Lina Kaufmeister ist eine tolle Frau. Sie hat eine scharfe Zunge und einen scharfen Verstand, managt den Haushalt ihres (ehr-)geizigen Bruders, kann schneidern und hat ein grosses Herz. Es gibt da nur ein Manko: sie hat ein Hüftleiden, hat deswegen nicht geheiratet und ist für damalige Verhältnisse eine alte Jungfer (35). Dadurch steht sie nach dem Tod ihres Vaters unter der Vormundschaft ihres Bruders. Eben dieser will ihr ihren Traum, auf eigenen Füssen zu stehen, gegen den Willen des verstorbenen Vaters nicht erfüllen und setzt alles daran, ihr das Leben schwer zu machen...
Commissar Robert Borghoff ist erst seit kurzer Zeit Ruhrorts leitender Polizeibeamter. Er ist ehemaliger Offizier und Geheimpolizist und geht sehr besonnen vor. Bei seinen Ermittlungen stösst er häufig auf den Widerstand des Bürgermeisters, der die "ehrenwerten Bürger" aus allem heraushalten möchte, weil er sich für Ruhrort keinen Skandal leisten kann, wenn er neue Investoren anziehen möchte...
Lina lernt Borghoff kennen, weil sie diejenige ist, die drei der grausam zugerichteten Leichen findet und er ihre Aussage aufnehmen muss. Danach laufen sie sich unweigerlich immer wieder über den Weg. Er ist so manches Mal erstaunt über ihre Klugheit und Vernunft (die ihr der eigene Bruder nicht zubilligt) und zieht sie zu Rate, weil sie mit den meisten der "ehrenwerten Bürger" bekannt ist, die der Bürgermeister durch die Polizei nicht behelligt wissen möchte...
"Das Rote Licht des Mondes" ist in der ersten Hälfte eher spannendes sozialkritisches Gesellschaftsbild als Krimi. Der Kampf um Linas Selbständig- und Mündigkeit hält sich in nicht ganz die Wage mit den Mordfällen, die Ruhrort erschüttern. In der zweiten Hälfte ist es genau anders herum: Mehr Krimi als Gesellschaftsbild mit viel Lokalkolorit und stetiger Steigerung des Spannungsbogens bis zum fulminanten Finale. Mir hat die Mischung sehr, sehr gut gefallen! Ich bin mit Lina und ihrem Stock über das Kopfsteinpflaster gehinkt, habe ihr einfach alles Gute gewünscht, gehofft, dass alles zu einem guten Ende führen wird und war enttäuscht, als ich das Ende erreicht hatte. Nicht weil das Ende enttäuschend wäre, sondern weil ich nicht mehr weiterlesen konnte!
"Das Rote Licht des Mondes" ist m.E. einfach sagenhaft gut geschrieben! Frau Kaffke hat nach eigenen Angaben mehr als zwei Jahre recherchiert und die hervorragende Recherche hat sich bezahlt gemacht! Allen Freunden historischer Kriminalromane kann ich nur empfehlen, *sofort* zuzugreifen! Liebe Frau Kaffke, ich hoffe, es dauert nicht zwei Jahre bis zu einem Nachfolgeband?!