf. Für das Buch hat er u.a. fünfzehn in Deutschland zwischen 1964 und 1982 geborene türkische Männer interviewt und auf ihre Beweggründe hinsichtlich der Verheiratung mit muslimischen Frauen aus der Türkei befragt. Ahmet Toprak stellt zunächst acht der interviewten Männer hinsichtlich ihres familiengeschichtlichen und biographischen Hintergrundes vor und gibt dann ihre Stellungnahmen - zum Teil zitiert – zu den Themen „Eheschließung“, „Soziale Kontakte“, „Motive für die Eheschließung“, „Geschlechterrollen“, „(sexualisierte) Gewalt“ und „Wert der Ehre“ zusammenfassend wieder. Diese 50 Seiten erhellen die Lebensläufe einiger weniger türkischer Männer, ermöglichen aber eine realistischere Einschätzung, welche Aspekte im Leben von Menschen mit Migrationhintergrund eine besondere Bedeutung haben. Auch wenn der Autor immer wieder betont, wie subjektiv die Auswahl dieser Männer ist und dass viele türkisch stämmige Männer auch andere Ansichten vertreten, wird doch die elementare Bedeutung von Geschlecht, Ehre, Religion und Kultur überaus deutlich. Die Authentizität der Interviews wird sicherlich auch durch den Umstand verstärkt, dass Ahmet Toprak selbst über einen besonderen Migrationhintergrund verfügt und die Interviews zum Teil in der Muttersprache führen konnte. Nach diesen aufschlussreichen Essenzen der Interviews führt der Autor auf 100 Seiten eine sehr fundierte Diskussion der wichtigsten Ergebnisse. Immer wieder lässt er seine besondere Kenntnis der türkischen Kultur einfließen und vermittelt den Leserinnen und Lesern somit eine hervorragende Grundlage, Vorder- und Hintergründe des Lebens und Verhaltens türkischer Männer und Frauen genauer zu reflektieren. Zum Teil Bekanntes, aber wohl überwiegend neuere Erkenntnisse erwarten einen hinsichtlich der Bedeutung von Ehe und Familie. Dass sich das Familienbild und die Bedeutung der Ehe grundlegend von demjenigen der deutschen Kultur unterscheidet wird immer wieder verdeutlicht. Rechtliche, religiöse, kulturelle, familiäre, geschlechtsrollenspezifische Aspekte werden sehr kenntnisreich aufgegriffen und in einer überaus verständlichen Sprache vermittelt. Welche Rituale haben welche Bedeutung? Wie erfolgt die Familienzusammenführung? Welche Rechte werden wem in der Familie zugestanden? Wie erfolgt die innerfamiliäre Kommunikation? Welche Gewaltformen spielen welche Rollen? Welche Unterscheidung ist zwischen arrangierter und Zwangsehe zu treffen? Diese Fragen werden sehr hilfreich beantwortet. Gesondert eingefügte Exkurse zur Rolle von Sunniten, Aleviten, zum Gesundheitssystem, zur Doppelmoral der Ehre und zur innerfamiliären Kommunikation vertiefen die Ausführungen. Zudem helfen die Ausführungen zur Sexualität die Umgangsweisen von Frauen und Männern zu verstehen. Dieser Band ist sehr kompakt und ernüchtert hinsichtlich der bisher erfolgten Integrationsbemühungen. Doch Toprak bleibt nicht allein bei der durchaus kritischen Einschätzung von Zwangsehe, sondern zeigt im dritten, wenn auch leider kurz geratenen Teil seines Buches auf, welche kurz- und langfristigen Anstrengungen unternommen werden müssen, um eine Enttabuisierung der Zwangsehe zu erzielen und die Integration der türkischen Frauen und Männer voranzutreiben. Die Papierqualität des Buches ist zwar der so außerordentlich konstruktiv geführten Behandlung der Thematik nicht angemessen, dennoch ist zu wünschen, dass sich dieses Buch zur Standardlektüre aller entwickelt, die mit Menschen zu tun haben, welche einen besonderen türkisch-kulturellen Bezug haben, sei es als Erzieherin, Lehrer/-in, im beratenden Kontext oder aber auch auf der politischen Ebene. Bei einer Überarbeitung der Auflage wäre es unbedingt auch angezeigt, eine geographische Karte der Türkei zum besseren Verständnis beizufügen und die hilfreichen Internethinweise nicht nur im Text anzuführen, sondern in einem ausführlicheren Anhang darzulegen. Im Gesamten eine ergreifende Lektüre, die vielfältige Hintergründe aufgreift und in dieser Form eine einzigartige Lektüre zum Verständnis der türkischen Menschen in Deutschland darstellt für ein Zusammenleben, das Toleranz und nicht tolerierbare Denk- und Verhaltensweisen ausgewogen aufzeigt!
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
fundiert überarbeitete 2. Auflage - ein neuer Klassiker für Migrationshintergründige, 17. März 2007
Meiner Besprechung zur ersten Auflage ist wenig hinzuzufügen. Auch nachdem Monate seit dem ersten Lesen des Buches vergangen sind, ist das Buch noch gut in Erinnerung und alltagspräsent. Die sehr gut nachvollziehbaren Fallbeispiele, die deutliche und offene Sprache sowie die ausgesprochen gute Darstellung der Hintergründe für Zwangsheirat, häusliche Gewalt und die - für westlich orientierte Menschen - seltsame Verwendung des Ehrbegriffes verhelfen zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Leben türkisch stämmiger Menschen in Deutschland.
Bei der Neuauflage des Buches wurde die Druck- und Papierqualität wesentlich verbessert und auch eine Karte der türkischen Provinzen aufgenommen. Bei dieser Karte sind zwar nicht alle einzelnen Namen gut erkennbar, dennoch vermag sie auch die Herkunftsregionen der Personen aus den Fallbeispielen zu verdeutlichen. Die zusammenfassende Aufnahme der weiterführenden Internetseiten ist für weitere Recherchen sehr hilfreich.
Das sorgfältige Vorwort zur zweiten Auflage, verfasst vom Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte, Heiner Bielefeldt, ordnet das Buch in die jüngere politische Auseinandersetzung um Zwangsverheiratung, arrangierten Ehen und verschiedenen strafrechtlichen und bildungspolitischen Optionen ein.
Auch für die zweite Auflage bleibt als Resümee festzuhalten:
hier ist ein Klassiker für alle, die neben dem Vordergründigen auch die Hintergründe für Verhaltensweisen und Denkmuster türkisch stämmiger Menschen erfahren möchten.
Zur vollständigen Information schließe ich hier in Auszügen meinen Text, der sich auf die erste Auflage bezieht, an:
Der Titel Das schwache Geschlecht - die türkischen Männer" mag vordergründig zunächst irritieren und gewagt sein; bei näherer Betrachtung aber und dem Aufdecken von Widersprüchen, Irrtümern und so mancher Doppelmoral wird klar erkennbar, dass die vermeintlichen Stärken so mancher türkischer Männer in Wirklichkeit eher Schwächen sind.
Die Gründe hierfür zeigt der erfahrene Pädagoge, Wissenschaftler und Autor Ahmet Toprak sehr fundiert auf.
Für das Buch hat er u.a. fünfzehn in Deutschland zwischen 1964 und 1982 geborene türkische Männer interviewt und auf ihre Beweggründe hinsichtlich der Verheiratung mit muslimischen Frauen aus der Türkei befragt.
Ahmet Toprak stellt zunächst acht der interviewten Männer hinsichtlich ihres familiengeschichtlichen und biographischen Hintergrundes vor und gibt dann ihre Stellungnahmen - zum Teil zitiert - zu den Themen Eheschließung", Soziale Kontakte", Motive für die Eheschließung", Geschlechterrollen", (sexualisierte) Gewalt" und Wert der Ehre" zusammenfassend wieder.
Diese 50 Seiten erhellen die Lebensläufe einiger weniger türkischer Männer, ermöglichen aber eine realistischere Einschätzung, welche Aspekte im Leben von Menschen mit Migrationhintergrund eine besondere Bedeutung haben.
Auch wenn der Autor immer wieder betont, wie subjektiv die Auswahl dieser Männer ist und dass viele türkisch stämmige Männer auch andere Ansichten vertreten, wird doch die elementare Bedeutung von Geschlecht, Ehre, Religion und Kultur überaus deutlich.
Die Authentizität der Interviews wird sicherlich auch durch den Umstand verstärkt, dass Ahmet Toprak selbst über einen besonderen Migrationhintergrund verfügt und die Interviews zum Teil in der Muttersprache führen konnte.
Nach diesen aufschlussreichen Essenzen der Interviews führt der Autor auf 100 Seiten eine sehr fundierte Diskussion der wichtigsten Ergebnisse. Immer wieder lässt er seine besondere Kenntnis der türkischen Kultur einfließen und vermittelt den Leserinnen und Lesern somit eine hervorragende Grundlage, Vorder- und Hintergründe des Lebens und Verhaltens türkischer Männer und Frauen genauer zu reflektieren.
Zum Teil Bekanntes, aber wohl überwiegend neuere Erkenntnisse erwarten einen hinsichtlich der Bedeutung von Ehe und Familie. Dass sich das Familienbild und die Bedeutung der Ehe grundlegend von demjenigen der deutschen Kultur unterscheidet wird immer wieder verdeutlicht. Rechtliche, religiöse, kulturelle, familiäre, geschlechtsrollenspezifische Aspekte werden sehr kenntnisreich aufgegriffen und in einer überaus verständlichen Sprache vermittelt.
Welche Rituale haben welche Bedeutung? Wie erfolgt die Familienzusammenführung? Welche Rechte werden wem in der Familie zugestanden? Wie erfolgt die innerfamiliäre Kommunikation? Welche Gewaltformen spielen welche Rollen? Welche Unterscheidung ist zwischen arrangierter und Zwangsehe zu treffen?
Diese Fragen werden sehr hilfreich beantwortet. Gesondert eingefügte Exkurse zur Rolle von Sunniten, Aleviten, zum Gesundheitssystem, zur Doppelmoral der Ehre und zur innerfamiliären Kommunikation vertiefen die Ausführungen.
Zudem helfen die Ausführungen zur Sexualität die Umgangsweisen von Frauen und Männern zu verstehen.
Dieser Band ist sehr kompakt und ernüchtert hinsichtlich der bisher erfolgten Integrationsbemühungen. Doch Toprak bleibt nicht allein bei der durchaus kritischen Einschätzung von Zwangsehe, sondern zeigt im dritten, wenn auch leider kurz geratenen Teil seines Buches auf, welche kurz- und langfristigen Anstrengungen unternommen werden müssen, um eine Enttabuisierung der Zwangsehe zu erzielen und die Integration der türkischen Frauen und Männer voranzutreiben.
Es ist zu wünschen, dass sich dieses Buch zur Standardlektüre aller entwickelt, die mit Menschen zu tun haben, welche einen besonderen türkisch-kulturellen Bezug haben, sei es als Erzieherin, Lehrer/-in, im beratenden Kontext oder aber auch auf der politischen Ebene.
Im Gesamten eine ergreifende Lektüre, die vielfältige Hintergründe aufgreift und in dieser Form eine einzigartige Lektüre zum Verständnis der türkischen Menschen in Deutschland darstellt für ein Zusammenleben, das Toleranz und nicht tolerierbare Denk- und Verhaltensweisen ausgewogen aufzeigt!
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