Dieses Buch ist weit weniger praktisch für den Igelfreund, als der Titel vermuten lässt. Das Buch enthält sowohl hilfreiche Tipps wie auch gravierende Fehler.
Der als Verfasser von Naturbüchern erfahrene Autor hatte mit Igeln ganz offensichtlich wenig Berührung. Den Insektenfresser Igel zu den Carnivoren zu zählen, ist peinlich.
Weder der Autor (noch seine Berater) berücksichtigen neuere Forschungsergebnisse: Igel haben nachweislich keine "Reviere" = Territorien mit festen Grenzen, die verteidigt werden, sondern "Aktivitätsräume" zwischen 20 und 100 Hektar, die sich üblicherweise mit denen anderer Igel überschneiden. Dass Igel sich kurz nach der Paarung trennen, und der Igelmann nicht vom Weibchen "als Gefahr" verjagt wird, beobachteten Wissenschaftler. Erfahrene Igelpfleger stimmen überein, dass Igelsäuglinge Augen und Ohren nicht zu unterschiedlicher, sondern zur gleichen Zeit im Alter von etwa 14 Tagen öffnen. Die angenommenen Wurfzeiten im "Mai und Juni" wurden durch verschiedene Forscher aufgrund von Datensammlungen der Wurfzeiten widerlegt. Für Deutschland gilt: 84% der Igel werden in den Monaten August / September geboren. Zweitwürfe gibt es normalerweise nicht.
Die Kapitel über die Pflege hilfsbedürftiger Igel zeigen erhebliche Mängel. Die Tipps zu Haltung und Unterbringung kann man kaum zur Nachahmung empfehlen - es fragt sich, inwieweit sie z.T. mit dem Bundesnaturschutzgesetz und Tierschutzgesetz vereinbar sind, denn jeder Zähmungsversuch des Wildtiers ist zu unterlassen, Kontakt zu Haustieren nicht gut sein und Freilauf in der Wohnung taugt nichts: Entweder ist der Igel krank oder verletzt, da gilt Vermeidung von Infektionsgefahr verbunden mit tierärztlich betreute Pflege; oder er ist gesundet und gehört zurück in die Freiheit; allenfalls muss er - weiterhin in menschlicher Obhut - im Kalten Winterschlaf halten.
Die Tipps zur Ernährung orientieren sich nicht an den untersuchten Bedürfnissen für den Wachstums- bzw. Erhaltungsstoffwechsel beim Igel, die Zusammensetzung von ausgewogener möglichst fett- und proteinreicher Ernährung wird nirgends erwähnt. Obst, Nüsse und Käse sind schlichtweg Unsinn! Rohes ist wegen Salmonellosegefahr gefährlich, Geflügelfleisch oder Eier sollten nur gegart verfüttert werden. Lebendfutter ist überflüssig: Igel unterscheiden zwischen leicht und schwer erreichbarer Nahrung, nicht zwischen lebender und toter. "Milupa-Zwiebackbrei" oder "Hipp-Babynahrung" entsprechen nicht dem hohen Eiweißbedarf von Igelbabys. Vitamingaben sind allein Sache des Tierarztes, tägliche Multivitamintropfen können für Igelsäuglinge lebensbedrohliche Folgen haben.
Die Angaben zur medizinischen Versorgung sind teilweise schlichtweg falsch, "Boviserin" (Rinderserum) z.B. ist seit der BSE-Krise vom Markt. Durchfälle, die nicht auf Wurmbefall oder Kokzidien zurückgehen, können durch bakterielle Infektionen verursacht sein - da ist "Luvos-Heilerde" kaum das Mittel der Wahl - ärztliche Diagnose und Therapie sind unabdingbar. Die Verabreichung von Medikamenten, die injiziert werden müssen, ist Sache des Tierarztes oder erfahrener Igelpfleger, die nach Anweisung eines Tierarztes handeln.
Zum Glück für die Igel stehen am Ende des Buches Adressen kompetenter deutscher Igelschutzvereine, allerdings sind sie mangels Recherche nicht alle aktuell.
Die ausführlichen Beschreibungen über naturnahe, igelfreundliche Umwelt- und Gartengestaltung sind gegenüber all diesen Fehlern eine Wohltat, anschaulich beschrieben und illustriert, ohne Einschränkung gut, nützlich und hilfreich.