Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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37 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Berührendes Buch, 1. Oktober 2005
Einundzwanzig Kapitel, ein jedes benannt nach einem Element des Periodensystems-niemals habe ich eine kurzweiligere, originellere und zugleich fröhlichere Autobiogaphie eines Mannes gelesen, der als Auschwitz-Überlebender zeit seines restlichen Lebens ein Verstümmelter blieb.
Irgendwie gelingt es ihm, zu jedem der gewählten Elemente eine Assoziation zu finden, ein jedes Mal auf eine andere Art und Weise. Aber an der Art und Weise, wie dieser kleine Italiener mit dem liebenswürdigen Gesicht seine Worte zusammensetzte lässt sich erkennen, dass dieser Mann nicht alleine ein hervorragender Chemiker war, sondern auch ein Humanist reinsten Wassers, ein taktvoller, im Herzen gebildeter, einer, der sogar noch der Grauenserfahrung des Holocausts noch Aspekte und Erkenntnisse abzunötigen vermochte, die über die blosse Wiedergabe des Erlebten weit hinausgehen.
Primo Levi vermochte das Wesen der Menschen zu sehen, und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, liebte er sie.
Seine Autobiographie, in Wahrheit ein liebevolles Denkmal schriftlicher Natur, errichtet jenen, die er liebte.
Seine liebenswerten Charaktere, unübertrefflich beschrieben, lassen einem die eigentümlichsten und interessantesten Italiener teilweise längstvergangener Tage vor dem inneren Auge wiederauferstehen.
Das periodische System ist eine Ode an die Lebensfreude, nicht an die überschäumende, aber an die stille, die einem erst beim genauesten Hinsehen gewahr wird, es sei denn, man heisst Primo Levi, und besitzt dieses seltene Auge, diese unbezahlbare Gabe, die Dinge nicht nur auf den ersten Blick zu erkennen, sondern sie auch noch prinzipiell von ihrer liebenswürdigsten, gutmütigsten und schönsten Seite her zu betrachten.
Indes steht in der Umschlagflappe der Ausgabe der SZ vermerkt, Levi habe 1987 Selbstmord begangen. Der Tod Primo Levis am 11. April des besagten Jahres ist tatsächlich bis heute nicht vollständig aufgeklärt.
Ein Selbstmord wird aber heute, über 18 Jahre später, zunehmend als unwahrscheinlich angenommen. Vielmehr erscheint es plausibel, dass Primo Levi einem tragischen Unfall zum Opfer fiel. Der geneigte Leser möge sich im Internet informieren und seine Meinung bilden. Ärgerlich allein, dass die SZ offenbar unreflektiert eine Annahme zur Tatsache erhebt.
Nachwort(15. Dezember 2006): Ich habe mich lange mit Primo Levi auseinandergesetzt und mich mit vielen Menschen über ihn unterhalten. Mehr und mehr hat sich in mir die Überzeugung durchgesetzt, dass das, was ich einst für einen Unfall hielt, letztlich kein Unfall war.
Imre Kertesz sagte über Levi, es wäre ihm gleich ergangen, hätte er so früh über das alles geschrieben. Und ich muss mich mit dem abfinden, was ich für nicht möglich halten wollte.
Damit möchte ich mit einem Satz von P.L. schliessen:
"Nicht wir, die Überlebenden, sind die wirklichen Zeugen. Das ist eine unbequeme Einsicht, die mir langsam bewusst geworden ist, während ich die Erinnerungen anderer las und meine eigenen nach einem Abstand von Jahren wiedergelesen habe. Wir Überlebenden sind nicht nur eine verschwindend kleine, sondern auch eine anomale Minderheit: wir sind die, die aufgrund von Pflichtverletzung, aufgrund ihrer Geschicklichkeit oder ihres Glücks den tiefsten Punkt des Abgrunds nicht berührt haben. Wer ihn berührt, wer das Haupt der Medusa erblickt hat, konnte nicht mehr zurückkehren, um zu berichten, oder er ist stumm geworden."
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41 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Es geht um die "Menschheit im Menschen", 10. März 2005
Primo Levi (*1919), italienischer Chemiker, Auschwitz-Häftling gewesen, Autor von "Ist das ein Mensch" (1947), Denker und Menschenbeobachter und Verachter alles Groben - oh Gott - er tötet sich 1987 selbst.Mit "Das periodische System" legt er 1975 Aufzeichnungen über Ereignisse seines Lebens nieder (deutsch 1987), jedes Kapitel steht unter dem Zeichen eines chemischen Elements, um dass sich je eine besondere Begebenheit rankt. Levi schreibt gegen Ende: "Es ist [...] keine Autobiografie oder allenfalls insofern, als jede Schrift, ja jedes Menschenwerk teilweise und sinnbildlich Autobiografie ist: aber irgendwie Geschichte ist es doch. Es ist eine Mikrogeschichte oder sollte es zumindest sein, die Geschichte von einem Beruf und seinen Misserfolgen, seinen Siegen und seiner Not, eine Geschichte, die jeder erzählen möchte, wenn er fühlt, dass seine Laufbahn sich dem Ende zuneigt [...]" Dem Süddeutschen Verlag möchte man auf Knien danken, dass er dieses Buch in seine famose Reihe aufgenommen hat: Dieser "Band 48" erscheint mir wie das Funkeln eines Brillanten unter lauter Edelsteinen. So ist es auch das Element Kohlenstoff, mit dem Levi seine Geschichten beschließt. Es ist eigentlich das Lebenselement, und es muss schon ein Besonderes sein (ich bin nun kein Chemiker), denn nur C ermöglicht die Photosynthese, die Entstehung von Leben aus Licht. Levi beschreibt das auf ganz liebevolle und poetische Weise. "Das periodische System": So ein feinsinniges, abgewogen "gezeichnetes" Buch, ein Erbe, geschrieben in einer derart echten, natürlichen Sprache (Gratulation an den Übersetzer!), keine Klischees, keine Phrasen, keine Unreinheiten, so voller liebenswürdiger Facetten. Jedes Wort stimmt, ja jedes Satzzeichen (ich mag Semikolons!), als sei alles ein chemisches Rezept, damit das Ganze richtig wird. Eigenartig, was ich bei mir selbst beobachete: Das Buch fesselt nicht, es vereinnahmt den Leser - man hört Levi förmlich sprechen. Seine Sätze machen kein Lächeln, doch sind sie von tiefer Schönheit. Sie machen auch nicht traurig, doch erschüttern sie minutenlang. Die Kapitel sind nicht eigentlich "lehrreich", anders: ich las das Buch schon bei der ersten Lektüre quasi zweimal, in dem ich bald jeden Absatz sofort wieder-las und über ihn nachdachte. So nahm ich mir sehr lange für die knapp 250 Seiten, obwohl ich mich als geübter Leser bezeichnen würde. Ich bin mir nicht sicher, ob die Lektüre ein "Genuss" war (ich mag dieses Wort nicht mehr). Wenn es nicht so unendlich abgedroschen klänge: Dieses Buch sei für jeden Pflichtlektüre, der sich für Menschen interessiert, genauer: Für die Menschheit im Menschen.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein bewegendes Buch, 5. Juni 2005
Vor etwas mehr als fünf Jahren habe ich meine erste Rezension zu diesem Buch geschrieben, leider. Denn sie zeigt nicht gerade viel Feingefühl. Für die Äusserung, dass Herr Levi Glück hatte und es ihm schon fast Gut ergangen sei, möchte ich mich hiermit in aller Form entschuldigen.Das Buch hat mich auch heute noch nicht losgelassen. Die teils auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte des Chemiker Primo Levi, nimmt den Leser mit auf eine Reise in das faschistische Italien. Jedem Kapitel ist ein chemisches Element zugeordnet und der Leser begleitet Levi von seiner Jugend mit den Chemie-Experimenten in der Schule während seinem ganzen Leben. Spannend und kurzweillig geschrieben zeigt es Levis Geschichte der Nazi-Zeit. Und besonders wenn man das Buch in einen Zusammenhang etwa mit dem Tagebuch der Anne Frank oder 'Die grössere Hoffnung' von Ilse Aichinger stellt, zeigt sich, wie grausam diese Zeit war, wie sich die gleichen Dramen immer und immer wieder abspielten und wie sie sich gleichzeitig doch auch unterscheiden. Ich kann das Buch nur empfehlen. Es lässt einen nicht so leicht wieder los und stösst zum Nach- und Umdenken an. Ihr Alain N. Lavanchy
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