Bolivien galt lange Zeit als einer der gefährlichsten Unruheherde in Lateinamerika. Schon bei Che Guevaras Versuch einer Revolution stand Bolivien lange Zeit im Fokus des internationalen Interesses. Nach dem überraschenden Wahlsieg des Evo Morales reisten viele Staatsmänner, nicht nur aus Lateinamerika, zur Amtseinführung. Die Reformen und einige Rückschläge zu Beginn der Amtszeit des neuen Präsidenten ließen Stimmen laut werden, die ein Scheitern des neuen Bolivien voraussagten. Aber im Dezember 2009 wurden die Ergebnisse der neuen Ära durch den erneuten Wahlsieg Morales' manifestiert. In Bolivien finden tiefgreifende Umwälzungen statt, die vielleicht ähnlich tiefgreifend wirken können wie die kubanische Revolution.
Bolivien ist das "indianischste" Land Südamerikas (S. 16) und seine sozio-kulturelle Entwicklung in den nächsten Jahren wird entscheidend für den erfolg der Veränderungen unter Präsident Morales sein. Lessmann stellt die gegenwärtige Situation sehr anschaulich dar und beschreibt dann, wie es zu dieser Entwicklung gekommen ist. Dabei geht er zurück bis zu den indianischen Wurzeln des Landes, ohne deren Kenntnis niemand Bolivien verstehen wird.
Über Inkareich und spanische Konquista führt der Autor den Leser bis zur Gegenwart. Dabei spielt der Salpeterkrieg mit Chile ebenso eine Rolle wie die Militärdiktaturen oder die neoliberalen Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten. Ohne diesen langen Entwicklungsprozess zu kennen wird ein Verständnis der heutigen Situation in Bolivien nicht möglich sein.
Lessmann versteht es, dem Leser die gesamte nicht immer einfach zu vertsehende Geschichte auf einfache Weise zu vermitteln. Am Ende der Lektüre versteht man die Entwicklung in Bolivien - es ist ein hervorragendes Buch zum Verständnis eines spannenden politischen Prozesses geworden.