Nachdem Gerwalt mit der Weidenruten-Trilogie und "Sklavin am Ohio" zwei historische Romane vorgelegt hat, zeigt er mit dem vorliegenden SM-Krimi, dass er literarisch auch in der Gegenwart mühelos bestehen kann. "Das letzte Element" hat mich vom ersten Augenblick an in seinen Bann gezogen. Das liegt sicherlich an der packenden Eröffnung, die uns direkt mit der abgründigen und dennoch in sich ruhenden Psyche eines Frauenmörders konfrontiert, aber auch an den überzeugenden und liebevoll ausgearbeiteten Protagonisten der Geschichte.
Die Journalistin Naomi Gerber, die zu ihrem eigenen Leidwesen nicht dem gängigen Schlankheitsideal entspricht und sich mit den Recherchen über den Mordfall beruflich profilieren will, trifft bei ihren Nachforschungen auf Ralf Schuhmann, einen arbeitslosen Elektrotechniker, der seinerseits vorhat, ein Buch über den Mörder zu schreiben. Schon bald erliegt Naomi den Verführungskünsten des attraktiven Mannes und entdeckt zu ihrem Erstaunen, dass sie Lust dabei empfindet, seinen Befehlen zu gehorchen und sich in jeder Hinsicht seinem Willen zu unterwerfen. Gemeinsam suchen sie die einzelnen Tatorte auf, und Naomi muss schon bald feststellen, dass ihr Liebhaber beunruhigend viel über die Morde weiß. Zum Glück findet sie in Ulli, der erfrischend bodenständigen Inhaberin des Gasthauses, in dem Naomi abgestiegen ist, nicht nur eine Gefährtin auf ihrer Reise in die noch unbekannten Gefilde submissiver Erotik, sondern auch eine verständnisvolle Freundin und Vertraute.
"Das letzte Element" ist ein unglaublich spannender Kriminalroman, dessen hocherotische Szenen sich wie von selbst in das Handlungsgeschehen einfügen. Neben der Suche nach dem Mörder zeichnet der Autor einfühlsam Naomis Auseinandersetzung mit ihrer neu entdeckten devoten Neigung nach und gewährt uns dabei auch aufschlussreiche Einblicke in die Gedankenwelt des dominanten Gegenparts. Die Figuren sind in jeder Hinsicht überzeugend und lebensnah, sie bewegen sich fernab der üblichen Klischees, und die erotischen Handlungen werden mit einer Sorgfalt und Präzision beschrieben, die es unmöglich macht, sich dem Sog des Geschehens zu entziehen. Der Strudel aus Entsetzen, Schuld und Verlangen, in den Naomi auf den gemeinsamen Entdeckungsreisen mit ihrem Geliebten gerät, hat mich beim Lesen derart gepackt, dass ich das Buch im letzten Drittel kaum mehr aus der Hand legen konnte. Die Spannung schraubt sich in schwindelerregenden Wendungen höher, bis sie sich schließlich in einem furiosen Showdown entlädt...