Ich muss im Nähkästchen anfangen.
Hoffmanns Schaffen verfolge ich seit 30 Jahren. Mit 13 auf Hoffmann zu stossen ist schon 'ne Herausforderung, da versteht man ja noch nicht alles.
Neulich bin ich ne Woche durch Berlin gelaufen und hatte immer irgendwie immer Klaus auf den Ohren (mp3-player), besonders natürlich sein Berlin-Album, rechtzeitig neu entdeckt zu meiner Fahrt. Ist schon erhebend, wenn man mit der U-Bahn unterm Spittelmarkt durchfährt und sich an Klaus erinnert, an diese eine Zeile ...
Heute also ist die CD 'Das süße Leben' bei mir angekommen. Ich hab sie gleich gerippt und nun einmal durchgehört. Was sehr angenehm auffällt, ist der jazzig-smoothige Klang, der sich wohltuend vom Brel der letzten Jahre (der auch auf einige andere CDs durchschlug) abhebt. Nicht, dass ich den Brel/Hoffmann nicht mag, nein, er ist mir in den Jahren sehr lieb geworden. Aber alleine der Umstand, dass Klaus Hoffmann auf dieser CD alle Register zieht, die er ziehen kann, gleicht einem Juwel in diesem fortgeschrittenen Herbst.
Es finden sich Anklänge und Textpassagen an alte Lieder, ohne dass das peinlich wirkt. Im neuen Gewand sind die Anklänge sogar sehr passend, wirken geradezu fortschrittlich.
Angekommen.
So habe ich diese Rezension überschrieben.
Es ist ein mehrfaches Angekommen-Sein.
Die CD ist bei mir physisch und haptisch angekommen.
Die CD ist akustisch bei mir angekommen.
Die Inhalte kommen bei mir an (das ist ein Prozess, der sicher wieder Jahre bis zur Vollendung dauert).
Aber Klaus Hoffmann ist einmal mehr wieder bei sich angekommen, ein Hoffmann, der in sich ruht, der abgeklärt Vergangenheit und Zukunft besingt, der aus einer wunderbaren Position seine ureigenste Sicht auf die kleinen und größeren Dinge vertextet und vertont.
Gelegentlich bei diesem ersten Hören ertappe ich mich bei der Frage, ob dieses Album nicht auch eine Zusammenfassung seines Schaffens ist. Aber die Frage stelle ich mir seit 'Melancholia' eigentlich jedes Mal und bewundere sehr, wie er das Junge-Sein immer wieder thematisiert. In so vielen Facetten. Nicht alleine wegen des wunderbaren Duetts bei 'Der Junge und das Meer', aber auch deswegen. Es ist nach zweimaligen Hören mein absoluter Ohrwurm und damit ebenbürtig dem wunderbaren 'Schenk mir diese Nacht' mit Reinhard Mey.
Für die CD gilt: Wunderbare Texte, wunderbare, passende Musik, ein Album für den Goldschrank. Klaus ist angekommen. In jeglicher Hinsicht.
Ich weiss allerdings nicht, ob ein Mensch, der Hoffmann nicht aus der Tradition herauskennt, mit diesem Album zurecht kommen will. Können kann er schon. Es ist sehr eigenständig und ich denke, es weckt Lust auch auf den früheren Hoffmann.
Und: Seit er mit Malene verheiratet ist, singt er tatsächlich nicht mehr so trauriges Zeug (Querverweis für Kenner)