Einführungen in die Psychologie gibt es viele. Solche für Studierende, die eine Prüfung in diesem Fach bestehen müssen und solche für eine breitere Leserschaft. Die von Hans-Michael Klein und Albrecht Kresse ist klar für ein Publikum geschrieben, das nicht mit dem Fremdwörterbuch ins Theater will, ein unterhaltsames Lehrstück erwartet, seinen gesunden Menschenverstand nicht an der Garderobe abgeben möchte, Freude an modernen Aufführungen hat, gute Geschichten langweiligen Wahrheiten vorzieht, sich auch gerne selber auf der Bühne sieht und irgendwann wieder nach Hause will. Das Programm, sprich Inhaltsverzeichnis, deutet allerdings eher auf den Vortrag eines klugen Professors hin. Aber das gehört offenbar zum Konzept dieser Veranstaltungsreihe und muss akzeptiert werden. Geht der Vorhang dann auf, vergisst man die asinnliche Aufzählung der einzelnen Szenen schnell wieder.
Der Beginn ist zumindest auf dem Papier wenig aufregend. Aber immerhin endet die "Kleine Geschichte der Psychologie" in der Steinzeit, da die Autoren zu den Psychologen gehören, die keine Angst vor den Neurowissenschaften haben. Das ist schon mal außergewöhnlich. Spannender wird es dann im zweiten Kapitel, in dem die "Psychologie der Persönlichkeit" im Scheinwerferlicht steht. Hier zeigt sich zum ersten Mal deutlich, mit welchem Problem Autoren eines solchen Buches zu kämpfen haben. Einerseits möchten und müssen sie ihren Lesern die bekanntesten Theorien vorstellen, andererseits wollen sie ihre eigenen Glaubensmodelle nicht verraten. Und so müssen sie eben die Maslow-Pyramide so beschreiben, dass sie durch kritische Anmerkungen nicht gleich wieder zusammenfällt. Keine leichte Aufgabe, soll der Leser nicht allzu sehr verwirrt werden. Aber wie sie von den Autoren gelöst wurde, hat den Ausschlag gegeben, dass ich ihrem Buch die Höchstnote gebe, obwohl ich ihre Meinungen oft nicht teile. Denn übers Ganze gesehen, vertreten sie ein Menschenbild, das sehr viel realistischer ist als das anderer Berufskollegen. So erinnern sie ihre Leser immer wieder daran, dass sich Persönlichkeitseigenschaften kaum verändern lassen, schon gar nicht durch die Lektüre eines Psychologiebuches.
Das dritte Kapitel gefällt Motivations- und Karrieretrainern sicher weniger als mir. Denn unter der Überschrift "Die Psychologie des Erfolgs" fallen immerhin auch kritische Töne, die durchaus lauter sein könnten. Im Kapitel "Psychologie der Kommunikation" werden dann die gängigen Modelle vorgestellt, zu denen die Autoren zum Glück auch NLP oder Neurolinguistisches Programmieren zählen. Die Verkäufer unter den Lesern kommen schließlich im nächsten Kapitel voll auf die Rechnung. Hätte man es die Psychologie des Verführens genannt, wäre noch klarer geworden, dass es bei diesen Ausführung nicht ausschließlich um eine Gebrauchsanweisung für Staubsaugervertreter und Autoverkäufer geht. Die über 40 Seiten handeln ganz allgemein von der Kunst der Beeinflussung, ob privat oder geschäftlich. Daher ist es logisch, wenn im nächsten Kapitel von der "Psychologie des Führens" die Rede ist und danach die "Psychologie des Konflikts" folgt. Nach dem Fazit und ganz zum Schluss folgen noch Literaturtipps, leider unkommentiert, und ein Stichwortverzeichnis.
Mein Fazit: Die Reihe "Das professionelle 1x1" ist sicher auch deshalb so erfolgreich, weil Inhalt und Gestaltung einem Konzept genügen müssen, das Praxistauglichkeit und Verständlichkeit in den Mittelpunkt setzt. Randnotizen als Kurzzusammenfassungen und Merksätze, Illustrationen, Beispiele, Grafiken, Praxistipps und eine klare Gliederung gehören ebenso zum Pflichtprogramm wie eine unterhaltsame, von unnötigen Fremdwörtern befreite Sprache. Bei diesem Buch kommt hinzu, dass es die Autoren verstehen, traditionelles Wissen mit neuen Erkenntnissen zu verbinden.