Ohne Frage sind Exposés für die Vorbereitung umfangreicher Forschungsarbeiten wie Promotionen zu empfehlen, ja teilweise sind sie sogar verbindlich vorgeschrieben, helfen sie doch dem Forschenden, dem Betreuer und ggf. dem Gutachter, sich Klarheit über die angestrebten Ziele, die Vorgehensweise, die Dauer des Projektes usw. zu verschaffen. Von daher ist die Idee des Autors, Doktoranden einen Leitfaden für die Erstellung von Exposés an die Hand zu geben, grundsätzlich zu begrüßen. Auch der vorgestellte Aufbau mit den Gliederungspunkten: Problemstellung, Leitfrage, Forschungsstand und Quellenlage, Untersuchungsansatz und -methode, (angestrebte) Ergebnisse, Projektplan und Machbarkeit sowie deren jeweilige inhaltliche Aspekte werden von ihm plausibel darlegt.
Das alles umfasst allerdings gerade einmal die Seiten 4-23 des insgesamt 82-seitigen Werkes. Danach folgt das Exposé des Autors zu seiner sozialwissenschaftlichen Dissertation, das wegen des hohen, für Forschungsvorhaben nun einmal typischen Spezialisierungsgrades wohl nur noch für wenige Leser interessant bzw. überhaupt nachvollziehbar sein dürfte. Besonders irritiert hat mich in diesem Zusammenhang, dass der Autor seinem Exposé auch noch eine rund 90 Titel umfassende 'Bibliographie' zum Forschungsthema beigefügt hat, obwohl er vorher selbst - aus meiner Sicht übrigens durchaus zurecht - darauf hinweist, dass das gesamte Exposé nur 10-15 Seiten Umfang haben sollte.
Und dann präsentiert er auch noch das Exposé zu seiner Magisterarbeit. Spätestens an dieser Stelle habe ich mich gefragt, ob hier nicht weniger mehr gewesen wäre, zumal der Preis des Buches recht hoch ist. Und völlig unverständlich ist für mich das Schlusswort, in dem der Autor auf Umberto Ecos vermeintlich "klare Worte" verweist, der scherzhaft empfahl, im Notfall die Arbeit von jemand anderem schreiben zu lassen bzw. eine früher an einer anderen Universität eingereichte Arbeit einfach abzuschreiben. Was würde wohl der Autor denken, wenn man seine Werke kopierte und als eigenes Eigentum ausgäbe? Wie dem auch sei, ich rate davon ab, schließlich hat jemand erst vor kurzem sehr schlechte Erfahrungen damit gemacht.