Ein kurzes Buch mit viel Inhalt.
Fritz Roth gibt dem Leser eine Einführung in unsere Sterbe- und Trauerkultur, vergleicht sie mit denen anderer Völker und Zeiten und erklärt plausibel, warum er unseren Umgang mit den Nogo-Themen des 20./21. Jahrhunderts für falsch hält.
Dabei geht er nicht in sonderlich in die Tiefe - was dem Buch keinen Abbruch tut! Er reisst vieles an, wiederholt auch oft seine Thesen. Will heißen: Er bietet einen Start für die (vielen) Menschen, die bisher nicht in der Lage waren, sich dem Thema zu stellen. Umfang und Wortwahl sind geschaffen dafür, Ängste zu nehmen und machen Mut, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen.
Roths Buch ist philosophisch, soziologisch und dennoch einfach. Kein Fachwörterwust!
Er fügt seinem Text eine ausführliche Liste mit Literaturtipps an, was klar macht: Dieses Buch will nicht mit einem Thema abschließen, sondern es aufschließen!
"Das letzte Hemd ist bunt" ist eine gute Einführung und vor allem ein toller Anstoß, um sich intensiver mit unserer Totenkultur zu beschäftigen.
Nicht nur für Trauernde, für alle ist dieses Buch wichtig! Roth hat Recht, wenn er sagt, wie ungesund unsere Einstellung zu dem Thema ist, das wir nur montagabends am Anfang des "Tatorts" mitbekommen. Denn unser Blick auf das Sterben hat nicht nur etwas mit unserem Tod und dem unserer Angehörigen zu tun - sondern auch mit unserer Einstellung zur Arbeit. Wie sehr Weltbilder und Lebensführung zusammenhängen, wird von Fritz Roth klasse offengelegt!
Das Buch löst Hemmungen durch seine sprachliche Einfachheit und seinen Verweis auf die Vielfalt der Möglichkeiten, die wir haben. Umdenken ist angesagt!
Oder, wie Roth selber schreibt: "Wir haben viel zu gewinnen."