Ich muß zugeben: Auch ich habe mich einlullen lassen von den sich ewig wiederholenden Ratschlägen prominenter Politiker und Ökonomen. Ich hatte auch geglaubt, daß mit Lohnverzicht, Arbeitszeitverlängerung, besserer Bildung, Entbürokratisierung, Hartz IV usw. unser Land saniert werden könnte. Das Buch von M. J. Müller indes hat mich zum Umdenken veranlaßt. Die öffentlich gehandelten Maßnahmen gehen weitgehend am Thema vorbei, sie zielen nicht auf den Kern der deutschen Problematik. Ursache unserer Misere ist ein vom Ausland aufgezwungener Billigwettbewerb, den kein Höchstlohnland durchstehen kann. Der Autor verdeutlicht, daß aus dieser brenzligen Situation nur wenige Wege herausführen. Die klassische Methode wären Zölle, die aber unschöne Nebenwirkungen hat und politisch kaum durchsetzbar ist.
Müller setzt deshalb auf andere Reformen, die in der Wirkung ähnlich sind, aber nicht als protektionistisch gelten. Müller sagt auch, was passiert, wenn solche echten Reformen nicht umgesetzt werden: Dann werden die Probleme weiter eskalieren, bis schließlich die Bevölkerung, die Finanznot oder die natürlichen Kräfte des Marktes radikale Lösungen erzwingen, wie zum Beispiel den Austritt aus der EU.
Mich hat diese tiefgreifende Analyse sehr bewegt und aufgerüttelt. Im Großen und Ganzen teile ich die Ansichten des Autors. Sehr positiv registriere ich, daß nicht einseitige populistische Schwarzmalerei betrieben wird, sondern daß realistische konkrete Vorschläge unterbreitet werden, die Mut machen. Denn auch darin stimme ich dem Autor zu: Der technische Fortschritt müßte unsere Lebensqualität ständig verbessern - tut er es nicht, liegt es allein an krassen politischen Regiefehlern.