Dem regelmäßigen Leser der Neuen Zürcher Zeitung wird der Autor dieses Buches nicht unbekannt sein. Denn seine Kolumne im monatlich erscheinenden NZZ-Folio, in der Reto U. Schneider ungewöhnliche Experimente aus den unterschiedlichsten Wissenschaftsdisziplinen vorstellt, ist äußerst beliebt. Das zeigt auch ein erster Sammelband, der sich bestens verkaufte und seit 2006 in einer Taschenbuchversion vorliegt. Ahnend, dass einige Fans solcher Geschichten Angst haben könnten, das neue Buch sei eine Art Restverwertung, beruhigt er die Gemüter gleich im Vorwort. Und wer die neu vorgestellten Experimente liest, kann stellt tatsächlich fest, dass die Auswahl geglückt und ein weiterer Band durchaus möglich ist.
Bei jeder Sammlung stellt sich natürlich die Frage, nach welchen Kriterien die Einzelteile geordnet werden sollen. In diesem Fall entschieden sich Verlag und Autor für die Chronologie, beginnend im Jahre 1654 mit dem bekannten Experiment der Magdeburger Halbkugeln, die selbst 20 Pferde nicht auseinanderreißen konnten, weil sie von einem Vakuum und dem Luftdruck zusammengehalten wurden. Das letzte vorgestellte Experiment ist mit 2008 datiert und soll auf die Frage Antwort geben, warum Hunde gähnen. Weitere hundert Resultate menschlicher Neugier entführen den Leser in die verschiedensten Welten und Wissenschaftsdisziplinen. Und weil es dem Autor gelingt, die Versuchsanordnungen und Ergebnisse anschaulich zu erklären, ist dieses unterhaltsame Buch auch eine Form von lockerer Wissensvermittlung. Kommt hinzu, dass die Texte durch Illustrationen und Bilder erläutert werden.
Bei der Bewertung fragte ich mich, wie stark ich es gewichten soll, dass sich der Autor bei den Quellenangaben und der weiterführenden Literatur so zurückhält. Denn bei vielen Experimenten hätte ich es geschätzt, wenn mir der Autor bei der Befriedigung meiner Zusatzneugier geholfen hätte. Auch im Google-Zeitalter halte ich es für einen schönen Service, dem Leser bekannte Informationen gleich mitzuliefern. Ebenfalls gewünscht hätte ich mir ein besseres Sachregister. Wer nicht an das gleiche Stichwort wie der Autor denkt, hat Mühe, ein bestimmtes Experiment zu finden. Und wer sich zum Beispiel nur für Versuche interessiert, die mit menschlichen Verhaltensweisen zu tun haben, muss sich wohl oder übel durchs ganze Buch lesen, falls er nicht zufällig weiß, wer außer Milgram ebenfalls solche Experimente durchführte. Also kam ich zum Schluss, diesem Sammelband wegen solcher Versäumnisse einen Bewertungsstern zu entziehen.
Mein Fazit: Wozu menschlicher Forschungstrieb führen kann, zeigt dieser Sammelband merkwürdiger Experimente auf unterhaltsam Weise. Und da der Autor von einem Zeitraum berichtet, der von 1654 bis heute dauert, ist sein Buch auch eine Form von Wissenschaftsgeschichte. Verständlich geschrieben und mit vielen Illustrationen und Bildern.