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Das neue Leben: Roman [Gebundene Ausgabe]

Orhan Pamuk , Ingrid Iren
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser; Auflage: 3 (27. Juli 1998)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446192891
  • ISBN-13: 978-3446192898
  • Größe und/oder Gewicht: 20,6 x 13,4 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (13 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 298.812 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Orhan Pamuk
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Illusionen vom neuen Leben

Ein Roman von Orhan Pamuk

Orhan Pamuk ist ein Gratwanderer, der nicht nur den eigenen türkisch-islamisch-orientalischen Blickwinkel genau kennt, sondern auch den westlich-amerikanisch-europäischen, und als Schriftsteller den einen für den anderen zum Massstab nimmt. Er beherrscht die Kunst der Anspielung, wie seine Kollegen zur Zeit der Hochblüte osmanischer Dichtkunst, und gleichzeitig ist er mit allen Wassern moderner Erzähltechnik gewaschen, ohne sie aber so in Anspruch zu nehmen, dass das zu Erzählende darin ertrinkt.

Geboren 1952 und aufgewachsen in Istanbul, wo Pamuk nach einem mehrjährigen Amerika-Aufenthalt wieder lebt, gilt er als einer der bedeutendsten Prosa-Autoren der zeitgenössischen Türkei. Im Gegensatz zu Yasar Kemal, dem Dichter Anatoliens und der Anatolier – auch wenn sie nach Istanbul gezogen sind –, spricht Pamuk in seinen Romanen mit der Stimme der Grossstadt, auch wenn diese in «Das neue Leben» bis weit nach Anatolien hinein zu hören ist.

Entseelte Dinge

«Eines Tages las ich ein Buch, und mein ganzes Leben veränderte sich.» Mit diesem lapidaren Satz, einer Art Erleuchtung, beginnt der neue Roman, übrigens nach «Die weisse Festung» und «Das schwarze Buch» das dritte auf deutsch erschienene Werk Pamuks. Osman, der Protagonist und Ich-Erzähler, macht sich auf den Weg und folgt der Spur des «Buches», die ihn zunächst zur engelsgleichen Mitstudentin Canan und zu deren Freund Mehmet führt, die das «Buch» ebenfalls gelesen haben. Es folgen Autobusreisen durch ganz Anatolien, bei denen erst Canan Mehmet folgt, dann Osman Canan; nachdem er sie gefunden hat, folgt er wiederum Mehmet, den er tötet, worauf er Canan endgültig verliert.

Osman kehrt schliesslich, aller Illusionen beraubt, in ein bürgerlich-städtisches Leben zurück, bis er dann noch einmal aufbricht, um den Mann zu suchen, der einst Bonbons mit dem Aufdruck «Das neue Leben» und dem Abbild eines Engels herstellte. Er findet ihn in einem utopisch anmutenden, abgelegenen Dorf, wo er der alles überschwemmenden Warenflut der «entseelten Dinge» entkommen ist. Allerdings ist er erblindet und offensichtlich nur als Blinder imstande, sich dem Terror des Konsums in einer immer stärker entfremdeten Welt zu entziehen.

Auf der Rückreise begegnet Osman dem Engel des «Buches». Die Begegnung ist tödlich, der «Unfall», je nach Lesart, eine Art unio mystica – ein «Entwerden», wie der entsprechende Terminus in der islamischen Mystik heisst – oder aber auch Symptom jener hoffnungslos dem Unfall zustrebenden Übermotorisierung und Technisierung, die auch vor den hintersten Winkeln Anatoliens nicht haltmacht.

Pamuks Roman kann auf verschiedenen Ebenen gelesen werden: zum Beispiel auf derjenigen der mystischen Reise, eines gängigen Motivs der spirituellen türkischen Literatur, auf der er formal den Stufen des Weges der Gottesliebe folgt (der Name Canan steht nicht nur für die Geliebte, sondern auch für Gott), aber genausogut auf derjenigen der sozialen Realität des Landes. «Das neue Leben» steht darüber hinaus für eine Variante des Orient-Okzident-Themas, das sich durch alle Romane Pamuks zieht und um die Schwachstellen der heutigen Lebensform kreist, zu deren Komponenten Gewalt und Paranoia zählen: eine Gewalt, die auf Unterdrückung, Reglementierung und den Entzug demokratischer Rechte reagiert, und eine Paranoia, die aus einem Bruch in der Entwicklung resultiert. So glaubt Mehmets Vater, Dr. Narin, an eine «Grosse Verschwörung» des Westens zur «Entseelung der Dinge», der er mit einer «Grossen Gegenverschwörung» die Stirn bieten will, wobei er auch vor terroristischen Handlungen nicht zurückschreckt. Denn – wie eine der Figuren es gegen Schluss des Romans als Fazit formuliert –:

Heute sind wir die Verlierer. Der Westen hat uns geschluckt, zertreten, überfahren. Bis in unsere Suppe, unser Zuckerzeug, unsere Unterhose sind sie eingedrungen, haben uns fertiggemacht. Aber eines Tages, eines Tages nach tausend Jahren werden wir diesem Komplott ein Ende bereiten und sie aus unserer Suppe, unserem Kaugummi, unserer Seele herauszerren und Rache nehmen.

Solche Lesarten bilden jedoch stets nur einzelne Aspekte dieses vielschichtigen Buches ab, dessen Ebenen erst in ihrem ständigen Ineinandergreifen das ungemein dichte Gewebe erzeugen, das diesen Roman auszeichnet.

Vieldeutigkeit und Detailtreue

Denn gerade Pamuk weiss um die Unentflechtbarkeit der Dinge. Er ist ein genauer und äusserst zuverlässiger Beobachter der Alltagskultur und ihrer Manifestationen, was er schon in seinem grossen Istanbul-Roman «Das schwarze Buch» mit Bravour bewiesen hat. Wie kaum ein anderer kennt er die Geschichte gegenseitiger Beeinflussung von Orient und Okzident und versteht es, sie zu deuten. So gesehen können die Züge des Engels aus dem «Buch», über dessen tatsächlichen Inhalt der Leser nie etwas erfährt, nicht nur vom «Blauen Engel» der Marlene Dietrich oder aus Rilkes Duineser Elegien, von persischen Miniaturen, dem Werk des Dichters Ibn Arabi und aus dem Koran hergeleitet werden, sondern auch vom Wunschengel einer Zirkus-Tombola, aber natürlich auch vom Aufdruck jenes Bonbonpapiers, das Osman aus seiner Kindheit kennt. Sogar «Das neue Leben» erscheint in changierenden Bezügen, die sowohl auf Dante als auch auf türkische Comics und Zuckerzeug von gestern verweisen.

Die Aufmerksamkeit, mit der Osman der Spur des «Buches» folgt, lässt ihn eine Chronik der Gegenstände des täglichen Lebens erstellen, die mehr über die Gegenwart der Türkei aussagt als alle Spekulationen über das Wesen und den Inhalt des «Buches», das immer mehr zum Synonym für das Leben selbst wird. Auch dass Osman das Buch als für ihn geschrieben empfindet, ist nicht von ungefähr. Sein Autor war ein Freund seines Vaters, ein Eisenbahninspektor, aus zwielichtigen Gründen Opfer eines nie aufgeklärten Mordes, und – im Gegensatz zu Dr. Narin – Atatürk-Anhänger, also ein laizistischer Fortschrittsgläubiger, der die Entwicklung Anatoliens mit der Errichtung eines Eisenbahnnetzes gleichsetzte und keine Bildergeschichten für Kinder schreiben wollte, in denen nicht wenigstens eine Eisenbahn vorkam.

Auch dieses Detail ist nur ein weiterer Stein im Mosaik einer von allen Orientalismen entkleideten Türkei, wie sie dem westlichen Leser, der bestimmte Vorstellungen hegt, nicht unvertrauter entgegentreten könnte. Gerade darin besteht aber der Reiz dieses Romans: dass er allen gängigen Erwartungen widerspricht, keine erschöpfenden Erklärungen bietet und die Vieldeutigkeit nicht zum Selbstzweck erhebt beim Versuch, über das Leben zu reden, das alte und das neue: auch wenn er sich – im Gegensatz zu dem «Buch», von dem so oft die Rede ist – nicht mit dem Leben gleichsetzen lässt.

Barbara Frischmuth

Pressestimmen

Tout le monde ist elektrisiert von der "großartigen Fabulierkunst", dieses "so gut wie Borges oder Calvino" zu lesenden Erzählers "für alle Freunde des Raffinierten". Gabriele Killert, Die Zeit, 07.01.99 "Wie man dieses meisterlich geschliffene Juwel eines märchenhaften Romans vor dem Leser-Auge auch dreht und wendet: es blitzt und funkelt in immer neuen, anderen Lichtbrechungen." Wolfram Schütte, Frankfurter Rundschau, 25.11.98 "Orhan Pamuk hat ein leichtes Buch über etwas unerhört Schweres geschrieben. Er hat Anatolien zu einer wunderbar urbanen Landschaft, zu einem Ort der Weltliteratur gemacht. Viele tausend Fäden hat er mit großem literarischen Können verknüpft, und daraus ist nicht nur ein wirklichkeitstreues, sondern auch ein spannendes Bild entstanden." Thomas Steinfeld, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.11.98

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
41 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Der 22jährige Architektur-Student Osman aus Istanbul liest eines Tages ein Buch, das ihn nicht mehr los lässt. Gesehen hat er es erstmals in der Hand einer Kommilitonin, für die er sich interessiert. Es geht also zunächst gar nicht um das Buch, sondern darum, die Aufmerksamkeit der jungen Frau zu gewinnen. Diese wiederum ist mit einem anderen Studenten liiert, und beide gemeinsam haben Osman ohne dessen Wissen bewusst als Leser für dieses Buch auserkoren, um zu ergründen, welche Wirkung es auf ihn haben wird. Kurze Zeit später verschwinden beide kurz nacheinander spurlos, und Osman macht sich auf die Suche nach ihnen, indem er die Türkei kreuz und quer und bis in den hintersten Winkel Ostanatoliens mit Bussen durchquert. Bei einem Busunfall findet er Canan, die Kommilitonin; gemeinsam setzen sie die Suche nach Mehmet, ihrem Freund, fort.

Dieses Buch ist Roadnovel, Liebesgeschichte, Abenteuerroman, und Detektivgeschichte in einem. Orient und Okzident begegnen sich. Gleichzeitig ist es von einer starken Todessehnsucht geprägt. Hier nimmt Pamuk Anleihen bei der Romantik, indem er das Symbol der Blauen Blume aus Novalis‘ Heinrich von Ofterdingen einfließen lässt. Diese Blaue Blume ist äußerst selten, wer sich auf die Suche nach ihr begibt, macht diese Suche zu seiner Lebensaufgabe. Eine wichtige Rolle spielen Engel in diesem Buch, die – in Anlehnung an Rilkes Duineser Elegien – sehr vielfältig vorkommen: als Gestalt an sich, als Figur auf den Deckeln von Cremedosen, als Gesprächspartner des inneren Dialogs, als rätselhafte, mit der Liebe verbundene Gestalt, als Antlitz auf persischen Miniaturen, auf dem Einwickelpapier von Karamellbonbons aus Osmans Kindheit. Häufig spricht der Ich-Erzähler Osman den Leser direkt an und involviert ihn auf diese Weise in sein Leben und in seine Suche. Erst ganz am Schluss findet Osman, was er so lange Jahre gesucht hat, und erkennt, dass er es seit langer Zeit hatte, ohne sich dessen bewusst zu sein oder gar Dankbarkeit zu empfinden.

Über den Inhalt jenes geheimnisvollen Buches erfahren wir nichts Konkretes, nur soviel, dass der Autor, der Abenteuerbücher für Kinder schrieb, einmal ein Buch für erwachsene Leser verfassen wollte, und danach nichts mehr geschrieben hat.

An dieser Stelle verrate ich, dass sich für mich bei der Lektüre im ersten Drittel sehr viel mehr Fragen als Antworten ergaben und ich an einen Punkt gelangte, wo ich erwog, nicht weiter zu lesen, da die ewige Busfahrerei, ohne irgendwo anzukommen, begann, mir auf die Nerven zu gehen. Doch dann kam Dr. Narin ins Spiel, und mit seinem Auftritt wurde die Geschichte richtig spannend, so dass es einfach nur ärgerlich gewesen wäre, nicht weiter zu lesen. Aber zugegeben, das wüsste ich dann ja nicht.

Am Ende fließen viele Dinge ineinander und die meisten der anfänglich aufgeworfenen Fragen finden ihre Antwort. So ergibt sich ein schlüssiges Bild. Das neue Leben ist ein Buch, das es verdient, zweimal gelesen zu werden. Und ich würde mich noch einmal auf ein Werk Orhan Pamuks einlassen.

War diese Rezension für Sie hilfreich?
15 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Verwirrend 7. Januar 2007
Von B. Kugler VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Es hört besser auf, als es anfängt. Ich musste mich die ersten Seiten zwingen, weiterzulesen und bin schlussendlich doch froh, dass ich es gemacht habe. Ab dem siebten Kapitel passiert endlich etwas. Am Anfang liest Osman, ein Student, ein Buch, das sein Leben verändert. Er verliebt sich auch gleichzeitig in Canan, eine Mitstudentin, die das Buch auch gelesen hat. Canan verschwindet, Osman macht sich auf die Suche nach ihr und nach dem neuen Leben, das das Buch verheisst und auf die Suche nach dem Engel. Es folgen endlose Busreisen durch die ganze Türkei und das ist das Schleppende an dem Buch. Ist das Beschriebene die Realität? Erlebt es Osman nur im Traum? Ist er tot, nein er muss leben, denn er wird verletzt und verbunden? Irgendwann findet er dann Canan, die beiden reisen gemeinsam weiter. Am Ende des sechsten Kapitels stirbt ein junges Paar bei einem Busunglück. Die beiden haben auch das Buch gelesen. Osman und Canan nehmen die Identität der Verstorbenen an und jetzt beginnen sich so langsam die Fragezeichen der ersten sechs Kapitel aufzulösen.

Das Buch soll vielschichtig sein. Wahrscheinlich hab ich nicht alle Schichten durchdrungen, denn ich war am Ende froh, dass ich es gelesen hatte. Vielleicht sagt es mir beim zweiten Lesen mehr. Wenn ich aber an die ersten sechs Kapitel denke, hab ich gar keine Lust damit anzufangen.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Joroka TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
... oder habe ich da etwas falsch verstanden?
Mein erstes Werk von Pamuk und sehr rasch war ich von seinem Erzählstil irritiert. Es dauerte eine ganze Weile, mich in die Handlung hinein zu lesen. Immer wieder kam dabei die Frage auf, liegt denn mehr hinter den Sätzen verborgen, als ich auf den ersten Blick zu erkennen glaubte? Kann mir gut vorstellen, dass manche Leser das Werk frustriert auf die Seite legen. Ich habe mich durchgearbeitet.

Das Buch handelt von einem dubiosen Buch, welches Menschen total umkrempelt. Von was es wohl handelt? Das bleibt leider im Dunkeln. Doch es scheint gefährlich zu sein, denn die Leser sind ihres Lebens nicht mehr sicher. Ihres alten Lebens?

Osman ist der Hauptakteur der Geschichte. Er verliebt sich in Canan. Diese ist scheinbar jedoch mit Mehmet zusammen, der auch das Buch gelesen hat und das ihn offensichtlich ebenso verzehrt. Osman macht sich auf den Weg. Weg von seinem alten Leben. Auf die Suche nach einem neuen? Auf die Suche nach Canan? Er findet sie schließlich und reist gemeinsam weiter mit ihr auf der Suche nach Mehmet.....

Ein Buch, dass man möglichst nicht auf Busreisen lesen sollte und vielleicht auch nicht in einem Türkei-Urlaub. Es weißt surrealistische Züge auf; viele Metaphern. Engel spielen eine Rolle, ein Süßwarenhersteller und Unfälle. Der Tod als Schlüssel zu einem neuen Leben?

Viel verwirrendes. Ein Buch, dass man vielleicht vor allem wegen seiner Sprache lesen wird.
Vielleicht habe ich manches nicht verstanden, gelangweilt hat mich das Buch aber wiederum auch nicht.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
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Veröffentlicht am 15. Januar 2006 von "cocoki"
Nicht empfehlenswert! Verschwenden Sie nicht Ihre Zeit!
Sofern der Leser Interesse an langatmigen, teils sinnlosen Schilderungen hat, bitte, aber für so etwas ist mir meine Zeit zu schade. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 25. Mai 2005 von "service366"
Er nimmt die Seele des Menschen und....
Orhan Pamuk, wie es auch bei seinen anderen Büchern der Fall ist, nimmt die Seele des Lesers mit und geht damit auf eine Wanderung durch das eigene Leben, durch das Leben... Lesen Sie weiter...
Am 25. April 2001 veröffentlicht
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