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6
4,3 von 5 Sternen
Das letzte Jahr: Bericht über meinen Vater
Format: TaschenbuchÄndern
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 3. Juni 2005
Erika Manns letzte Lebensphase war ganz dem Werk des Vaters gewidmet und hier legt sie ein Zeugnis der ganz besonderen Liebe und Bewunderung für den "Zauberer" vor.
Wie gut, dass es dieses anrührende Stück Literatur nun wieder in einer reich bebilderten Taschenbuchausgabe bei Fischer gibt!
Die Zeit zwischen Sommer 1954 und August 1955 waren noch einmal voller Höhepunkte im Leben des Nobelpreisträgers.
Er feierte seine goldene Hochzeit und seinen achtzigsten Geburtstag, er schrieb seine auch in diesen Tagen wieder hochaktuelle Schillerrede und seinen "Versuch über Tschechow", in Lübeck wurde ihm die Ehrenbürgerwürde verliehen. Gleichzeitig nimmt er Abschied vom Leben, ist müde am Ende eines langen, erfolgreichen Weges! All das schildert Erika Mann auf sehr persönliche, liebevolle Weise, dabei durchaus auch ironisch und manchmal doppeldeutig. Aus jeder Zeile spricht Bewunderung für den Vater und für den Künstler - ohne jemals erstarrt zu wirken.
Leider war Erika Mann nach sehr erfolgversprechenden Anfangsjahren als Schauspielerin und Kabarettistin, Redenschreiberin und Journalistin nach dem Ende der Emigration keine eigene Karriere mehr beschieden, trotz ihrer vielseitigen Talente. Sie war unversöhnlich und in ihren Urteilen oft ungerecht -- aber ihre Loyalität und Wärme, mit der sie ihren Vater auch über dessen Tod unterstützte ist beispiellos.
Und da das Buch auch zwischen den Zeilen viel verrät über eine besondere Vater-Tochter Beziehung hat dieses kleine Büchlein in keinster Weise an Aktualität verloren!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 3. Mai 2015
Wer sich eingehender mit den vielfältigen Verflechtungen rund um die Familie Mann und vor allem Tochter Erika beschäftigen will, der kommt um dieses schmale Werk der Erstgeborenen nicht herum. Erschütternd ist dabei, wie diese kluge, stolze und weltgewandte Frau bis zu dessen letztem Atemzug unter dem Bann des "Zauberers" stand und am Ende ihr eigenes Selbst längst aufgegeben hatte. Sie sollte es nicht wiederfinden. Das Erinnerungsbuch an Thomas Manns letztes Jahr hat Erika frisch nach dem Ableben des von ihr nahezu vergotteten Vaters verfasst und es gibt daher wohl ziemlich authentisch die Gefühlswelt der Autorin wieder.

Grob einteilen lässt sich das einschließlich Anhang und Register nur 96 Seiten umfassende Buch in drei Abschnitte. Die erste Phase des letzten Lebensjahres von Thomas Mann ist mit unverändert rastloser Arbeitswut des Schriftstellers ausgefüllt. Die Arbeit sei doch "seine einzige Freude", sagt er einmal zu Erika, und was muss sie als Tochter dabei wohl empfunden haben. Sie hat es in Ihrem Herzen verschlossen und sich als treue Assistentin und Pressesprecherin, Privatsekretärin und Chauffeurin dem nahezu mechanisch ablaufenden Arbeitsmarathon des Vaters angepasst. Finanzverwalterin und Managerin blieb die ebenso allmächtige Mutter Katja. So manche Rede Thomas Manns hat Erika, da sie seinen Stil inzwischen nahezu perfekt beherrschte, praktischerweise gleich selbst geschrieben oder zumindest "in die Form gebracht". Sich als Schriftsteller "eine Form zu geben" und nahezu von einem hehren Sendungsbewusstsein erfüllt zu allen möglichen Dingen Stellung beziehen zu müssen, diesen Anspruch hat Thomas Mann konsequent verinnerlicht; und Erika folgte diesem Weg treu und ergeben bis zum Schluss - das Rebellische der 30er und 40er Jahre hatte sie da längst aufgegeben. Immer häufiger ersetzt sie das "Ich" durch ein "Wir". Und wehe, jemand wagte an der Einmaligkeit und gottgleichen Größe des Vaters zu zweifeln! Den traf der Bannstrahl von Erikas glühender Verachtung umso heftiger (siehe Schwester Monika).

Im zweiten Teil hakt Erika Mann tagebuchartig datierte Stationen auf ebenso rastlosen Reisen zu Vorträgen, Ehrungen und Auszeichnungen ab. Das letzte Jahr war für Thomas Mann ein sehr anstrengendes, denn es war auch das seiner Goldenen Hochzeit mit Katja und seines 80sten Geburtstages. Hier bricht sich teilweise peinlich berührende Eitelkeit gehörig Bahn. Politiker, gekrönte Häupter und Industriekapitäne ohne Zahl werden aufgeführt, bei denen die Manns zum Empfang weilten oder mit denen sie feierlich verkehrten und dinierten. Da ist die Distanzlosigkeit schon erschreckend, wenn sich Thomas Mann beispielsweise beim Besuch der DDR in Weimar von den Staatsbonzen hofieren und mit allem Pomp zu Propagandazwecken vorführen lässt im "besseren" Deutschland. Das durchschaut Thomas Mann nicht oder will es nicht durchschauen und auch Erika glänzt hier nicht gerade mit Bescheidenheit und Distanz. Thomas Mann ließ sich auch in der DDR willig und selbstgerecht feiern wie ein Staatsgast oder Popstar und sich nur zu gerne von der Leimrute des wendigen Kulturministers Johannes R. Becher einfangen. Erika zieht voll mit. Beispiel: "13. Mai. Abends mit Bechers. Seine Anhänglichkeit an Z. ehrlich und 'eingeweiht'. Stadt überfüllt mit 'Schiller-Gästen' - viele von weit her: Wallfahrer aus Ost und West". Leise Bedenken kommen der klugen Frau zwar, aber die wischt sie mit einem Federstrich ziemlich dreist hinweg. 1955 war die Mauer noch in weiter Ferne.......

Am beeindruckendsten finde ich den dritten Teil des Buchs, mit unmittelbaren Impressionen aus der letzten Zeit der Krankheit zum Tode von Thomas Mann und aus der Krankenstube. Mann litt wohl schon länger an Arterienverkalkung, die sich von den Beinen aus schleichend des gesamten Körpers bemächtigte. Zum Schluss kann er das Zürcher Krankenhausbett nicht mehr verlassen. Hier wird die Tochte sehr authentisch in ihren Gefühlen und ihr Schreiben rührt tief an. Der Vater hat den Ernst der Lage wohl nicht erkannt oder hat ihn, wie so Vieles in seinem Leben, erfolgreich verdrängt. Noch einmal das geliebte Meer zu sehen, das war ihm nicht mehr vergönnt. Bis zum Schluss schreibt er unermüdlich Briefe und arbeitet an Manuskripten auf dem Krankenlager. In seinen letzten Stunden sind Erika und Sohn Golo, der vielleicht Treueste unter den Mann-Kindern, an seiner Seite. In seiner Sterbeminute nur Katja. So hat er es sicher gewollt.

Außer Golo spielen in Erikas Abschiedsbuch die anderen noch lebenden Mann-Kinder keine Rolle. Da kommt wieder einmal mehr Erikas Arroganz zum Tragen, die manchmal unerträglich sein kann. So werden Elisabeth und Monika nur als Fußnoten erwähnt, Michael und seine Familie als "die Leutchen" (sic!) abgetan. Diese müssen doch auch gelitten haben beim Sterben des Vaters! Erika findet für sie keine Worte. Für den interessierten Leser empfehle ich als Ergänzung das auf seine Weise ebenso gelungene und doch so ganz andere Buch von Monika Mann zum Thema: "Vergangenes und Gegenwärtiges", ebenfalls 1956 geschrieben. Dieses Buch hat Erika Mann zutiefst gehasst......
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Wer als Freund oder gar Bewunderer von Thomas Mann dieses kleine Werk seiner Tochter zur Hand nimmt, wird sich sicher nicht vor der letzten Zeile losreissen können. Erika Mann schildert auf sehr persönliche Art und Weise die wichtigsten Ereignisse des letzten Lebensjahres ihres Vaters und schliesslich auf ergreifende Weise das Sterben des "Zauberers". Neben dem normalen Tagesablauf werden hochinteresante Einblicke wie z.B.in die gemeinsame Arbeit an der Schiller Rede, Begegnungen mit Heuss oder den Hesses, der Audienz bei der Königin der Niederlande oder weiterer literarischer Pläne gewährt. Dafür verzeiht man der Autorin auch gerne manche Formulierung, die man evtl. auch als Selbstüberschätzung ansehen könnte.
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am 16. März 2013
Sicher weiß man viel über Thomas Mann, wenn man seine Tagebücher gelesen hat. Aber die Beschreibungen von Erika Mann, die ihrem Vater vor allem in den letzten Jahren eine wichtige Hilfe war und bei Reisen und "Lecture-tours" nur selten von der Seite wich, bereichern das Bild vom Zauberer um noch einige Facetten. Die charmante liebevolle Stimmung, die in diesem Büchlein vermittelt wird, tut ihr Übriges. Lesenswert!
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Ich kann dieses Buch von Erika Mann über das letzte Lebensjahr ihres Vaters, Thomas Mann, wirklich nur als Ergänzung zum letzen Tagebuchband (1953-1955) von Thomas Mann empfehlen. Erika Mann schreibt viel zu plakativ und effekthascherisch, zu amerikanisch; das wird Thomas Mann nicht gerecht! Wer beides gelesen hat, Tagebuch und Erika Mann, für den mögen bestimmte abweichende Sichtweisen interessant sein. Ansonsten würde ich dem interessierten Leser, der über Thomas Manns letztes Jahr mehr wissen will, das im Fischer Verlag erschienene Tagebuch empfehlen.
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am 10. Dezember 2014
Wie ausgeschrieben und angeboten, erhielt ich den Artikel in bester Qualität.
Kann den beschriebenen Artikel bestens weiter empfehlen wie auch den Lieferanten.
Bin rundum zufrieden und würde mich wiederum zum Kauf entscheiden.
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