"Mene mene tekel u-pharsin......dein Reich wird geteilt unter den Medern und Persern."
(Buch Daniel Kapitel 5; Mahnruf an den babylonischen König Belsazar)
Zwischen dem 09. Juli bis 29.Oktober 2006 fand im Historischen Museum der Pfalz in Speyer unter dem Thema "Pracht und Prunk der Großkönige. Das persische Weltreich" die große Sonderausstellung des Jahres statt. Als erste Austellung im deutschsprachigen Raum hatte sie diese Hochkultur und vergessene, antike Weltmacht zum Gegenstand.....
.....für den bereits im Juli 2006 erschienenen Begleitband "Das persische Weltreich: Pracht und Prunk der Großkönige" waren Titel und Untertitel der Ausstellung getauscht worden, so dass das einstige - von Indien bis Bulgarien und Libyen bis Zentralasien reichende - Imperium ni den Mittelpunkt gerückt wurde.....
.....und so beginnt und endet der 264seitige Katalog jeweils mit einer Landkarte, in der die gewaltige Ausdehnung des bis dahin größten Reiches der Welt deutlich wird. Im schulischen Geschichtsunterricht lernt man das Grossreich der Achämeniden (ca. 550 - 330 v. Chr.) meistens aus der Sicht seiner populären, europäischen Feinde - den Griechen - kennen. Der Freiheitsdrang der griechischen Städte im persischen Kleinasien führte zum Ionischen Aufstand (500 - 494 v. Chr). Die von Athen unterstütze Rebellion wurde vom persischen Imperium jedoch niedergeschlagen und Großkönig Dareios I. forderte im Jahr 491 v. Chr. von allen Städten Griechenlands die Unterwerfung. Als Athen und Sparta diese Forderung schroff zurückwiesen, landete ein jahr später ein persisches Expeditionskorps, das jedoch von den Athenern bei Marathon besiegt werden konnte. In den folgenden "Perserkriegen" kämpften die Städte Griechenlands in wechselden Koalitionen und errangen bedeutende Siege in der "Seeschlacht von Salamis" (480 v. Chr.) und zu Lande bei "Plataiai" (479 v. Chr.). In die Zeit des Zweiten Perserkrieges fällt auch die "Schlacht bei den Thermopylen", als der Spartanerkönig Leonidas I. die Landenge gegen ein hundertfach überlegenes Heer der Perser und ihrer Verbündeten zu verteidigen versuchte. Erst im Kalliasfrieden (449/448 v. Chr.) erkannte Artaxerxes I. die Unabhängigkeit aller Griechenstädte an und überließ sie ihren eigenen Streitigkeiten, wie dem Peleponnesischen Krieg (431 - 404 v. Chr. ). Danach sollte es noch 71 Jahre dauern, bis der - von den damaligen Griechen als Halbbarbar geschmähte - Makedone "Alexander der Große" Großkönig Dareios III. in der Schlacht bei Issos besiegen und damit das Ende des Altpersischen Reiches besiegeln konnte.....
.....mit den Kapiteln "Das Perserbild in der griechischen Kunst" (Seite 150) und "Die Perser in der Literatur der Griechen" sind zwei Kapitel der griechisch-persischen Relation gewidmet. Das auf einer Doppelseite abgebildete "Alexandermosaik" aus der "Casa del Fauno" in Pompeji (S. 172/173) bildet den beeindruckenden Abschluss dieser Thematik. Die von den antiken Hellenen geprägte Geschichte bildet tatsächlich jedoch nur einen der zahlreichen Aspekte unter denen die Herrschaft der Achämeniden zu betrachten ist. Nach einem Vorwort, des mit der Gesamtleitung beauftragten Alexander Koch, stellen 16 renommierte Autoren in 18 Kapiteln und neun speziellen, farblich in beige abgesetzten, Themata (wie Krieg, Jagd, Siegel usw.) die komplexe Geschichte des Großpersischen Reiches dar. Der Ausstellungskatalog seinen nummerierten Exponaten, zu denen auch zahlreiche Leihgaben anderer Museen gehören wurde in die Kapitel und Themata eingearbeitet. Das Kapitel "Fremde am Persischen Hof" zeigt unter anderem eine tabellarische Übersicht der Vertreter von nahezu 30 Völkern, die mit ihrer Kleidung, Kopfbedeckung und Gaben für den persischen Großkönig aufgelistet sind (S. 139).
Das als Eingangszitat erwähnte "Menetekel" erfüllte sich im Jahre 539 v. Chr. mit dem "Einzug Kyros' des Großen" in Babylon. Den sogenannten "Kyros-Zylinder" mit neubabylonischer Keilschrift konnte timediver® bereits in den 1980er Jahren in British Museum in London betrachten. Das Kapitel "Der Großkönig und seine Satrapen" beschreibt die Verwaltung des Riesenreiches (S. 57). Eine Doppelseite (S. 68/69) zeigt die kleinasiatischen Satrapien. Von Interesse sind auch die Kapitel "Frauen am Hof der Achämeniden" (S. 88) und die Paläste der Achämeniden (S. 100). Bruno Jacobs weist in "Die Religion der Achämeniden" darauf hin, dass es imstritten sei, ob sie Zoroastrier waren. Bisher ist nämlich vollkommen ungeklärt, welchen Inhalt die Lehre des Propheten hatte und worin sie sich vom früheren, heidnischen Glauben unterschied. Als sicher gilt jedoch, dass als oberster Gott Ahuramazda und daneben später auch Mithras verehrt wurde. Während Mithras einen Bezug zu den Stierskulptren herstellt, gibt es auch Felsenreliefs die stark an ähnliche Götterabbildungen der Hethiter, eines anderen indoeuropäischen Volkes, das 1000 Jahre zuvor in Kleinasien und darüber hinaus herrschte, erinnern lassen (S. 214 ff.)
Während das letzte Kapitel den Sprachen des mulitkulturellen Achämenidenreiches (S. 237 ff.) gewidmet ist, kommt dem Kapitel "Die Perser in der Bibel" (S. 175 ff.) - insbesondere vor dem Hintergrund antisemitischer Tiraden aus dem heutigen Iran - eine besondere Bedeutung zu. Die in religiösen Angelegenheiten toleranten persischen Großkönige waren es, die das babylonische Exil der Juden beendeten und der Stadthalter Serubabel erlaubte den Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels.....
Den Abschluss des reich bebilderten Bandes bildet ein Anhang mit einer achtseitigen Literaturliste, einem Verzeichniss der Abkürzungen, den Autoren von Objekttexten und Themenblöcken, den Leihgebern der Ausstellung und ein Abbildungsnachweis, dem noch ein Foto der Grabstätte des Artaxerxes II. in der einstigen Metropole Persepolis folgt.
5 Amazonsterne für ein einzigartiges und perfektes Spiegelbild des Imperiums der Weltgeschichte.