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Das optimale Leben
 
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Das optimale Leben

Annett Louisan Audio CD
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (88 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Annett Louisan benötigte nur zwei Alben, Boheme (2004) und Unausgesprochen (2005), um sich von einer vielversprechenden Newcomerin zu einem etablierten Star zu entwickeln. Die Sängerin hat es trotz aller Erfolge aber bis heute verstanden, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Das optimale Leben ist kein müder Abklatsch der ersten beiden Longplayer, sondern offenbart erneut bisher unbekannte Facetten. Annett Louisan zeigt gleich zu Begin mit dem Titel "Das alles wär nie passiert", dass sie als Künstlerin deutlich gereift ist. So überzeugend sie auf den ersten beiden Alben auch agierte, mit Das optimale Leben stellt sie alles in den Schatten. Mit Hilfe von Texter Frank Ramond sowie den Komponisten Matthias Hass und Hardy Kayser hat sie, je nach CD-Version, 15 bzw. 17 Songs komponiert, die die vielen Höhen und Tiefen des alltäglichen Lebens in allen Farben ausleuchten. Das reicht von nachdenklichen, mit sanften Streichersounds veredelten Nummern wie "Was haben wir gesucht" über dezent ironische, aber immer liebenswerte Betrachtungen wie "Kleine Zwischenfälle" bis hin zu locker swingenden Stücken wie "Die sein". Die Arrangements sind wie immer frei von allen überflüssigen Firlefanz und die Instrumentierung gleicht sich immer perfekt der jeweiligen Stimmungslage an. Besonders elegant wird es immer dann, wenn, wie beim Song "Rosenkrieg", ein verführerischer Bossa-Nova-Rhythmus das Tempo vorgibt. Annett Louisan hat sich mit Das optimale Leben noch einmal deutlich gesteigert und dabei durchaus auch musikalisches Neuland betreten. Von Stagnation kann also bis auf weiteres keine Rede sein. --Norbert Schiegl

Produktbeschreibung

Sie ist – bei aller Bescheidenheit – nicht weniger als eine kleine Revolution in der zeitgenössischen Musik. Annett Louisan erfindet den Chanson neu; sie nährt die Hoffnung, dass sich das anspruchsvolle Lied gegen die gegenwärtigen Verwahrlosungen des Pop-Mainstreams behaupten kann; und sie straft ganz beiläufig all die der Lüge, die es unmöglich nennen, jene zu erreichen, die älter sind als 25 und musikalisch intelligent unterhalten werden wollen. Annett Louisan, diese junge Frau von zierlicher Statur und großem Format, sie ist die neue Grande Dame des deutschen Chansons. Was hat man ihr nicht alles für Attribute gegeben in den vergangenen Jahren ihrer Existenz im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit: Pop-Lolita, sexy, verrucht, clever, eine femme fatale, ein Vamp, geübt im „Spiel“ mit der Liebe und den Männern und den Worten – alles stimmt davon und nichts. Ihr Debüt war eine Demonstration ihres Vermögens, die Andeutung des Potenzials: Voilà, hier bin ich, sinnlich, emotional, klug, frei, modern und doch klassisch „Bohème“ – aber vor allem ehrlich: Sie selbst hat den Erfolg nicht geahnt.

Ihr zweites Album, das schwierige zweite, erzeugte einen überwältigenden Aufruhr der Begeisterung für die junge Chanteuse, es erweiterte ihr musikalisches Spektrum, und es etablierte die Künstlerin. Man sprach nun zaghaft vom „neuen deutschen Chanson“, und leichtfüßig sprang sie über die Schatten, die die Klischeegebäude voreiliger Kritiker warfen. „Unausgesprochen“ blieb hier nur, was erst eine lange Zeit des Nachdenkens, vielleicht auch ein bisschen das Älterwerden hervorbringt – was Klugheit zu Weisheit werden lässt und ein echtes, weil authentisches Vergnügen verspricht: nämlich die Mutmaßungen über „Das optimale Leben“. Und so nennt sie ihr jüngstes, ihr drittes Album. Annett Louisan ist gut vorbereitet, konzentriert und geistesgegenwärtig, und gemeinsam mit ihrem kongenialen Texter Frank Ramond und den Komponisten Matthias Hass und Hardy Kayser hat sie sich alle Zeit genommen, die es braucht für ein großes Thema.

Ihre neuen Chansons sind nun mehr als subtile Beobachtungen des Alltags. Es sind kleine Essays über die großen Fragen des Erwachsenseins – die, wenn wir ehrlich sind, zumeist Fragen der Liebe sind –, und wenn sie von den „choses de la vie“ singt, ist sie expressiv, ohne pathetisch zu sein. Man spürt in jeder Zeile: Hier erzählt eine von Dingen, von denen sie etwas versteht, durch und durch zeitgenössisch, ohne Pose. Es sind kluge Annäherungen an das ganze Leben, evokativ und schillernd selbst in der Melancholie. Sie verzichtet dabei gänzlich auf die große Gesellschaftskritik, kein Zeigefinger will sich da erheben. Lieber berichtet sie von ihren windungsreichen Wegen zum optimalen Leben – so wie jeder es leben will und wie es doch immer wieder anders kommt: komisch, traurig, sarkastisch, warm, leger, verkrampft – irgendwie alles andere als optimal, aber man darf nicht aufhören, davon zu träumen. Unglücklicherweise stehen auf diesen Wegen allzu oft hohe Hürden. Wie man sie mit! beinahe unheimlicher Gelassenheit nimmt, demonstriert Annett Louisan mit „Er“, einem Drama von altgriechischem Ausmaß, das geeignet ist, Männer in die fröhliche Einsamkeit zu treiben – so schwarz ist der Humor, dass die Füße trotz des Cha-Cha unweigerlich aus dem Takt geraten. Ebenso, „Wenn man sich nicht mehr liebt“, eine bittersüße, bis aufs Mark reduzierte Feststellung über stumpf gewordenes Gefühl, heruntergekommen zum bloßen Mitgefühl. Auch unerwartete „Kleine Zwischenfälle“ liegen auf diesen Wegen, solche, die die großen Weichen des Lebens stellen und das Geheimnis des Daseins für immer verborgen halten. Aber bei Annett Louisan ist keine Spur von Pessimismus, vielmehr ist es die feine Subversion, Gedanken, scharf wie ein Florett, aber eben kein grober Säbel.

Die Freuden des vorübergehenden Kontrollverlusts sind manchmal dem Prosecco“ („Das alles wär nie passiert“) zu verdanken – in diesem schwungvollen, komischen Single-Epos finden wir uns wieder, sofern wir das Leben lieben oder wenigstens einmal geliebt haben, am Ende will man unwillkürlich singen „Wär doch schade, wenn das alles nicht passiert wäre“. Verzichtbar, aber kaum vermeidbar dagegen ist die Einsicht „Was nicht passiern darf, darf nicht mehr passiern“, die traurige Essenz von „Was haben wir gesucht“, eine kostbar zarte Miniatur über den hohen Preis, der für Seitensprünge zu zahlen ist. Wie sie die Abgründe sondiert, mit präzisen Sätzen das Unsagbare sagt – hier ist Annett Louisan auf der Höhe ihres Könnens. Eine andere Begabung ist ihre nüchterne Analyse, zum Beispiel in „Gendefekt“: Sie seziert mit hintersinnigem Wortspiel das Resignieren vor der Gleichgültigkeit in der Liebe, und die kühle Stringenz des Gedankens lässt sie reizvoll zu ihrem lässigen Tonfall kontrast! ieren. Ihre Ironie ist dann vor allem eine Selbstironie, intim, unberechenbar und witzig. Ganz so wie im skeptisch-ernüchterten „Rosenkrieg“, mit dem sie einen unerbittlichen Blick auf den Sündenfall der Männer wirft – die missbräuchliche Verwendung von Rosen nach Betrugsvergehen. Da zeigt sich Annett Louisans Klassik: eine Haltung im Kontrapost, ein skeptischer Blick, und dann unvermittelt ein gezielter Schuss. Darüber kann es für manche „Ende Dezember“ werden – der Titel einer Ballade über den Verlust eines Lebens, verstörend traurig, aber mit dem tröstlichen Gedanken, dass die Liebe deswegen nicht stirbt. In dieser auf das Essentielle reduzierten Tragödie erreicht sie eine Intensität im Ausdruck, die selten ist – und nebenbei auch das Deutsche als poetische Sprache in der Musik feiert. „Ich verabscheue die Pose, die große Geste. Ich suche lieber nach der großen Kraft, die im Einfachen liegt“, sagt Annett Louisan über sich. Sie hat sie schon gefunden, sagt ihr Publikum.

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