Für mich ist dieses Buch seit Jahren ein ständiger Begleiter, ich habe in Anlehnung an Stahleckers Methode mit den unterschiedlichsten Pferden gearbeitet (Pony, Haflinger, Araber, Voll-und Warmblut) vom rohen Pferd bis zum ausgebildeten od. korrekturbedürftigen Pferd und schwöre auf diese unglaublich kreative Methode. Das Schöne daran ist die Wechselbeziehung und das vertiefte Verständnis, das sich nach einiger Zeit zwischen Pferd und AusbildnerIn einstellt. Jetzt bilde ich mein eigenes, rohes Pferd (Trakehner) nach dieser Methode aus und wir haben sehr viel Spaß dabei. Nicht nur, daß mein knapp 3-jähriger schwierige Lektionen spielerisch erlernt, er merkt gar nicht, daß sie schwierig sind. Er entwickelt ein erstaunliches Beingefühl, das ihm ermöglich, seine Beine Millimetergenau zu platzieren (etwa beim geschlossenen Stehen). Er kommt dabei zur Ruhe, entwickelt eine erstaunliche Konzentrationsfähigkeit, achtet auf die kleinste Aufforderung und ist schon nach kurzer Zeit sehr folgsam und anhänglich. Diese Methode ist allerdings nur etwas für geduldige, beharrliche Perfektionisten und erfordert ein hohes Maß an Flexibilität und Pferdeverstand. Man muß sich über jeden Ausbildungsschritt genaue Gedanken machen und sich Zeit nehmen für die Detailarbeit. Dafür erspart man sich endlose Kilometer auf einem schwankenden, nach Gleichgewicht ringenden Pferd. Es muß einem auch klar sein, daß man von vielen Pferdeleuten belächelt werden wird und auf viel Unverständnis stößt. Aber ich denke, daß man mit dieser Methode dem Traum der vollkommenen Harmonie zwischen ReiterIn und Pferd einen sehr großen Schritt näher kommt. Ich halte die herkömmliche Methode des Anreitens sowohl für den Reiter als auch für das Pferd für ausgesprochen unbefriedigend und würde sie jederzeit ohne zu zögern durch die HSH-Arbeit getrost ersetzen. Vor allem, wenn man sein Pferd hoch ausbilden will und aus ihm einen leichtfüßigen Tänzer machen will, lohnt sich die Zeit am Boden allemal. Wenn ich auf einem Turnier verspannte, blockierte und ungleich tretende Pferde sehe, weiß ich, daß sie sicher keine HSH-Pferde sind.
Fortsetzung:
Im April 2006 habe ich den obigen Text hier veröffentlicht. Damals hatte ich zwar das Vertrauen in die Methode von Fritz Stahlecker und die tägliche Bestätigung durch mein junges, nicht angerittenes Pferd (Trakehner), aber Kritiker kann man dadurch nicht überzeugen, das war mir klar. Mittlerweile hat mein Pferd fünfjährig seine erste Turniersaison (2008) absolviert. Ich habe ihn in A, L und LM gestartet, von 13 Starts hat er 9 Mal gewonnen und war 4 Mal zweiter. Die Wertnoten waren bis 8,0 in der A, bis 7,5 in der Klasse L und 6,8 in der LM, die ich nur zweimal gestartet bin, beide Male aber auf Anhieb gewonnen habe. Mein Vorsprung war manchmal recht deutlich (bis 7-Zehntel). Das habe ich in erster Linie dieser Ausbildungsmethode zu verdanken, denn mein Pferd kann nicht durch 10er Gänge punkten (wohl aber durch einen 10er Charakter), obwohl seine Grundgangarten gut sind. Er hat die Richter durch seine Harmonie und Korrektheit, Lektionssicherheit, seinen Gehorsam, seine Durchlässigkeit, Losgelassenheit und Versammlungsfähigkeit überzeugt. Nun steht er an der Schwelle zur Klasse M und immer noch begleitet mich die Handarbeit, die ich ergänzend zum Reiten einsetze, einerseits um mein Pferd zu entlasten und andererseits um künftige Anforderungen zu erarbeiten, wie Piaffe und Passage oder Galoppirouetten, die ich ohne Druck und Eile ihm Spiel und mit viel Lob erarbeiten kann. Dabei hat das Pferd viel Freiraum und Interpretationsmöglichkeiten (was sehr motivierend wirkt) und entwickelt einen ihm eigenen, individuellen Ausdruck, der den Charme und die Schönheit dieser Lektionen unterstreicht. Wien, Feb. 2009